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Nachrichten | Dienstag, 22. November 16

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Der "Donaukurier" mit seinen Regionalausgaben im Raum Ingolstadt gehört seit gestern zur "Passauer Neue Presse". (Quelle: Donaukurier)
Medienmonopol

PNP schluckt Donaukurier

Das südostbayerische Verlagshaus „Passauer Neue Presse“ baut sein Medienmonopol im Westen aus. Es hat sich gestern den „Donaukurier“ in Ingolstadt, Druckauflage 85.000, einverleibt.  Dies verkündete heute Vormittag Verlegerin Simone Tucci-Diekmann im Medienzentrum vor der versammelten Belegschaft.

Mit hohem Interesse war erwartet worden, warum die Verlegerin eine außerordentliche Mitarbeiterversammlung einberufen hat. Diese fällt in die Zeit arbeitspolitischer Spannungen. Gewerkschaften, unterstützt von 70 Mitarbeitern, haben für Samstag eine Kundgebung in der Passauer Fußgängerzone geplant. Sie kämpfen für die Rückkehr in die Tarifordnung, die das Haus vor elf Jahren verlassen hat.

300 der 650 Mitarbeiter aus dem gesamten Verbreitungsgebiet (von Bad Reichenhall bis Zwiesel) waren der Einladung zur „außerordentlichen Mitarbeiterversammlung“ in die Zentrale gefolgt. Der Auftritt von Simone Tucci-Diekmann, hoch toupierte Haare, marineblauer Hosenanzug, dauerte zehn Minuten. Gestern um 17.30 Uhr seien nach achtstündiger Sitzung beim Notar die Unterschriften geleistet worden, erzählte sie vom Zukauf. Es gab Applaus.

"Münchner Merkur" überholt

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Die PNP hat damit zum Verleger Balle ("Straubinger Tagblatt", "Abendzeitung München") eine zweite Front im Westen eröffnet. (Quelle: Donaukurier)
Die verkaufte Gesamtauflage der „Passauer Neue Presse“ war zuletzt pro Quartal um 1.000 Stück gesunken; mit dem Zukauf des „Donaukuriers“ steigt sie von 162.000 auf knapp 240.000 Stück. Die PNP überholt damit die „Nürnberger Nachrichten“ und den „Münchner Merkur“.

Lob für Verhandlungskommission
Die Verlegerin holte weit aus, um ihre Verhandlungskommission zu belobigen, welche die Übernahme vorbereitet hatte. „Sie haben Tag und Nacht durchgearbeitet, getrieben von Kaffee und Cola und sonst nichts... “, las sie vom Blatt ab.  Selbst ihre Stimme, so sagte sie nach einem Räusperer, sei nach den langen Verhandlungen angeschlagen.

Zuckerl für Mitarbeiter
Zum Schluss das Zuckerl für die Mitarbeiter: Jeder Vollzeitangestellte erhalte eine einmalige Gratifikation von 500 Euro, „weil es in diesem Jahr keine Lohnerhöhung gegeben hat“. Teilzeitbeschäftigte entsprechende Anteile. Manche Zuhörer sahen sich überrascht an. Viele vermuten, dass es den Diekmanns darum geht, gute Stimmung zu machen. Sie hoffen vielleicht, dass die Demo am Samstag nicht genügend Zuspruch erhält. Den Tarifstreit erwähnte die Verlegerin mit keinem Wort.

Knapp 100 redaktionelle Mitarbeiter betroffen
Zum neuen Verbreitungsgebiet gehören in Oberbayern die Großstadt Ingolstadt (130.000 Einwohner), die Bischofs- und Universitätsstadt Eichstätt, das Spargelstädchen Schrobenhausen, Pfaffenhofen an der Ilm und Neuburg an der Donau, in Niederbayern Riedenburg im Altmühltal, in Mittelfranken Hilpoltstein sowie das schwäbische Aichach, das den Mantel vom "Donaukurier" erhält.

"Donaukurier"-Verleger weint
In den Redaktionen sind knapp 100 Mitarbeiter beschäftigt. Sie selbst haben von dem Zeitungsdeal in einer ausführlichen E-Mail vom Herausgeber Georg Schäff gegen 11.15 Uhr, also nach der Versammlung in Passau erfahren. Schäff, der als Enkel das Unternehmen geerbt hatte, soll bei der Redaktionskonferenz am Nachmittag geweint haben, als er persönlich die Nachricht vom Verkauf verkündete. Er wiederholt die Darstellung von Tucci-Diekmann, dass der Zusammenschluss die Zukunft der beiden Häuser sichere. Käuferin Tucci-Diekmann in Passau bekannte:  "Bei mir ist die Freude noch nicht so richtig angekommen, da alles noch so frisch und aufregend ist."  

Der "Donaukurier" wurde 1945 gegründet. Er gehört zu den wenigen bayerischen Tageszeitungen, die mit einer stabilen, in den Jahren 2014 und 2015 sogar leicht steigenden Auflage glänzen. Die Stärken des Hauses: Es hat früh, Ende der 1990er Jahre, den digitalen Bereich ausgebaut und leistet sich wie die großen Magazine eine Archivabteilung, die den Redaktionen zuarbeitet. 

Passau freut sich, Ingolstadt zittert
Die Mitarbeiter in Passau nahmen die Nachricht überwiegend positiv auf. "Viele sehen darin eine Sicherungsmaßnahme für die Zukunft", sagt eine PNP-Redakteurin. In Ingolstadt dagegen herrscht Aufregung, die Angst vor Stellenabbau und Sparmaßnahmen. 

BJV-Vorsitzender "entsetzt"
Michael Busch, Vorsitzender vom Bayerischen Journalisten-Verband, äußert sich in einem Branchenblatt "entsetzt" über den Verkauf: "Die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter bei der Passauer Neuen Presse sind schon jetzt prekär und es ist zu befürchten, dass sich die geringe Wertschätzung der Redaktion künftig auch beim Donaukurier abbildet." Statt massive Einkaufstouren auf dem Zeitungsmarkt zu tätigen, sollte sich Frau Tucci-Diekmann lieber ihrer sozialen Verantwortung bewusst werden und ihre Mitarbeiter ordentlich entlohnen.

Tobias Mayerhofer

So berichtet der "Bayerische Rundfunk"
So berichtet die PNP in eigener Sache.
S
o berichtet der (hier im Wortlaut bereits gleichschaltete) Donaukurier.

Die Rede der Verlegerin lesen Sie in der gedruckten Ausgabe des Magazins.

 

Die verkaufte Gesamtauflage der „Passauer Neue Presse“ zuletzt pro Quartal um 1.000 Stück gesunken; mit dem Zukauf des „Donaukuriers“ steigt sie von 162.000 auf knapp 240.000 Stück.  Die PNP überholt damit das „Nürnberger Nachrichten“ und „Münchner Merkur“.
Die verkaufte Gesamtauflage der „Passauer Neue Presse“ zuletzt pro Quartal um 1.000 Stück gesunken; mit dem Zukauf des „Donaukuriers“ steigt sie von 162.000 auf knapp 240.000 Stück.  Die PNP überholt damit das „Nürnberger Nachrichten“ und „Münchner Merkur“.
Die verkaufte Gesamtauflage der „Passauer Neue Presse“ zuletzt pro Quartal um 1.000 Stück gesunken; mit dem Zukauf des „Donaukuriers“ steigt sie von 162.000 auf knapp 240.000 Stück.  Die PNP überholt damit das „Nürnberger Nachrichten“ und „Münchner Merkur“.
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00:35
Freitag
03. Juli 2020
 
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KULTURKALENDER
03.07. | Freitag
DOMPLATZ
Martin Frank & Franziska Wanninger
 
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Sie haben 2018 ihr erstes gemeinsames Kabarettprogramm „Wia d’Semmel so da Knödel“ genannt. Martin Frank, der niederbayerische Landwirtssohn, und Franziska Wanninger, die G´studierte aus Oberbayern. Es geht um Dialekt, Kirche, Liebe und allerlei Alltagsprobleme.


19:30 Uhr | ab 25,50 Euro
SCHARFRICHTERHAUS
Faltsch Wagoni
 
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„Zum Glück – kein Ratgeber“. Kabarettprogramm zum Innehalten und Nachdenken.


20:00 Uhr

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