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Meinung | Mittwoch, 06. Oktober 21

Denkmalpflege

Weil´s eh scho Wurscht is

Wer wie ich in einer Wohngemeinschaft lebt, der kennt den Effekt: Einer lässt seinen schmutzigen Teller stehen, weil es für den Weg zum Geschirrspüler nicht mehr gereicht hat, der nächste spart ihn sich auch und bald stapelt sich das Geschirr. Ist picobello aufgeräumt, steigt die Hemmschwelle, Unordnung zu schaffen. Wer einen vermüllten Gehsteig sieht, scheut sich weniger, seinen eigenen Abfall fallen zu lassen. „Weil‘s eh scho Wurscht is.“

In der Stadtpolitik läuft es ähnlich. Der Malerwinkel am Linzer Tor, der wahrscheinlich ein kulturhistorisch wertvolles Holzhaus verlieren wird, hatte schon zuvor seinen Ensembleschutz eingebüßt. Ein Fachmann der Denkmalpflege beurteilte, dass es im Umfeld nichts mehr zu schützen gäbe; hässliche Wohnblöcke der städtischen Gesellschaft haben es verbaut. „Is eh scho Wurscht.“

Neben dem schlossähnlichen Passauer Hauptbahnhof, ein Einzeldenkmal aus dem 18. Jahrhundert, wollen Vertreter des Medienimperiums Diekmann ein profitables Studentenwohnheim hochziehen, fast so hoch wie das Bahnhofsdach. Stadträte blickten sich um und empfanden, dass rundum sowieso schon viel zu hoch gebaut worden sei. Auf das Wohnheim komme es auch nicht mehr an. „Eh scho Wurscht.“

An der Donaulände entsteht ein Hochwasserschutz mit Mauern, die höher aufragen werden als man es sich vorstellen mag. Vom Boden bis zur Fahrbahn der Schanzlbrücke, kein Durchblick mehr zur Donau. „Hier kann man sowieso nichts mehr verschandeln“, hatte selbst der strengste Stadtbildbewahrer vom Forum Passau gesagt. „Weil´s do eh scho Wurscht is.“

Menschen mit dieser Einstellung sind mir manchmal zuwider. Sie machen es sich zu leicht. Man muss bei den kleinen Dingen anfangen, wenn man Großes erreichen oder Schlimmeres verhindern will. Weil´s eben nicht Wurscht sein darf, was um einen herum passiert.

Ihr Hubert Jakob Denk

Erschienen in, Bürgerblick 124/ April 2019

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