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Brennpunkt | Mittwoch, 06. Januar 21

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Solange die Inzidenz über 200 liegt, ist die Bewegungsfreiheit in den Seuchengebieten auf 15 Kilometer (Luftlinie, Kreis als Beispiel für Passau) eingeschränkt.
Akute Seuchenlage

Hohe Todeszahlen, eingeschränkte Bewegungsfreiheit

Mit 1.070 neuen Todesfällen in Deutschland beginnt die Meldung des Tages von der Corona-Lage.

Solche Nachrichten hatten sich abgezeichnet, als der Landkreispressesprecher am Dreikönigstag seine Abendmeldung mit dem Schlussatz verschickte: "Außerdem müssen wir darüber informieren, dass neun Corona-Patienten aus dem Landkreis Passau verstorben sind. Es handelt sich dabei um zwei Männer im Alter von 52 und 78 Jahren sowie um sieben Frauen im Alter zwischen 73 und 91 Jahren. Unser Mitgefühl gilt den Familien und Angehörigen der Verstorbenen."

Diese Meldungen sind zum traurigen Medienalltag geworden. Dass die Zahl der Sterbefälle diese Dimensionen erreicht, führt vor Augen, dass wir in unserem Land die Kontrolle über die Seuche verloren haben. Der Autor hat am Feiertag ein Gespräch mit einem Kollegen in Hongkong geführt, eine 7.5-Millionen-Metropole, um sich zur Corona-Lage auszutauschen. Als er den Taschenrechner zur Hand nahm, um Todes- und Infektionsrate einer Millionenmetropole mit der seiner Heimat zu vergleichen, erschrak er.

154 Sterbefälle registriert Hongkong seit Beginn der Pandemie, die dort im Januar begann und jetzt die dritte Welle bekämpft. Das entspricht zwei Corona-Toten je 100.000 Einwohner.

Die Nachfrage bei Stadt und Landkreis Passau, wie sich die Sterbefälle bei uns summieren ergab: 75 Corona-Tote, Stand Dienstag, im Stadtgebiet, und 159 Corona-Tote im Landkreis seit der traurigen Meldung vom Dreikönigstag.

234 Tote in Stadt und Land, in einem Gebiet, das weniger als eine Viertelmillion Einwohner zählt. Das entspricht 95 Corona-Toten je 100.000 Einwohner. Auf die Stadt Passau alleine gerechnet sind es statistisch 142 Tote je 100.000 Einwohner. Das ist ein Wert, den im Landesdurchschnitt die zwei weltweit am meisten betroffenen Länder Italien und Belgien erreichen.

Mit den Infektionszahlen ist es ähnlich.

Was macht Hongkong anders, eine Metropole, in welcher die Leute dicht an dicht leben?

Sind sie dort durch ein Sars-Virus 2003, das in Hongkong 300 Menschenleben forderte, sensibilisiert worden? Auf das Gespräch mit meinem Kollegen in Asien wird die Redaktion im nächsten Heft eingehen. Grundsätzlich lässt sich sagen, die Menschen dort ignorieren die Seuche nicht, sondern nehmen sie auf Schritt und Tritt ihres Alltags sehr ernst. Mit Fassungslosigkeit blickt mein Kollege auf die Nachrichten aus Europa, die Maskengegner, die Demos, die wir unter "Querdenker"-Bewegungen einordnen.

(Der Schluss des Textes war zuletzt etwas holprig, wurde durch Telefonate unterbrochen und erst im Nachhinein korrigiert)

Dienstag, 5. Januar

Bedrückende Zahlen zu Toten und Patienten kommen heute aus der Heimat, einschneidende neue Maßnahmen sollen die Seuche schneller eindämmen.

Stadt und Landkreis Passau haben heute an einem Tag zehn neue Corona-Sterbefälle gemeldet, ein neuer Höchstwert.

Bewegungsfreiheit: maximal Entfernung Passau-Hauzenberg
Ab einer Inzidenz über 200 ist nach heutigem Regierungsbeschluss der Bewegungsradius auf 15 Kilometer eingeschränkt, um die Seuche einzudämmen. Die Stadt liegt aktuell bei 313, der Landkreis bei 310. Der Ansturm auf Winterausflugsgebiete, bei uns der Bayerische Wald, wird damit zudem unterbunden. Der Virusüberträger ist hauptsächlich der reisende Mensch, die Begegnung von Mensch zu Mensch.

Das neue private Kontaktlimit: Je Haushalt maximal eine besuchende Person.

Der verschärfte gesellschaftliche Stillstand ist angeordnet bis Ende Januar. Am 25. Januar wird sich der Krisenstrab wieder treffen, um die Lage zu beraten.

Große Sorge bereitet eine hoch ansteckende Virusvariante, die aus Großbritannien gemeldet worden ist. Dort werden alle Register gezogen, mit einem neuen harten Lockdown Menschenleben zu retten. In Österreich sind erste Infektionen nachgewiesen worden.

13 Patienten künstlich beatmet
An den Passauer Landkreiskrankenhäusern hat sich die Situation weiter verschlechtert: 71 stationäre Patienten, davon 12 auf der Intensivstation. An den Beatmungsmaschinen kämpfen die Ärzte um 5 Leben. Im Klinikum Passau werden 11 von 92 Corona-Patienten auf intensiv behandelt, davon 8 angeschlossen an künstliche Beatmung.

Hohe Sterberate in Passau

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Stand heute: Die Zahl der Corona-Toten gerechnet auf 1 Million Einwohner. Passau liegt mit 1.400 höher als der Landesdurchschnitt in Belgien (Platz 2) und unter dem traurigen Spitzenreiter Italien. (Quelle: Statista)
Die Stadt Passau hat mit 75 Corona-Toten seit Beginn der Pandemie eine Sterberate erreicht, die im statistischen Vergleich den landesweiten Werten der weltweit am schlimmsten betroffenen Länder Italien und Belgien entsprechen: 140 Tote gerechnet auf 100.000 Einwohner. Der deutsche Durchschnittswert liegt bei 43.

Mit sieben gemeldeten Corona-Toten werden vom Landkreis Passau so viel wie noch nie an einem Tag gemeldet; drei Männer im Alter zwischen 76 und 84, vier Frauen im Alter zwischen 88 und 99.

In einem Altenheim in Bad Griesbach sind 25 Bewohner und 19 Beschäftigte betroffen, dies entspricht etwa einem Drittel der neu gemeldeten 134 Fälle im Landkreis.

Impfungen für Menschen 80plus
Laut Landrat Kneidinger können mit Blick auf die zugesagten Impfdosenlieferungen noch im Januar die Impfungen der über 80-Jährigen außerhalb der Altenheime beginnen.

Im Landkreis Passau können sich Menschen, die 80 Jahre und älter sind, ab 18. Januar, 10 Uhr, für die Impfung anmelden. Die Programme für die Online-Registrierung, viele werden dafür die Hilfe der Jüngeren benötigen, sollen bis dahin laufen. Telefonische Anmeldungen sollten so weit wie möglich vermeiden werden, um den organisatorischen Aufwand gering zu halten.

Die Angemeldeten erhalten Nachricht, wann und wo, im Salzweger Impfzentrum oder einem Impfbus, ihr Termin ansteht. Dies dürfte eher Ende Januar sei, da ab 18. Januar zuerst die Altenheimbewohner ihre zweite Impfung erhalten. Mehr als 30 Altenheime mit rund 2.000 Bewohnern zählt der Landkreis. Dort ist die erste Impfrunde weitgehend abgeschlossen.

1.133 Landkreisbürger befinden sich aktuell als ansteckend oder erkrankt in Isolation, davon neu hinzugekommen sind 134.

Die Stadt Passau meldet sechs Neuinfektionen und drei Todesfälle: ein 90-jähriger Altenheimbewohner, ein Bürger, 76, und eine Bürgerin 90. In den drei Altenheimen sind die Ausbrüche weiter zurückgegangen: 39 Bewohner und 29 Beschäftigte befinden sich krank oder ansteckend in Isolation.

Im Stadtgebiet wird die nächste Charge Impfstoff am 9. Januar erwartet, danach werden zwei je Woche erwartet. Ab dem 20. Januar soll über eine Online-Registrierung nicht nur die Anmeldung, auch die Terminvergabe erfolgen.

Die bereits angeschriebenen Bürgerinnen und Bürger 80 und älter, können sich telefonisch (0851/396-850) auf die Warteliste setzen lassen, oder über die Internetseite der Stadt anmelden.

Im Impfzentrum „X-Point-Halle“ in Kohlbruck sind an den ersten beiden Öffnungstagen, Neujahrstag und tags darauf, 346 Personen geimpft worden, in der Summe bisher 1.013. Die Impfungen in den Altenheimen (etwa 80 Prozent Impfwillige) sind angeblich weitgehend erledigt. Das Personal sei eher zurückhaltend gewesen, die Impfquote liegt hier bei etwa 50 Prozent.

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14:31
Donnerstag
21. Januar 2021
 
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KULTUR AM BILDSCHIRM
21.01. | Donnerstag

Gefangenenchor aus Venedig
 
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Bewegendes Neujahrskonzert aus dem Opernhaus von Venedig, "Teatro des Fenice". Mit Verdis "Nationalhymne" aus "Nabucco" ab Minute 44.30. Mehr als 100 Mitwirkende mit Mund-Nasenschutz, auch 12 Sängerinnen und 32 Sänger mit Masken, nur die 19 Musiker der Blasinstrumente sind befreit. Leitung: der britische Maestro Daniel Harding. Auf TV "Arte" abrufbar bis 31. Januar.


07:00 Uhr
OPERNHAUS
Die Fledermaus
 
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Hier am Heimkino erleben: Verwechslungskomödie von Johann Strauß um den leichtlebigen Gabriel von Eisenstein und seine untreue Frau Rosalinde. Gilt als Klassiker der Wiener Operettenära und führt eine dekadente Gesellschaft vor.  


13:00 Uhr

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