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Nachrichten | Donnerstag, 07. Oktober 21

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Teststation der Malteser an der Passauer Donaulände: keine PCR-Tests, aber Schnelltests für Touristen, die künftig nicht mehr kostenlos sind. (Foto: mediendenk)
Freizeit und Kultur mit 3G

Corona-Tests für Impfgegner: Wer sie durchführt, was sie kosten

Das Leben in Corona-Zeiten ist für Impfunwillige mit immer mehr Hürden verbunden. Ab Montag geht´s zusätzlich an deren Geldbeutel, denn die Zeit der kostenlosen Tests ist vorbei. Was muss künftig bezahlt werden und wer bietet die Tests überhaupt noch an? Welche Schlupflöcher werden genutzt? Wir haben heute die Informationen gesammelt.

Es wird eng mit den Testmöglichkeiten für Ungeimpfte. Aus dem Rathaus ist zu vernehmen, dass das Testzentrum am Klinikum für diese Klientel wohl geschlossen wird. Private Abrechnungen für kostenpflichtige Test zu erstellen, wolle man sich nicht aufbürden. Das Testzentrum des Landkreises in der Haitzinger Straße, Stadtteil Haidenhof-Nord, verfährt ebenso. „Ab 11. Oktober gilt, wie im Übrigen für alle bayerischen Testzentren, dass dort keine kostenpflichtigen Tests angeboten werden“, schreibt Landratsamtssprecher Christoph Kölbl. Man beschränke sich auf die vom Gesundheitsamt angeordneten Fälle beziehungsweise die „berechtigen Personengruppen“.

„Berechtigte Personen“, denen keine Kosten entstehen, sind laut Landratsamt:

  • Menschen mit Erkrankungen, die keine Impfung zulassen
  • Testpflichtige, die Alten-, Pflege- oder Behinderteneinrichtungen besuchen wollen
  • Kinder unter zwölf Jahren
  • Nur bis 30. November: minderjährige Jugendliche; Studierende, Schwangere und Stillende, regelmässig gestetete Schülerinnen und Schüler.

Wer ungeimpft Tanzwirtschaft oder Theater, Fitnessstudio oder Wirtshaus besuchen will, braucht je nach 3G- oder 3G-plus-Regel einen Schnell- oder PCR-Test. Um letzteren vorweisen zu können, ist eine Vorlaufzeit von einem Tag notwendig. Beispiel: Eines unserer vollgeimpften Redaktionsmitglieder war gestern wegen Schnupfen, Halsweh und Kopfschmerzen beim Hausarzt. Der Abstrich erfolgte um 9.30 Uhr, das Ergebnis wurde heute um 10 Uhr telefonisch mitgeteilt: negativ.

Derzeit breite sich eine Erkältungswelle aus, die Grippe sei wieder auf dem Vormarsch, stellen die Mediziner fest. „Wir mussten unsere Infektionssprechstunden ausweiten“, sagt eine Passauer Hausärztin. Der Kindergarten sei wie leergefegt wegen Erkälteten, erzählt ein Vater. In der Stadtratssitzung am Montag blieben nach Krankmeldungen eine Handvoll Plätze leer. Mit dem Ende der kontaktarmen Zeit, mit weniger Maske und Abstand kehrt der Alltag ansteckender Krankheiten zurück. Der Beginn der kühleren, dunklen Jahreszeit beschleunigt die Ausbreitung. Für die Hausarztpraxen bedeutet dies, sie sind wieder gut ausgelastet. Dieser Hintergrund ist wichtig.

Wer wie unser Redaktionsmitglied Symptome zeigt, sich aus Sorge um die eigene Gesundheit oder die seiner Umgebung testen lassen will, für den zahlt den Abstrich beim Hausarzt die Kasse. Der Patient muss zugleich einwilligen, dass er als Verdachtsperson dem Gesundheitsamt gemeldet wird. Er verpflichtet sich, bis zum Testergebnis in häuslicher Quarantäne zu bleiben.

Wo sind in Zukunft noch PCR-Tests für Ungeimpfte möglich? Unsere Recherche hat ergeben: Das Rote Kreuz stellt sein Angebot ein. Die Malteser halten die Schnellteststation an der Donaulände aufrecht. Sie bedienen beispielsweise Touristen, die Schifferlfahren oder ins Restaurant wollen, aber mit Sputnik geimpft in Europa als Geimpfte nicht anerkannt werden. „Die PCR-Tests erhalten die Labors nur von den Hausarztpraxen, die werden vermutlich bald von Diskogängern überlaufen werden“, vermutet Bernhard Kilger von den Maltesern.

Was wird für kostenpflichtige Schnelltests fällig? Die Kosten der Schnelltests sind jeweils abhängig vom Betreiber. Es gibt viele Gerüchte, von 5 bis 60 Euro. „5 Euro wären sicherlich zu wenig, aber 60 Euro sind utopisch“, stellt Kilger klar. Der Betrag werde wahrscheinlich unter 25 Euro liegen. Die Malteser übernehmen die Testzentren des Roten Kreuzes, Kilger rechnet daher mit kleineren Anlaufschwierigkeiten mit dem anderen System. An den ersten beiden Tagen könne noch bar bezahlt werden, anschließend nur noch mit Karte.

Was kosten die PCR-Tests? Sie sind nicht gerade billig. Das Medizinische Versorgungszentrumlabor (MZV) in Passau, welches PCR-Tests von Hausärzten auswertet, berechnet laut Anfrage ab Montag knapp 64 Euro für Kassenpatienten und beinahe 74 Euro für Privatversicherte, hinzu kämen 5,80 Euro Materialkosten. „Der Druck, sich impfen zu lassen, steigt dadurch“, sagt Pandemiearzt Dr. Armin Spechter. Andere Stimmen formulieren es so: „Der Impfzwang ist eingetreten, auch wenn es die Politik nicht so nennen will.“

Die Hausärzte, so ergibt eine stichprobenartige Umfrage, haben für die neue Testkundschaft wohl kaum Termine. Die Drittimpfungen für die über 70-Jährigen stünden an, berichtet Dr. Spechter von der neuesten Empfehlung der Ständigen Impfkommision. Viele Ärzte würden keine PCR-Tests für freizeitliche Aktivitäten mehr durchführen, weil die Zeit fehle, so der Grünen-Stadtrat. "Ich musste meine Impfsprechstunde wegen der Erkältungswelle gerade wieder ausweiten", berichtet eine Hausärztin. Schnelltest und PCR-Test ohne medizinische Notwendigkeit würden grundsätzlich nicht angeboten. 

Die Kosten der Schnelltests sind abhängig vom Betreiber der jeweiligen Teststation. Bernhard Kilger der Malteser berichtete von Gerüchten über unrealistische Summen. „5 Euro wären sicherlich zu wenig, aber 60 Euro sind utopisch“, stellt er klar. Wie viel tatsächlich gezahlt werden müsse, werde sich bald rausstellen. Der Betrag werde wahrscheinlich unter 25 Euro liegen. Die Malteser übernehmen die Testzentren des Roten Kreuzes, Kilger rechnet daher mit kleineren Anlaufschwierigkeiten mit dem anderen System. An den ersten beiden Tagen könne noch Bar bezahlt werden, anschließend nur noch mit Karte.

Die 3Gplus-Regelung, welche durch Landesbeschluss in Diskotheken gilt, wollte das Niederbayerische Landestheater am Samstag erstmals im Passauer Opernhaus anwenden. Wer Tickets für die Opernpremiere hat, wurde telefonisch informiert, sich gegebenenfalls auf einen PCR-Test vorzubereiten. Es hätte größtmögliche Normalität geherrscht: kein Abstand, keine Maskenpflicht, Alkoholkonsum im Stehen. Als Oberbürgermeister Jürgen Dupper von diesem Vorhaben erfuhr, entschied er, die 3G-Regel zu belassen, also Schnelltests für Ungeimpfte, dafür keine Maskenpflicht. „Die Stadt will, das für alle städtischen Bühnen einheitliche Maßnahmen gelten“, erklärt eine Rathaussprechern und verwies auf das Zeughaus.

Welche Regel ist aus medizinischer Sicht besser: 3G- oder 3G-plus? Pandemiearzt Dr. Spechter kann es nicht eindeutig sagen. Die Maskenpflicht, so vermutet die Redaktion, gibt der Pandemie ein Gesicht und mahnt unentwegt zur Vorsicht. So gesehen dürften sich Besorgte sichererer fühlen. Spechter sagt, nur eines sei sicher: „Impfungen sind der Weg aus der Pandemie.“

Doch der Druck auf die Minderheit führt dazu, dass sich Einzelne Schlupflöcher suchen und verantwortungslos verhalten. Die Kollegen vom „Da Hogn“ im Bayerischen Wald berichten von Vorfällen, die eine empörte Debatte ausgelöst haben: Als am vorigen Wochenende die Tanzwirtschaften wieder öffneten, haben mindestens zwei Corona-positive Gäste - mutmaßlich wegen fehlender penibler Einlasskontrollen - mitgefeiert. Die Kommune hat mangels Datenerfassung der Gefährdeten einen öffentlichen Aufruf gestartet, dass sich diese bei Symptomen in Selbstisolation begeben oder auf jeden Fall testen lassen. Es betrifft die Regener Diskothek „Martinique“ und die „Tenne“ in Patersdorf, die Nacht von Freitag, 1. Oktober, auf Samstag. Auf Verstöße gegen die Seuchenschutzverordnung stehen Bußgelder bis 25.000 Euro; für beide Seiten, den Zutritt Gewährenden und den Eintretenden. Später kam ein Fall im Landkreis Deggendorf hinzu.

Für einen Ungeimpften, der am Donnerstag einen PCR-Test für den Diskobesuch am Freitag benötigt, bleibt nach jetziger Lage also nur der Hausarzt – oder eine Dokumentenfälschung. Zu Letzterem greifen tatsächlich mehr und mehr Impfgegner, die sich in die Enge getrieben und ausgeschlossen fühlen. Ein Informatiker erzählt, dass digitale Fälschungen eine oft angewandte Methode seien: „Es genügt, den QR-Code eines Geimpften zu kopieren und mit den eigenen Daten zu überschreiben.“ Solche Fälschungen werden nur aufgedeckt, wenn die Einlasskontrolle den QR-Code mit einem Scanner ausliest und sich zum Abgleich den Personalausweis zeigen lässt. Diese Mühe ersparen sich wohl die meisten Türsteher, wie die Fälle im Bayerischen Wald belegen. Ein Passauer Klubgänger berichtet, dass letzten Samstag eine mündliche Erklärung genügte, das Zertifikat am Handy haben den Türsteher nicht wirklich interessiert. „Das wurde in meinem Klub sehr lasch gehandhabt.“

Am Eröffnungswochende haben sich Mitarbeiter des Ordnungsamtes an den geöffneten Klubs im Neumarkt, "Cubana" und Go", "Lieberscholli" in der Neuen Mitte und im "Institut" am Güterbahnhof die Einlasskontrollen angesehen. Beanstandungen gab es keine. Der äöteste Klub der Stadt, die "Camera", eröffnete erst in der Folgewoche.  

Vorbildlich waren die Kontrolleurinnen beim Passauer Herbstfest. Mit QR-Code-Scanner und Ausweiskontrolle deckten diese viele Fälschungen auf. Hartnäckige Impfverweigerer weichen deshalb angeblich auf einen neuen Trick aus: Sie lassen sich einen Impfnachweis in der Apotheke ausstellen – legten ihren Personalausweis vor und einen gefälschten Impfpass. Klappt der Coup, bleiben sie wohl für immer unentdeckt.

Seit Juni zählt der Gebrauch von gefälschten Impfnachweisen als Straftat; Freiheitsstrafen bis zu zwei Jahre. Mit Einstellung des Verfahrens könnten auch Unbescholte nicht rechnen, erklärt ein Staatsanwalt. 

ks/ hud

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Die Diagnose "Brustkrebs" hat im Vorjahr 400 Frauen in Stadt und Landkreis getroffen. Diese Telefonaktion mit Experten-Trio Radiologe Dr. Braitinger, Frauenärztin Nolte und Klinikum-Professor Südhoff soll Ängste nehmen und über Behandlungsmethoden aufklären. Bei Früherkennung sind 85 Prozent der Erkrankten heilbar. Telefon 0851-5300-8444 und -8445 bis 16 Uhr. 


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Poeten, sowohl Anfänger und als auch erfahrene, bemühen sich um die Gunst des Publikums beim Poetry Slam. Moderiert von Sebastian Ruppert und Pascal Simon. Einlass 19 Uhr.


19:30 Uhr | 6 Euro

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