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Nachrichten | Samstag, 02. Mai 20

Stress in Seuchenzeiten

Die Corona-Demo, mit der ehrenwerte Geschäftsleute nichts zu tun haben wollen

Johannes Huber stellt den Gesundheitsschutz über alles. „Die Akzeptanz der Bevölkerung war extrem hoch“, blickt er zurück. Damit sei es wohl jetzt vorbei. Mit den Lockerungen seien Verhältnisse eingetreten, die der Gleichbehandlung zuwiderlaufen und am Sinn zweifeln lassen: Dient das noch der konsequenten Infektionsbekämpfung?

Der Reporter hat Huber, einen der wichtigsten Geschäftsleute in der nördlichen Region von Passau angerufen, weil angeblich deren Vertreter heute zu einer Demonstration in der Passauer Innenstadt aufgerufen haben. „Die maximal erlaubte Teilnehmerzahl von 50 ist angemeldet“, sagt ein Polizeisprecher. Es gehe um Corona und die Maßnahmen. Laut Anmeldepapier würden "Geschäftsleute der nördlichen Landkreise" dahinter stehen. Wer konkret als verantwortlicher Organisator genannt ist, will der Polizeibeamte erst sagen, wenn er mit diesem Rücksprache gehalten hat. 

Darf die Öffentlichkeit nicht wissen, wer als Veranstalter hinter einer öffentlichen Demonstration steckt? Der Polizeibeamte sieht den Datenschutz an erster Stelle, der Journalist die Informationspflicht.

Der Rückruf kommt. Der Veranstalter ist ein Mobilfunkhändler aus dem Landkreis Freyung-Grafenau. Seine Frau gibt Meditationskurse, welche Selbstheilungskräfte fördern und Stress abbauen. Gemeinsam verkaufen sie Betten aus schlaffördernden Hölzern. Ähnliche Demos finden, so hat der Veranstalter verkündet, heute parallel in verschiedenen Städten statt.

Die Demo in Seuchenzeiten bedeutet für viele heute eher Stressförderung: vor allem für die Polizeibeamten, die überwachen müssen, dass der Aufmarsch mit Abstand, eineinhalb Meter, erfolgt, keine Flugblätter verteilt werden, die Veranstaltung nicht länger als 60 Minuten dauert und sich auch unter den Zuschauern keine Gruppen bilden.

Händler Huber in Waldkirchen erklärt, dass er hinter dieser Demo stünde, wenn die Gerechtigkeit der Maßnahmen das Thema wäre. Er kann nur für seine Branche, den Handel sprechen. Warum durften Baumärkte früher öffnen als Modehäuser? Warum anfangs nur Geschäfte unter 800 Quadratmeter, aber diejenigen nicht, welche ihre Verkaufsflächen freiwillig begrenzten? Letztere Frage haben die Gerichte bekanntlich zugunsten der klagenden Händler entschieden. Ob die Lockerungen dem Infektionsschutz dienten, sei dahingestellt. Johannes Huber führt zusammen mit seinen Bruder Christopher in Waldkirchen eines der größten Bekleidungshäuser der Region. 

Wie läuft das Geschäft heute am Samstag? Ab und dann würde sich vor der Tür eine kurze Warteschlangen bilden, erzählt er. Er blicke auf den fast leeren Parkplatz mit 290 Stellplätzen. Wie hat er die "800-Quadratmeter"-Vorschrift gelöst? In dem 9.000-Quadratmeter großen Modehaus sind bis auf die Kinderabteilung alle Räume geschlossen worden. Damit passt die Vorgabe. Die Verkäuferinnen bringen in die Kinderabteilung alles, was der Kunde begehrt. Die Umsätze sind sehr bescheiden. Es sind ja nur maximal Kunden 40 gleichzeitig erlaubt. „Wir können für die Kunden wieder da sein, das ist das Wichtigste“, sagt Huber. Er hat für alle 500 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet.

Früher: An normalen Tagen halten sich 300 Kunden gleichzeitig im Haus auf; verteilt auf die Gesamtfläche sind dies 30 Quadratmeter für jeden; weit mehr als im Infektionsschutzgesetz vorgeschrieben. An turbulenten Verkaufstagen sind bis zu 900 Kunden zugegen, in der Summe 10.000 am Tag. 

Der Reporter nennt dem Waldkirchner Geschäftsmann den Titel der Passauer Demo: „Spaziergang gegen Corona-Diktatur“. Huber sagt, er wisse von dieser Demo nichts und, nachdem er den Titel gehört hat, ist er sich zudem sicher, dass er damit nichts zu tun haben will.

Die Demo der Corona-Maßnahmen-Gegner beginnt, wenn der Passauer Bischof die Pandemieglocken läuten lässt. Gut möglich, dass die Redner abwarten müssen, bis die Kirchen verstummen.

Zu den sogenannten "Hygiene-Spaziergängen", die unabhängig von dieser "Anti-Corona-Demo" als nicht angemeldete Treffen stattfinden, hier ein Beitrag unserer Kollegen von "Regensburg-Digital"

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Die Diagnose "Brustkrebs" hat im Vorjahr 400 Frauen in Stadt und Landkreis getroffen. Diese Telefonaktion mit Experten-Trio Radiologe Dr. Braitinger, Frauenärztin Nolte und Klinikum-Professor Südhoff soll Ängste nehmen und über Behandlungsmethoden aufklären. Bei Früherkennung sind 85 Prozent der Erkrankten heilbar. Telefon 0851-5300-8444 und -8445 bis 16 Uhr. 


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