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Meinung | Dienstag, 10. November 09

Stadtratsdebatte

1 Jahr ECE: Bitte keine neuen Ladenflächen mehr!

Passau - Das ECE-Einkaufszentrum ("Stadtgalerie") in der Passauer Innenstadt sorgt auch gut ein Jahr nach der Eröffnung für Diskussionsstoff.

Im Passauer Wirtschaftsausschuss zog Oberbürgermeister Jürgen Dupper, SPD das Fazit, dass die Anziehungskraft des Zentrums durch die Stadtgalerie wesentlich gesteigert wurde - auch wenn sie große Veränderungen mit sich gebracht habe.

Darauf wies auch sein Vorgänger Albert Zankl, CSU hin. Nach seiner Überzeugung ist die überwältigende Mehrheit der Passauer froh, dass sie wieder in ihrer Stadt einkaufen können und nicht nach Linz, Wels oder Regensburg ausweichen müssen. Zu den negativen Auswirkungen des großen Einkaufszentrums sagte der Ex-Oberbürgermeister, die Probleme der Inhaber kleinerer Traditionsgeschäfte hätten nichts mit der "Stadtgalerie" zu tun.

Kritik kam vor allem aus den Fraktionen von SPD, Grünen und ÖDP. Die SPD bemängelte, dass zu viele der neu geschafffenen Arbeitsplätze nur 400-Euro-Aushilfsjobs seien. Nach Ansicht von Grünen und ÖDP hat die große Ladenpassage zu einer dramatische beziehungsweise sogar katastrophalen Situation für alteingesessene Geschäfte in der Fußgängerzone geführt.

City-Marketing-Chefin Christiane Kickum berichtete in der Textilbranche von Einbrüchen bis zu 24 Prozent in den Nebenstraßen der Fußgängerzone, generell von 13 Prozent; nicht alles sei der Krise zuzuschreiben. "Bitte, bitte keine weiteren Flächen mehr ausweisen, vor allem nicht an der Peripherie", mahnte sie das Überangebot von Verkaufsflächen an. Aber sie meinte auch, man habe sicher Kaufkraft aus dem weiteren Umland hinzubekommen.

Dem widersprach der Grünen-Stadtrat und Ladeninhaber Stephan Bauer (32): "In den Randlagen ist es katastrophal, da werden noch einige Läden zusperren müssen."

ÖDP-Stadtrat und Fotografenmeister Michael Geins (67) nannte die Situation "dramatisch", das Center habe dem innerstädtischen Handel "sehr geschadet". Es gäbe 20.000 Quadratmeter Ladenflächen zu viel. SPD-Stadtrat und Augenoptikermeister Andreas Rother kritisierte die vielen 400-Euro-Jobs im Center, die schlechte Quote der Vollzeitbeschäftigung.

ECE-Center-Managerin Tanja Popp gab sich ahnungslos, sie wisse nicht, wieviele der 738 Arbeitsplätze geringfügig Verdienende oder Teilzeitkräfte sind. "Die Menschen kommen von noch weiter her als wir dachten", versprühte sie Optimismus.

OB Dupper versuchte ein diplomatisches Schlusswort: Dass die "Stadtgalerie" nicht folgenlos bleiben werde, habe man gewußt, im Guten wie im weniger Guten.

iv/ hud

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