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Nachrichten | Freitag, 26. Juni 20

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Zugang zur ehemaligen "Fieberambulanz" des Klinikums Passau auf der Rückseite des Gebäudes. Hier sind Abstriche fürs Testlabor gemacht, Corona-Patienten versorgt worden. (Foto: Tobias Köhler/ Bürgerblick)
Seuchenlage im Passauer Land

Fieberambulanz am Klinikum schließt

Am Klinikum Passau schließt heute die Sonderaufnahmestelle für Patienten mit Corona-Verdacht, die sogenannte Fieberambulanz. Die Patienten sollen sich künftig wieder an ihre Hausärzte oder den Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung, Telefon 116 117, melden, heißt es.

Die Fieberambulanz war zu Beginn des ausgerufenen Katastrophenfalls, am 19. März, eingerichtet und ab 6. April von dem von der Stadt zum Seuchenarzt berufenen Dr. Armin Spechter und dessen Praxisteam betreut worden. In diesem Zeitraum, 99 Tage, sind 1.800 Corona-Tests, Abstriche vom Rachen- oder Nasenraum, genommen worden.

Das Landratsamt Passau hat gestern mitgeteilt, das sich die Summe der registrierten Infizierten in der Pandemie um zwei auf 598 erhöht hat.

22. Juni

Landkreis und Stadt Passau haben am Ende letzter Woche jeweils einen neuen Corona-Erkrankten gemeldet. Die Zahl der registrierten Fälle summiert sich damit im Landkreis auf 595, in der Stadt auf 134. Im Klinikum Passau sind - Stand Donnerstag - drei Corona-Patienten in stationärer Behandlung, davon einer auf der Intensivstation.

20.Juni

Aus aktuellem Anlaß ein Blick nach Gütersloh. Deutsche Fleischindustrie. Corona deckt Abgründe auf.

Bis heute früh um 2 Uhr früh haben die Behörden gebraucht, um Adressdaten aller Beschäftigten des Konzerns „Tönnies“ ausfindig zu machen. Für 30 Prozent, also fast jeder dritte Mitarbeiterin oder Mitarbeiter, konnte oder wollte der Arbeitgeber anfangs keine Wohnadresse angeben.

Illegale Beschäftigte? Es wird geprüft.

Die Adressen sind wichtig gewesen, weil diese Menschen in Quarantäne versorgt werden soll, damit sie keinen Kontakt zur Bevölkerung haben. Schlafstätten mit „Matratzentausch“ – in der Ausbeutung von osteuropäischen Beschäftigten werden viele Register gezogen, damit sich „Billigfleisch“ rechnet.

Dies alles wird bekannt in einer aktuellen Pressekonferenz, in welcher der Jurist Dr. Thomas KuhlbuschThomas Kuhlbusch (45), Leiter im Landratsamt Gütersloh für Gesundheit, Ordnung und Recht, Fragen der Reporter beantwortet.

Mittlerweile mehr als 1.000 Infizierte. "Sie können das Virus lässt sich nicht bescheißen. Es springt da über, wo der Abstand nicht eingehalten wird", sagt Kuhlbusch. Er kritisiert damit die Verharmloser der Seuche.

Es wurden für die betroffenen Osteuropäer Hotlines in drei Sprachen geschaltet, damit sie sich nicht im Stich gelassen fühlen, falls der Arbeitgeber nicht seiner Verantwortung nachkommt, sie jetzt fallen lässt.

Von "Tönnies" war niemand zur Pressekonferenz erschienen.

***

Dem Schutz vor größeren Tröpfchen mussten sich heute selbst die Tröpfchenverharmloser hingeben, die Corona-Rebellen.

Ohne Masken, aber mit Regenschirmen trafen sich die Staatskritisierenden auf dem Kleinen Exerzierplatz von Passau. Mindestens zwei Dinge vereinen die Demonstrierenden: Unzufriedenheit und der Glaube, dass die Regierenden Corona als Machinstrument missbrauchen.

300, 250, 150 Corona-Rebellen.

Mit den Teilnehmerzahlen der letzten Samstage ist zunehmend das Niveau der Redebeiträge gesunken. Diese haben stellenweise „Pegida-Niveau“ erreicht: „Wir sind das Volk!“ Und das lässt sich von „denen da oben“ nichts sagen. Basta!

Beamte der Polizeiinspektion zogen es vor, im Trockenen zu bleiben; verfolgten vom Streifenwagen aus das mürrische Völkchen.

19. Juni

Nach der erfolgreichen Klage eines fränkischen Gastwirts vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof fällt ab sofort die Coronasperrzeitbeschränkung.


Mit dem zweiten Teil seiner Klage war der Wirt nicht durchgerungen: Die Maskenpflicht für Bedienungen im Freien sollte seiner Meinung nach fallen.
Doch Wirte und Bedienungen, das hat Ischgl gezeigt, können die Virausausbreitung rasch vorantreiben. Sie haben wie die Supermarktverkäuferin tagtäglich Hunderte Kontakte. 

Die Sperrzeit war zuletzt ausgeweitet worden auf 22 Uhr. Das Passauer Rathaus teilte den Eilbeschluss am Abend gegen 21 Uhr mit.

Wieder wütet das Vorus in der Fleischindustrie, diesmal beim Schlachter Tonnies in Gütersloh, Nordrhein-Westfalen.
Ministerpräsident Armin Laschet, der stets mit Lockerungen voranging, legt heute in dieser Region den Rückwärtsgang ein. Schulen und Kitas geschlossen, 7.000 Mitarbeiter in überwachter Quarantäne; bislang sind erst gut 1.000 von ihnen getestet, 800 positiv.

17. Juni

Söder-Zitate aus der Pressekonferenz mit Merkel am Abend.

  • „Wir haben Tausende bis Zehntausend Leben gerettet, das haben wir gemeinschaftlich geschafft“
  • „Das ist der Beweis, dass das deutsche Volk gut mitgemacht hat und wir die richtigen Weichen gestellt haben.“
  • „Wir haben keine Veranlassung, leichtsinnig zu sein.“
  • "Lebensfreude - nicht ohne Vernunft"

Vor allem die Reisebewegungen werde man beobachten, sagte Kanzlerin Merkel auf Nachfrage zu einer möglichen zweiten Infektionswelle.

Schweden ist wegen der hohen Infektionszahlen derzeit nicht freigegeben.

16. Juni

Nach 93 Tagen endet morgen der seit 16. März ausgerufene Katastrophenfall in der Corona-Pandemie. Die allgemeinen Kontaktbeschränkungen - Mundnasenschutz in geschlossenen öffentlichen Räumen und generell Mindestabstand - gelten weiterhin.

Das gab heute Ministerpräsident Markus Söder bekannt. Die Lockerungen ab morgen:

  • Treffen im öffentlichen Raum bis zu zehn Personen
  • Treffen im privaten Raum ohne Teilnehmerlimit, aber nach den Möglichkeiten des Sicherheitsabstands
  • Veranstaltungen bis zu 100 Personen im Freien, auch in der Gastronomie
  • Veranstaltung bis zu 50 Personen in Innenräumen, auch in der Gastronomie
  • Sperrstunde verlängert von 22 auf 23 Uhr
  • Verkäuferinnen und Rezeptionisten brauchen keine Mundnasenbedeckung mehr, wenn eine Trennscheibe sie schützt


Ab 22. Juni:

  • Kulturveranstaltungen bis zu 100 Zuschauer - mit Masken und Abstand - in geschlossenen Räumen, bis zu 200 im Freien
  • Hallenbäder, Thermen und Hotelschwimmbäder können öffnen - einschließlich der Wellnessbereiche.
  • In Supermärkten und Einkaufsmärkten sind 10 statt bisher 20 Quadratmeter pro Person erlaubt, doppelte Kapazität

Für Großveranstaltungen darüber hinaus besteht wahrscheinlich über den 31. August hinaus keine Erlaubnis. Der Blick nach China zeige, wie schnell sich die Situation wieder ändern könne, sagte Söder. 

Ab September ist wieder normaler Schulbetrieb vorgesehen.

12. Juni

Hier finden Sie Antworten auf alle Fragen, welche Regeln ab Montag gelten: Corona-Info.

Die bayerischen Sonderregeln zum Seuchenschutz entfallen ab Montag, die bundeseinheitlichen bestehen bis Monatsende:

  • Treffen mit bis zu zehn Personen oder den Angehörigen zweier Hausstände 
  • Abstands- und Hygieneregeln 
  • Keine Großveranstaltungen bis zum 31. August 

Das bayerische Gesundheitsministerium nennt es „Frühwarnsystem“: Ab 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche sind in der betroffenen Kommune Lockerungen aufzuheben. Diese kritische Grenze liegt 

  • In Passau bei 18 Infektionen
  • Im Landkreis bei 67 Infektionen

Die Neuinfektionen lagen in den vergangenen Wochen maximal im einstelligen Bereich. Sind von den Virenausbrüchen begrenzt nur Einrichtung betroffen wie Altenheime, Krankenhäuser oder Massenunterkünfte für Asylbewerber und Flüchtlinge, beschränken sich die Maßnahmen auf dieses Umfeld.

Mehr Corona-Tote als offiziell registriert?
Interessante Daten hat der Passauer Radiologe Stefan Braitinger heute auf seinem Netzauftritt veröffentlicht. Es sind Grafiken über die statistischen Sterbefälle aus einer europäischen Datenbank, allgemeine Zahlen, nicht speziell Corona betreffend. Spätestens zum Jahresende, wenn eine umfassende Auswertung vorliegt, könnte sich die These bestätigen, das die Zahl der Verstorbenen im Zeitraum der Pandemie weitaus höher liegt als der Zuwachs durch die offiziell registrierten Corona-Toten. Mitte März steigt die Kurve an, im April werden in allen Altersgruppen so viele Totesfälle wie noch nie zuvor registriert; in den skandinavischen Ländern sticht Schweden, dessen Sonderweg mitlerweile selbstkritisch betrachtet wird, durch eine hohe Übersterblichkeit heraus.

Bestimmte Bürgerbewegungen, denen sich die „Alternative für Deutschland“ anschließt, reden die Corona-Gefahr klein und stellen die Maßnahmen als mutwillig streng, als staatliche Willkür dar. Sie wollen nicht anerkennen, dass die Menschheit und ihre Gelehrten mit dieser Seuche Neuland betreten, Politik und Wissenschaft wie ein besonnener Autofahrer im Nebel fahren: langsam, auf Sicht. Hinterher festzustellen, dass ohnehin kein Hindernis im Weg war, schmälert das verantwortungsvolle Vorgehen nicht; hat keine Kritik verdient. 

Dieses Magazin hatte bereits mit Blick auf die lokalen statistischen Sterbezahlen der Stadt Passau veranschaulicht, dass während der letzten großen Grippewelle die jährliche Todeszahl von durchschnittlich 600 um etwa 40 angestiegen ist, diese mutmaßlichen Grippetote verteilten sich auf einen Zeitraum von sechs Monaten. Während der Hochzeit der Corona-Pandemie haben innerhalb weniger Wochen 21 Passauer ihr Leben verloren; zur registrierten Zahl käme die Dunkelziffer hinzu, die sich zum Jahresende im Sterberegister verbirgt.

Die Grafik, welche Braitinger veröffentlichte, deutet hier darauf hin, dass die Seuche zu Todesfällen geführt hat, welche in die Corona-Statistik nicht eingegangen sind. Zumal heute bekannt ist, dass die Krankheitsverläufe sehr komplex sind, das Virus nicht nur die Lunge angreift, sondern unter anderem Nierenversagen oder Schlaganfälle hervorrufen kann. 

Lokale Corona-Zahlen weichen von offiziellen Bundesstatistiken ab
Diese Redaktion hat zudem festgestellt, dass die offiziellen Zahlen, welche das Robert-Koch-Institut und das bayerische Gesundheitsministerium in die Statistik einfließen lassen, mit den tatsächlichen Coronafällen, welche die Kommunen an die Lokaljournalisten direkt übermitteln, nicht über einstimmen. Eine Anfrage beim Ministerium hatte zur Antwort, dass der Fehler bei der Datenübertragung, der Software liegen könnte; oder beispielsweise ein Todesfall nicht eingetragen wird, weil im Anhang bestimmte Dokumente fehlen.

Im „Corona-Liveticker“, den die PNP führt, sind die ministeriellen Zahlen kritiklos übernommen worden, obwohl den Lokalredaktionen die abweichenden Meldungen der Kommunen vorliegen.

Zum Stichtag heute heißt es beispielsweise in der PNP, die Zahl der Corona-Todesfälle liege in Passau bei 18, korrekt liegt sie seit vielen Wochen bei 21. Unterschied 17 Prozent!

Die Zahl der Corona-Fälle im Landkreis Passau wird mit 582 angegeben, obwohl seit Freitag vergangener Woche die vom Pressesprecher des Landratsamtes übermittelte korrekte Zahl vom Gesundheitsamt bekannt ist: 594. Warum sind in der offiziellen Statistik von Bund und Land zwölf Fälle unterschlagen worden?

Die fehlerhaften Angaben setzen sich fort in der Angabe der sogenannten Inzidenz, der Infektionen je 100.000 Einwohner. Laut PNP liegt sie statistisch bei 301 im Landkreis, tatsächlich bei 309.

Journalismus ist in diesen Tagen mehr denn je ein Rund-um-die-Uhr-Job. Der Reporter ist zur Hälfte seiner Arbeitszeit damit beschäftigt, Gerüchten, die der Redaktion zugetragen werden nachzugehen; zudem die offiziellen Verlautbarungen nachzuprüfen. Pressemitteilungen werden von uns grundsätzlich nicht ohne Recherche und Nachbearbeitung veröffentlicht.

Hunderte WG-Zimmer und 1-Zimmer-Wohnungen stehen leer
Ein Leser sendet uns ein Bildschirmfoto, das durch das lokale Netz wanderte: In Passau seien wegen Corona laut eines studentischen Mietportals "10.565 WG-Zimmer und Wohnungen" freistehend. Dass dieser Wert für eine 52.000-Einwohnerstadt unglaublich wäre, übergeht der flüchtige Betrachter. Er nimmt die Botschaft mit: dramatischer Leerstand. Der Wohnungsmarkt in Passau hat sich tatsächlich gedreht. Das Angebot übersteigt neuerdings bei weitem die Nachfrage. Studenten haben ihre Wohnungen oder Zimmer aufgegeben, weil sie in diesem Semester mietkostenfrei bei den Eltern wohnen können. Das digitale Studium erfordert keine Anwesenheit am Studienort. Ausgeblieben sind zudem viele der üblichen 1.500 Auslandsstudenten, weil die Anreise nicht möglich war oder sie kein Risiko eingehen wollten.

Tatsächlich sind in Passau derzeit laut dem genannten Mietportal 360 Zimmer und Wohnungen auf dem Markt verfügbar; die Zahl der Suchenden bewegt sich hingegen seit Beginn der Corona-Pandemie auf diesem Portal im einstelligen Bereich. 

Die mangelnde Nachfrage nach Wohnraum spüren selbst die Studentenwohnheime, deren Appartements wegen der günstigen Miete normalerweise schnell vergriffen sind. Letzte Woche hat das Studentenwerk über Radio mitteilen lassen, dass in Regensburg und Passau Wohnheimplätze zur Verfügung stehen; eine neue Situation.

Es ist nicht verwunderlich. Die Universität hat sich auf ihrer Netzseite mit folgenden Worten an die Studierenden gewandt: „Sie müssen für das Studium bis auf Weiteres nicht in Passau oder auf dem Campus sein. Wenn Sie noch in der Heimat sind, reisen Sie bitte vorerst nicht nach Passau an, wenn es für Sie nicht unbedingt erforderlich ist.“ 

Das erste digitale Semester der Universitätsgeschichte ist ausgerufen worden. Selbst Klausuren können von Zuhause aus am Rechner erledigt werden. 

Mittwoch, 10. Juni


Alle europäischen Länder außer Spanien und Norwegen öffnen zum 15. Juni ihre Grenzen. Österreich war einseitig vorgeprescht, damit wieder Touristen ins Land kommen. Reisen in Nicht-EU-Länder bleiben ein Risiko, da der Staat kein zweites Mal für Heimholung aufkommt, Rückkehrer bei veränderter Lage mit Quarantäne rechnen müssen. Reisewarnungen in die meisten Nicht-EU-Länder bleiben bestehen.

In Passau gibt es einen neuen Infektionsfall. Die Zahl summiert sich auf 133; 21 Menschen sind verstorben, davon 20 Rentnerinnen und Rentner aus Altenheimen. Im Klinikum werden aktuell zwei Corona-Erkrankte behandelt; einer intensivmedizinischen Betreuung bedürfen sie nicht. Das Robert-Koch-Institut registrierte gestern, dass mit 555 Neuinfizierten die Ausbreitung leicht ansteigt; so hoch lag der Wert seit dem 30. Mai nichtmehr. Es wären die Auswirkungen der Lockerungen vor 14 Tagen, der Woche nach dem Vatertag, nach "Christi Himmelfahrt."

Können Kläranlagen als Frühwarnsystem eingesetzt werden? Im Abwasser der menschlichen Ausscheidungen lässt sich feststellen, ob sich Virusträger darunter befinden. Die ausgeschiedenen Viren sind zwar nicht mehr infektiös, aber nachweisbar.

Der Corona-Check-In im Klinikum Passau ist beschleunigt worden. Besucher und Patienten werden nicht mehr von Krankenschwestern mit kontaktlosem Fiebermessgerät, sondern von einer an der Decke installierten Wärmebildkamera kontrolliert. Patienten haben Vortritt vor Besuchern, die Sicherheitsleute sortieren die Wartenden.

Von Masken und Disziplin
Während in den Arztpraxen und Kliniken die Maske für Medizinier, für Pflege- und Putzpersonal zum pflichtbewussten Alltag geworden ist, mehrt sich draußen das Murren um den "Maulkorb", vor allen in der Gastronmie. Die Widerwillingen lassen die Mundnasenbedeckung am Kinn baumeln oder bedecken nur den Mund; doch wenn nicht Mund und Nase gleichzeitig bedeckt sind, ist der Passivschutz vor Mikrotröpfchen wirkungslos. Zu den Massenverbreitern können diejenigen werden, welche den ganzen Tag über viele Menschenkontakte haben: Busfahrer und Zugbegleiterinnen, Wirte und Kellnerinnen, Supermarktkassierer und Standlfrauen. Mit der Maske schützen sie die Kunden vor diesem Risiko; umgekehrt vermeiden es Kunden mit Maske, diese potentiellen Massenverbreiter anzustecken. 

Dienstag, 9. Juni

Die Fitnessstudios haben seit gestern wieder geöffnet. Umkleideräume, Duschen und Sauna bleiben geschlossen. Die Kunden erscheinen in Sportklamotten, dürfen an den Geräten ohne Masken trainieren. Betätigungen, bei denen der Mensch extrem außer Atem kommt und der Ausstoß von Tröpfchen besonders hoch wäre, werden nicht erlaubt. Squash zum Beispiel oder Zirkeltraining.

Im Passauer Erlebnisbad zogen erstmals wieder ein paar Dutzend Gäste die ersten Runde dieser Badesaison. Auch hier gelten spezielle Hygieneregeln. Tanzunterricht mit Abstand oder festem Partner ist wieder erlaubt.  

Die aktuellen Corona-Zahlen: 47.602 (plus 42) Infizierte in Bayern, 2.501 (plus 1) Tote; für Niederbayern 4.753 Infizierte (plus 3) und 282 Tote. Die Inzidenz, Infizierte je 100.000 Einwohner, liegt damit bayernweit bei 362, in Niederbayern bei 384. Die Ausbreitung ist seit Wochen sehr gebremst, im Landkreis zuletzte vier Erkrankte am Freitag gemeldet, in Passau seit Tagen zum Stillstand gekommen.

Theaterbesuche sind ah 15. Juni wieder bis 50 Zuschauer mit Abstand und Maske erlaubt. Das Passauer Opernhaus zählt 350 Plätze; bei einem Siebentel an Auslastung ist dies wohl kaum rentabel. Starten können unter diesen Bedingungen kleinere Bühnen.

Mit 583 Infizierten im Landkreis und 133 in der Stadt (26 und 18 Tote) weichen die offiziellen Zahlen des Gesundheitsministeriums von den tatsächlichen vor Ort genannten weiterhin ab. Im Landkreis sind es 594 Infizierte (11 mehr als in der ministeriellen Statistik), in Passau 132 Infizierte (minus 1), aber 21 Tote (plus 3). 

Freitag, 5. Juni

Die Nachbarländer leben gut von den reisefreudigen Deutschen. In der Nacht auf Donnerstag haben Österreich und heute Mittag Tschechien ihre Seuchengrenzsperren aufgehoben. Geld ins Land zu bringen ist dringlicher geworden als das Virus draußen zu halten.

Für die Bewohner der Nachbarländer selbst geht es noch nicht so locker her. Wer keinen triftigen Grund hat auszureisen, dem droht bei der Rückkehr noch immer Coronaquarantäne.

In Passau hat sich auf der "Straße der Kaiser und Könige", der touristischen Hauptstraße gen Österreich, die durch die Innenstadt über den Inn hinunter ins Donautal führt, der Verkehr schlagartig vervielfacht; die Fahrt ins Blaue oder zur Billigtanke.

Auf dem Papier sind deutschen Staatsbürgern nach wie vor touristische Reisen oder Besuchsfahrten ins Nachbarland untersagt, sofern letztere keinen belegten partnerschaftlichen oder familiären Hintergrund haben. Ein Sprecher der Bundespolizei verweist auf die Seiten des Innenministeriums; die Regeln würden uneingeschränkt gelten bis 15. Juni. Hier die Formulare für triftige familiäre und sonstige Angelegenheiten. In der Realität sind die Kontrollen durch die Bundespolizei aber so gut wie abgeschafft. Leserinnen berichten von Innviertler Biergartenbesuchen und maskenfreien Bedienungen.

Ein Makel der europäischen Innengrenzen bleibt auch nach dem 15. Juni: Die Grenzkontrollstelle auf der Autobahn A3, das Relikt aus der Zeit der Flüchtlingsbewegung, das Stauärgernis für Pendler. Viele Lokalpolitiker fordern längst das Ende dieser Schikane, aber Innenminister Horst Seehofer hat immer wieder die Verlängerung durchgesetzt. "Am 12. September feiert diese Grenzkontrolle ihr fünfjähriges Jubiläum", sagt ein Sprecher der Bundespolizei mit süffisantem Unterton. Sollte Seehofer nicht plötzlich umschwenken, was derzeit unwahrscheinlich ist, wird diese Einreisekontrolle bis November erhalten bleiben; so lange läuft die aktuelle Sonderregelung.

Mittwoch, 3. Juni

Mit 130 Milliarden Euro will die Staatsregierung Deutschland „mit Wumms aus der Krise führen“, wie Vizekanzler Olaf Scholz mehrmals betonte, als wolle er den Journalisten eine Überschrift diktieren. Kanzlerin Merkel hat am Mittwoch um 22.30 Uhr die Eckpunkte des Corona-Konjunkturprogramms vorgestellt. Der wichtigste: Die Mehrwertsteuersätze werden ab 1. Juli bis Ende des Jahres von 19 auf 16 und von 7 auf 5 Prozent gesenkt.   

„Gute Demokratie dauert, 21 Stunden haben wir verhandelt“, sagte Ministerpräsident Markus Söder. Die Binnennachfrage zu steigern, den fehlenden Export auszugleichen und den Wohlstand der Bürger zu erhalten, sei das staatspolitische Ziel gewesen. Das „Herzstück“ sei die Mehrwertsteuersenkung, eine Idee der Union; die Wirtschaft solle sie an die Verbraucher weiterreichen, damit der Konsum angeregt wird.

Es lohne sich wieder Möbelmärkte zu besuchen, Waschmaschinen zu kaufen, aber auch Autos, sagte Söder. Die Mehrwertsteuersenkung betreffe alle Klassen und Motoren. Auf einzelne Branchen sich zu konzentrieren, damit sprach er die Autokaufprämie an, habe man nicht als den richtigen Weg gesehen.

In Zahlen ausgedrückt: Ein Auto für 20.000 Euro wird um gut 500 Euro günstiger; eine Waschmaschine für 500 Euro um 13 Euro; eine Luxuslimousine von 75.000 Euro um knapp 2.000 Euro. Beim Kauf eines Magazins Bürgerblick am Kiosk wären es in der Zeit der Mehrwertsteuersenkung 4,12 Euro statt 4,20 Euro.

Weitere Punkte:

  • Bonus von 300 Euro je Kind
  • Hilfe für Kommunen: Die Einbrüche der Gewerbesteuer gleicht der Bund zur Hälfte aus, beteiligt sich zusätzlich an den Ausgaben für Mietbeihilfen.
  • Ein Klacks im 130-Milliarden-Paket (umgerechnet 1.500 Euro je Einwohner) sind 50 Millionen Euro für ein Zukunftspaket „Klimaschutz und Digitalisierung“, das sind 60 Cent je Einwohner.
  • Die Beiträge zur Sozialversicherung (maximal 40 Prozent) und die Strompreiserhöhungen (EEG-Umlage 2020 maximal 6 Cent, 2021 6,5 Cent) werden bis Ende 2021 gedeckelt
  • Weitere Unterstützung sind eingerechnet für Mittelständler, Kleinunternehmer, Kulturbetriebe und Sozialunternehmer
  • Bei der Mobilität wird auf E-Autos, Wasserstofftechnik, moderne Nutzfahrzeuge und moderne Flugzeuge gesetzt; der öffentlichen Nahverkehr wird gestärkt.

    Deutschland könne dieses Paket leisten, es schnüre den nachfolgenden Generationen nicht die Luft ab, hieß es.

Dienstag, 2. Juni

Kreuzfahrtschiffe, die in zweiter und dritter Reihe parken, Touristengedränge am Kai und in den Gassen - diese Szenen wird es in Passau wohl längere Zeit nicht mehr geben. In 22 Punkten hat das Rathaus mit seinem Tochterunternehmen Stadtwerke festgelegt, unter welchen Auflagen die Kreuzfahrt Mitte Juni beginnen kann.

Ein wesentlicher Punkt: Die Passagiere müssen einen aktuellen Corona-Test vorweisen, das Schiffspersonal sich regelmäßigen Tests unterziehen.

Die strengen Vorschriften erklärt der Oberbürgermeister damit, dass die Passauer Bevölkerung mit umsichtigen Verhalten die Infektionszahlen geringgehalten hat und er diese auf keinen Fall einem unkalkulierbaren Infektionsrisiko aussetzen möchte. Die Länden bleiben grundsätzlich gesperrt. Kreuzfahrtschiffe dürfen nur mit Ausnahmegenehmigungen anlegen, wenn deren Betreiber bestimmten Auflagen erfüllen und das Gesundheitsamt zugestimmt hat.

  • Die Liegestellen in der Altstadt sind wegen der beengten Situation für die Kreuzfahrt auch mit Ausnahmen nicht freigegeben.
  • Es dürfen keinesfalls Schiffe anlegen, deren Passagiere in anderen Häfen zu gestiegen sind.
  • Die ersten Reedereien haben bereits ihre Anfragen gestellt. Sie sind darauf hingewiesen worden, dass die Zahl der Passagiere nur maximal die Hälfte der Kapazität begrenzt ist, ebenso die Zusammenkünfte in den Innenräumen nach der staatlich festgelegten Höchstzahl.
  • Der Reiseveranstalter muss sein Konzept vorlegen wie mit Corona-Verdachtsfällen oder Corona-erkrankten Verfahren wird, wie diese nach den Quarantänevorschriften versorgt und nachhause gebracht werden.
  • Bei der Schiffsbesatzung sind auch während der Reise regelmäßige Tests nachzuweisen, bei Passagieren ein ausreichend aktueller Test vor Reiseantritt.
  • Zudem ist der Nachweis erforderlich, ähnlich wie in Einkaufsmärkten, dass die auf dem Schiff zur Verfügung stehenden Flächen ausreichen, problemlos die Mindestabstände einzuhalten.
  • Wegen der Abstandsregeln dürfen die Schiffe nicht nebeneinander liegen.
  • Beim Ein- und Ausschiffen dürfen sich keine Menschenansammlungen bilden.
  • Beim Aufenthalt auf der Lände ist Mundnasenbedeckung Pflicht.
  • Schiffspersonal, die an den Strom- und Wasseranschlüssen hantieren, müssen Handschuhe tragen.

Passagiere, Schiffspersonal und die Beteiligten an Land haben sich grundsätzlich an die Seuchenvorschriften zu halten. Für Taxifahrer, Busfahrer, Chauffeure und Lieferanten heißt das, dass sie sich auf der Schiffslände so kurz wie möglich aufhalten und vermeiden, dass sich Warteschlangen bilden. "Notfalls müssen die Fahrer in ihren Fahrzeugen warten."

  • Reisegepäck und Schiffsbedarf dürfen auf der Lände nicht zwischengelagert werden.

Manche werden es vielleicht vergessen haben: In Seuchenzeiten gelten strenge Vorschriften für die Müllentsorgung. Was für Privathaushalte mit Mitgliedern, die sich in Quarantäne oder Isolation befinden, gilt, gilt generell für die Schiffsabfälle: verschlossene Behälter, Personal mit Schutzausrüstung; der Kapitän persönlich oder eine von ihm beauftragte Person hat das Verladen zu überwachen.

Die Passagiere werden in einem gesonderten Bereich außerhalb des Schiffes auf etwaige Corona-Symptome kontrolliert; dies müsse so erfolgen, dass der Betrieb auf der Lände nicht behindert wird. Passagiere die als Verdachtsfall gelten und nicht an Bord gehen dürfen, müssen betreut und den Behörden gemeldet werden.

30. Mai, Samstag

Auf einer eingezäunten Fläche zwischen den Platanen auf dem Kleinen Exerzierplatz haben rund 270 Menschen, die sich "Corona-Rebellen" nennen, ihre fünffte Samstagskundgebung abgehalten.


Auf der Fläche wäre laut Auskunft der Behörden für 400 Leute Platz gewesen. Der Veranstalter organisierte die Zählung, um den Zutritt zum "Käfig" zu kontrollieren, mit einer netten Geste: Ordner drückten jedem Eintretenden eine Margarite in die Hand; die Blumen wurden abgezählt in einem Zinneimer vorgehalten.

Die größte Veranstaltung hatte vorigen Samstag mit weit über 300 Teilnehmern stattgefunden. Alle Hintergründe über die Bewegung erfahren Sie im neuen BB-Magazin.

Die Veranstalter kündigten an, mit dem Auftritt von Virologen für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen. Der Passauer Frauenarzt Ronald W., der vor drei Wochen als Hauptredner gesprochen hatte, der zusammen mit dem Virologen Sucharit Bhakdi einen Verein und eine Seite im Netz führt, war erneut nicht erschienen.

Die Chronik der Demoreihe:

  • Kleine Gruppe am Ludwigsplatz, Verstöße gegen Abstandsregeln und blockierte Fußgängerzone
  • 250 Leute an der südöstlichen Ecke des Kleinen Exerzerplatzes, in kuscheliger Enge; erneuter Verstoß gegen Abstandsregeln
  • 275 Leute auf dem Messeparkplatz; deutlicher Abstand, denn die Stadt droht mit Bußgeld von 500 Euro gegen Verstöße
  • 300 Leute auf der für diese Höchstmenge begrenzten Fläche auf dem Kleinen Exerzerplatz; mit Zählkontrolle; zudem drei Dutzend Zaungäste, denen der Zutritt verweigert worden war.
  • 270 Leute auf einer größeren eingezäunten Fläche des Kleinen Exerzerplatzes; 400 Menschen wären diesmal erlaubt gewesen; weniger Teilnehmer von außerhalb; schlechtes Wetter.

Der Platz war auch heute mit großem Polizeiaufgebot von allen Seiten bewacht. Es gab keine Zwischenfälle. 

Donnerstag, 28. Mai

Auf dem Volksfestplatz von Freyung sind in den letzten drei Wochen 500 Pflegekräfte freiwillig auf Corona getestet worden. Alle verliefen negativ. Das Gesundheitsamt hat die Teststraße auf Empfehlung des Robert-Koch-Instituts eingerichtet.

In Einrichtungen wie Altenheimen, Behindertenwerkstätten oder Asylbewerberheimen können eingeschleppte Viren zu Massenausbrüchen führen.

Das Landratsamt Passau meldet heute keine Neuinfektionen, aber den Tod einer 87-jährigen Patientin.

"In einer Welt voller Fakenews und Aluhüte brauchen wir Mathematikunterricht mehr als je zuvor!", schreibt der Wiener Wissenschaftsredakteur Florian Aigner.

Anmerkung des Autors: Wer rechnen kann, könnte sich selbst erklären, warum eine ungebremste Corona-Ausbruchswelle nicht nur die Kliniken, sondern auch Leichenbestatter und Friedhöfe überfordern würdeIn einer Stadt wie Passau leben in der höchsten Risikogruppe der über 80-Jährigen 3.500 Menschen, davon 800 "geschützt" in Altenheimen, die anderen alleinstehend oder in Familien. Von 31 infizierten Rentnerinnen und Rentnern sind Ihnen Passau Altenheimen 20 verstorben. Was das unter 3.500 betagten Rentnerinnen und Rentnern anrichten würde, kann sich jeder mit einfachen mathematischen Kenntnissen selbst ausrechnen. Zur Einschätzung ist diese Zahl wichtig: rund 620 Passauerinnen Passauer werden jedes Jahr zu Grabe getragen; im extremen Grippejahr waren es drei Dutzend mehr.

Diese Informationen kennen Bürgerblick-Abonnenten bereits aus dem Maimagazin.

Die Reisebusunternehmer dürfen auf Soforthilfe hoffen. Mit mehrenen Buskorsos haben sie in Berlin auf ihre Notlage aufmerksam gemacht. Jetzt signalisiert Verkehrsminister Andreas Scheuer, dass 170 Millionen Euro als Soforthilfe ausgereicht werden.

Unbeschwerte Busreisen an die Adria?
In einem Gratisblatt bietet ein Veranstalter aus Passau-Kohlbruck auf einer Doppelseite Busreisen von der Ostsee bis nach Kroatien an. Von Maskenpflicht und Abstand ist kein Wort die Rede, der Spruch lautet: "Reisen Sie gemeinsam - egal ob mit Autos, Bus oder Flugzeug." 

Im Hafen Racklau parken zwei Dutzend stillgelegte Reisebusse eines großen Unternehmers aus Bad Füssing. Zu seinen besten Kunden gehörten die Kreuzfahrtunternehmen.

Corona lässt Passauer Seilbahndebatte verstummen
Mit Corona haben sich viele Themen rund um dem Busunternehmer erledigt, beispielsweise die im Vorjahr heftig diskutierten Reisebusverkehre durch die historische Innstadt, die mit einem vom Stadtrat verhängten Durchfahrtsverbot für Reisebusse endete. Die Pläne um eine Seilbahn auf die Veste Oberhaus dürften in der Tourismuskrise ebenso erstmal vom Tisch sein.

Bildzeitungskampagne gegen Drosten
Die Bild-Zeitung hat niederländische Wissenschaftler zitiert, um den Berliner Virologen Christian Drosten zu diskreditieren. Sie gehört nach Vermutung des Medienkritikers Stefan Niggemeier zu einer viel größeren Kampagne mit dem Titel „Merkel-muss-weg“. Die von der Bild-Zeitung zitierten Wissenschaftler des EU-Corona-Projekts "Recover", namentlich der Antwerpener Mikrobiologe Hermann Goossens, haben heute öffentlich erklärt, dass sie gegen "manipulative Interviews", die zur Fehlinterpretation der Wissenschaft führen können Stellung beziehen. Sie nehmen damit Dorsten als Kollegen in Schutz.

Trump bedauert 100.000 Corona-Tote
Donald Trump hat heute den Angehörigen der 100.000 Corona-Toten mit einer Nachricht auf Twitter sein Beileid ausgedrückt. Er schreibt auf Twitter: "Wir haben gerade einen sehr traurigen Meilenstein erreicht. Allen Familien und Freunden der verstorbenen möchte ich mein tief empfundenes Mitgefühl und meine Liebe für alles aussprechen, wofür diese großartigen Menschen standen und repräsentierten."

Trump statt Merkel: Deutschland hätte dreimal so viele Tote
Die New York Times hat Berechnungen veröffentlicht, wonach die USA mit einem deutschen Weg etwa ein Drittel dieser Toten hätten verhindern können; statistisch gesehen sind in den letzten drei Monaten täglich 1.100 US-Amerikaner an Corona verstorben.

Hätte Deutschland amerikanische Verhältnisse, wären das 275 Tote je Tag, in der Summe 25.000. Die tatsächliche Zahl der registrierten Verstorbenen liegt in Deutschland bei 8.500, das sind ein Drittel; die Zahl der Corona-Verstorbenen liegt im Durchschnitt der Zeitspanne der letzten drei Monate bei Reisebusse Tagesschau Scheuerunter 100, derzeit bei 50 bis 60.

Corona-Genesene berichten von Spätfolgen
Das Magazin "Stern" greift einen Bericht der "New York Times" auf über den 71-jährigen Virologen Peter Piot, der sein Leben dem Kampf gegen Ebola und HIV gewidmet hat. Der Seuchenmediziner hat den Corona-Virus am eigenen Leib erfahren und ist nach eigener Schilderung knapp dem Tod entkommen. Er berichtet wie manch andere Genesene von seinen Spätfolgen, körperliche Anstrengung wie Treppensteigen oder längere Gespräche führten schnell zu Atemnot.

Corona tötet auch Sportliche
Eine Passauer Ärztin, Anfang 60, berichtet, dass sie einen sportlichen Wanderfreund, der im selben Alter wie Piot war, durch Corona verloren hat. Man habe sich Mitte März wie immer in St. Anton getroffen; fünf Leute aus ihrem Stammlokal, darunter der Wirt, seien, wie sie später erfahren hat, an Corona krankt. Sie selbst hatte das Glück sich nicht angesteckt zu haben.

Donnerstag, 24. März

Am Freitag in einer Woche dürfen die Freibäder wieder öffnen.

Die niederbayerischen Thermalbäder in Bad Griesbach und Bad Füssing bereiten sich darauf vor. Der Zugang der Badegäste wird je nach Fläche beschränkt.

Das Stadtgebiet Passau meldet am Abend zwei neue Infektionen, die neuer Summe beträgt damit 132. Sieben Passauer befinden sich im Krankheitsstadium.

Die Zahl der Verstorbenen beträgt bis heute 21; davon betreffen 20 Todesfälle die insgesamt 31 Infizierten in den städtischen Altenheimen.

Im Klinikum Passau wird ein Corona-Patient beatmet, fünf weitere liegen auf der Intensivstation.

Im Landkreis Passau sind keine neuen Fälle mehr gemeldet worden. Es bleibt in der Summe bei 590 Fällen seit Infektionsausbruch.

Corona-Statistik: Irgendetwas stimmt nicht
Dieses Magazin hat beim Bayerischen Gesundheitsministerium nachgefragt, warum die offiziellen ministeriellen Zahlen, die auch das Robert-Koch-Institut meldet, den tatsächlichen mittlerweile zunehmend hinterherhinken.

Es handle sich um wahrscheinlich um einen Softwarefehler bei der Übertragung, erklärt heute ein Pressesprecher aus München. Er hat aber keine Erklärung, warum die Differenz zwischen der lokalen Meldung und dem Ministerium immer weiter anwächst. Dies hat die BB-Redaktion beobachtet.

Aktuell meldet das Ministerium in der Fortschreibung 571 Corona-Infektion im Landkreis Passau, tatsächlich sind es 590, also 19 Fälle sind unter den Tisch gefallen.

Wie groß ist Kontaktkreis der Neuinfizierten?
Das Landratsamt Passau hat unsere Anfrage bezüglich der 14 Neuinfektionen beantwortet. Wir wollten wissen, wie groß die Kontaktkreise sind, wie viele in Quarantäne müssen. "Die Zahl der Kontaktpersonen beschränkt sich in den allermeisten Fällen auf etwa fünf Personen", schreibt Pressesprecher Christoph Kölbl.

Dies belegt, dass sich die Leute konsequent in einem engen Umfeld bewegen.

Allerdings: In einigen wenigen Fällen habe es Kontaktpersonen im zweistelligen Bereich gegeben. Dies deute darauf hin, dass es hier zu Verstößen gekommen ist. "Dies beobachten wir mit großer Sorge und appellieren an das Verantwortungsbewusstsein", schreibt Köbl.

 

24. Mai

Am Sonntag hat der Landkreis vier weitere Infektionen gemeldet. Damit ist die Zahl an Neuinfektionen in Stadt und Land nach fast wochenlangem Stillstand angewachsen um 15.

Freitag 22. Mai

Das ist keine gute Nachricht zum Beginn des Wochenendes.

Wie sich die Corona-Infektionen entwickeln, wie sich die Lockerungen auswirken, darüber wissen wir frühestens nach zwei Wochen Bescheid. So lange dauert es von der Ansteckung, über den Ausbruch der Krankheit bis zum Testergebnis. So gesehen liest sich die Mittagsmeldung aus dem Passauer Landratsamt beunruhigend: Nach fünf Tagen ohne Neuinfektionen gibt es jetzt zehn neue Fälle. Die Corona-Erkrankten stehen nicht im Zusammenhang mit Altenheimen, Massenunterkünften für Migranten oder Schlachthofmitarbeiter. Es sind Corona-Infizierte aus dem häuslichen Bereich, wie der Pressesprecher betont.

Ob es sich um die negativen Auswirkungen der Lockerungen handelt oder einen statistischen Ausrutscher, wird sich im Laufe der nächsten Tage zeigen.

Die Phase, in der unsere Gesellschaft in der Seuchenzeit eingetreten ist, nennt sich wissenschaftlich "Präventionsparadox". Wenn vorbeugende Maßnahmen, in diesem Fall der konsequente Seuchenschutz erfolgreich sind, dazu führen, dass die befürchtete Wucht der Pandemie ausbleibt, lehnen bestimmte Menschen sich entspannt zurück und glauben "Das wars dann". Doch bei Pandemien kann der Weg in den Alltag der Rückschlag in die Krise sein.

Es ist fast auf den Tag genau zwei Wochen her, dass die Ausgangsbeschränkungen in Bayern aufgehoben worden sind. Es war wieder erlaubt, sich mit wenigstens einem Mitglied eines anderen Hausstandes zu treffen. Am Mittwoch vor zwei Wochen durften auch die großen Geschäfte aufsperren. Die Warnungen der Wissenschaftler, welche die Lockerungen skeptisch sahen, wurden in den Wind geschlagen. 

Corona-Fall im städtischen Fleischhygienebetrieb
Die Pressestelle des Rathauses teilt mit, dass ein Mitarbeiter der "Städtischen Fleischhygiene" positiv auf Corona getestet worden ist. Dies ist der einzige Fall einer Testreihe unter 75 Beschäftigten, die vom Gesundheitsministerium nach den Vorfällen in Straubing in allen bayerischen Schlachthöfen angeordnet worden ist. Eine hohe Ansteckungsgefahr durch Massenunterkünften für Leiharbeiter gibt es in Passau nicht. "Alle Mitarbeiter snd festangestellt, werden sehr gut bezahlt und fair behandelt", wird Schlachthofgeschäftsführer Alois Schmalhofer in der Pressemitteilug zitiert. Seit 23. März gelte die Maskenpflicht für alle Beschäftigten. 

Für den Coronavirusträger von der Fleischhygiene wurde Isolation angeordnet. Er hatte angeblich keine direkten Kontakte zu Schlachthofmitarbeitern, deshalb sind keine weiteren Quarantänemaßnahmen erforderlich.

Mittwoch. 20. Mai

Kultusminister Michael Piazolo gibt Zahlen für das Corona-Abitur bekannt: Heute beginnen die Prüfung für 35.000 Gymnasiumsabgänger; einen Monat später als üblich. Am 27. April hatte für die Abiturienten die Rückkehr in den Unterricht unter Einschränkungen begonnen. Vier Wochen dauerte die Zwangspause.

Die bayerischen Gymnasiasten legen drei schriftliche Abiturprüfungen ab: heute im Fach Deutsch, am 26. Mai in Mathematik und am 29. Mai in einem dritten Wahlfach. Die mündlichen Prüfungen in zwei weiteren Fächern finden nach den Pfingstferien, zwischen 15. und 26. Juni statt. Sonderregelungen bei der Notenberechnung sorgen dafür, dass alle gleich und fair behandelt werden.

Dienstag, 19. Mai

Wie steht es mit Solidarität, Umsicht und Fairness in Seuchenzeiten bei der neu eröffneten Gastronomie? Welche Wirte halten die Vorschriften der Infektionsschutzverordnung vorbildlich ein und welche scheren sich weniger?

Darum geht´s:

  • Tische und Stühle so aufzustellen, dass zwischen fremden Gästen der Abstand von 1,50 Meter garantiert ist
  • Je Tisch erlaubt sind eine Familie oder Mitglieder von maximal zwei Hausständen 
  • Gäste müssen registriert werden, damit notfalls Infektionsketten nachvollzogen werden können.
  • Der Wirt muss ein Schutz- und Hygienekonzept vorlegen
  • Servicekräfte dürfen nur mit Maske bedienen.

Ein Biergarten in Hacklberg: Der Wirt hat eine gute Gesichtfarbe bekommen, denn er stand gestern von früh bis spät an der Einlasskontrolle. "Es ist aufwändig mit Schildern, Zettel und Formularen", sagt er. Aber er erhalte positive Rückmeldungen. Den Gästen wird der Tisch zugewiesen; für jede Tischnummer muss ein Gast das Kontaktformular ausfüllen. Die Registrierung dient der Sicherheit, dass gegebenfalls Infektionsketten verfolgt werden können. Der Bonus in der Corona-Krise ist ein großer Biergarten, in diesem Lokal 400 Plätze. Auf seinen Terrassen hat der Wirt wegen der Abstandsbestuhlung die Hälfte der Plätze verloren. 

„Wir gehen mit klarer Kante vor“, sagt ein anderer junger Restaurantbesitzer. Er habe beispielsweise die Reservierung einer Runde von sechs Männern abgelehnt. „Ich bin den anderen Gästen schuldig, dass ich konsequent vorgehe.“ Sie würden sich bei denjenigen sicher fühlen, die das professionell umsetzen. Nur so könne das Geschäft wieder anlaufen, sagt er.

Wirt in Haidenhof-Nord angezeigt
Im Polizeibericht ist heute vermerkt, dass ein Wirt in Haidenhof-Nord die erste Anzeige bekommen hat. Verstöße waren von einem asiatischen Restaurant in der Königsberger Straße gemeldet worden. Auf der Freischankfläche hielt sich gestern gegen 20.45 Uhr eine Gruppe von mehr als ein Dutzend Gästen auf. Mehrere Streifenwagen rückten an. Die Bewirteten erhielten einen Platzverweis.

Vorbildlich würden Wirte am Rathausplatz, in Hacklberg und am Innstädter Kirchenplatz die Seuchenschutzregeln umsetzen, teilen uns BB-Leser heute mit. Umgekehrt gäbe es Lokale, die sich nicht darum scherten; genannt wird ein Café mit Aussichtsterrasse im Neumarkt.

Zuständig für die Kontrollen ist die Polizei. Bei Verstößen drohen laut dem bayerischen Corona-Bußgeldkatalog den Verantwortlichen Strafen von 5.000 Euro. Die Ordnungsämter können je nach Sachlage und Vermögen des Betroffenen das Bußgeld anpassen; mindestens 150 Euro, maximal 25.000 Euro.

Montag, 18. Mai

Die Gastronomie darf im Freien wieder öffnen.

Die Lockerungen gelten in Österreich seit Freitag. Es darf im Freien bewirtet werden, mit Infektionsschutz und Mundnasenbedeckung im Service. Die Regeln sind ein bisschen unterschiedlich.

  • Bayern: Tische mit Abstand, zusammensitzen dürfen Familienmitglieder oder Menschen maximal aus zwei Hausständen; jeder Gast muss sich registrieren lassen, damit Infektionsketten nachvollziehbar bleiben.
  • Österreich: Tische mit Abstand, maximal vier Personen an einem Tisch, unabhängig von Familie oder Hausstand, erklärt der Wirt. Kinder zählen bei der Viererbeschränkung nicht. Ein Gästebuch muss er nicht führen. Da wie dort: Kontaktflächen – laminierte Speisekarte, Tischfläche und Stuhllehnen – müssen nach jedem Gast desinfiziert werden.

Wer größe Freiflächen hat, kann die beschränkte Gästezahl erhöhen. Die Stadt kommt den Wirten entgegen, ihnen weitere Plätze im Umfeld ihrer Lokale unbürokratisch zuzuteilen. Die Gebühren, berechnet nach Quadratmeter, werden heuer von der Stadt nicht erhoben.

Trotzdem: Bewirtung mit Seuchenschutzmaßnahmen ist zeit- und personalaufwändig. "Gut möglich, dass es sich für manche Betriebe nicht rechnet, jetzt schon zu öffnen", sagt ein Beobachter. Wer hohe Betriebs- und Personalkosten hat und diese mit den maximal möglichen Umsätzen vergleich, könnte zum Ergebnis kommen: Minustgeschäft. im Vergleich zum Samstag, 16. Mai

Ab nächster Woche ist die Bewirtung, beschränkt durch die Abstandsregeln, im Lokal erlaubt. Die Sperrstunde ist diese Woche auf 20 Uhr, ab nächster Woche auf 22 Uhr festgesetzt. 

Lufthansa hebt im Juni ab

Bisher sind auf dem Luftkorridor über Passau tagtäglich nur eine Handvoll Flugzeuge unterwegs; vor allem arabische und serbische Fluglinien, Frachtflugzeuge. Ab Juni sind wieder Flugzeuge mit dem Kranich dabei.

80 Maschinen, 106 Ziele
Lufthansa verkündet heute die "gute Nachricht", dass mit dem Juni-Flugplan die ersten 80 Flugzeuge wieder zum Einsatz kommen. Sie fliegen106 Ziele an, davon 20 auf anderen Kontinenten. Mallorca und Mexiko, Kreta und Johannesburg.  

Freitag, 15. Mai

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Der Landkreis Passau hat heute seine Corona-Statistik aktualisiert.
Die Situation in Salzweg hat sich entspannt: Von den ehemals 77 Erkrankten, darunter mehr als 50 aus der Asylbewerberunterkunft "Salzweger Hof", ist bis auf 3 für alle die Isolation aufgehoben worden.

In 16 der 38 Landkreiskommunen wurden keine neue Infektionen registriert. Die Entwicklung belege, dass die Bürgerinnen und Bürger solidarisch und verantwortungsvoll sich verhalten, erklärt Landrat Raimund Kneidinger in einer Pressemitteilung. Die Zahl der Toten in Zusammenhang mit Corona bleibt im Landkreis bei 26.

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Donnerstag, 14. Mai


Die Stadt Passau verzeichnet seit mehreren Tagen keine Neuinfektionen mehr. Ein 77-jähriger Bürger ist verstorben. Im Klinikum werden sechs Erkrankte behandelt, davon einer beatmet auf der Inetnsivstation.

Wirte und Kneipenbesitzer bereiten sich darauf vor, dass sie am kommenden Montag unter bestimmten Voraussetzungen wieder öffen können.

  • Vorteile haben Betriebe mit Biergärten und Freiflächen, denn draußen darf ab Montag wieder bewirtet werden; mit Abstand und Maskenpflicht für das Servicepersonal. Sperrstunde 20 Uhr.
  • Kommenden Montag, 25. Mai, ist die Bewirtung mit entsprechenden Auflagen drinnen wieder erlaubt. Sperrstunde 22 Uhr; mit Abstand und Maskenpflicht für Servicepersonal, Küche und Gäste; letztere dürfen die Maske nur am Tisch abnehmen. Sperrstunde 20 Uhr.

Worauf die Betreiber zu achten haben:

  • die Gäste müssen, wie bei den Friseuren die Kunden, registriert werden, damit eventuelle Infektionsketten nachverfolgt werden können
  • um gemeinsame Kontaktflächen zu vermeiden sind Salz- und Pfefferstreuer, Blumenvasen oder Speisekarten nicht erlaubt; es sei denn, diese Gegenstände werden nach jeder Benutzung desinfiziert oder man behilft sich mit Einwegspeisekarten.
  • regelmässiges Lüften der Räume und Reinigung der Kontaktflächen wie Tische und Stühle nach jedem Wechsel der Gäste

Hier die konkreten Anweisungen.

Die Reaktionen sind verschieden. "Zuviel Aufwand. Da brauche ich ja noch mehr Personal", sagt ein Kneipenwirt im Neumarkt; es würde sich nicht rechnen, unter diesen Umständen zu öffnen.

"Man darf nicht jammern, sondern muss das Beste daraus machen. Die Gäste werden denjenigen belohnen, bei dem sie sich sicher fühlen", sagt das Mitglied einer Wirtsfamilie. Man hat vorbereitet, dass die Bestellungen am Tisch weitgehend digital abgewickelt werden können. "Wenn man die richtigen Kassensysteme hat, geht das", sagt er.

Jeder Tisch trägt einen QR-Code, mit dem die Gäste per Handy auf die digitale Getränke- und Speisekarte gelangen. Wenn alles programmiert ist, sollen später bis ins Detail - beispielsweise Sonderwünsche fürs Steak - die Bestellung zum Service geschickt werden können. "Im Endeffekt könnten wir zu Stoßzeiten, dann sogar Personal sparen", sagt der innovationsfreudige Wirt. Damit die Gäste am Montag schneller einchecken können, bietet er das Registrierungsformular zum Ausdruck im Netz an. Kontaktlose Bezahlung soll künftig per Handy, per Papypal, möglich sein.

Die Steuererleichterung, von 19 auf 7 Prozent für Speisen, nennt er eine "spürbare Entlasung." An einem Schnitzel für 12 Euro musste der Wirt früher fast zwei Euro an den Fiskus abgeben, jetzt sind es 80 Cent; fast 1,20 Euro mehr in die Tasche des Wirtes. Zehn Prozent mehr an Einnahmen.    

Am Pfingstwochenende, 30. Mai, sind weitere Öffnungen in Aussicht gestellt worden: Hotels, Ferienwohnungen, Camping, Schlösser, Seenschifffahrt und Freizeitparks; ebenso mit strengen Auflagen. Geschlossen bleiben alle Eirichtungen, in denen die Virusübertragung sich nicht verhindern ließe wie Schwimmbäder, Wellnesseinrichtungen und Sauna. 
Für die Öffnung von Hotels gelten strenge Auflagen, die insbesondere umfassen

Freitag, 8. Mai

Ab Morgen werden die Besuchsverbote in Altenheimen und Krankenhäusern teilweise aufgehoben. Wie die Pressesprecherin des Klinikums Passau mitteilt, dürfen die Patienten von einer benannten Bezugsperson einmal täglich Besuch erhalten; zwischen 14 und 18 Uhr.

Das Prozedere: Der Besucher muss sich an der Pforte registrieren lassen, erhält einen Passierschein, mit dem er an der jeweiligen Station vorsprechen kann.

Motorradtouren sind wieder erlaubt. An schönen Tagen, vor allen am Wochenende, treibt dieser Umstand den Chirurgen in den Krankenhäusern den Schweiß auf die Stirn. Er bedeutet für sie: mehr Unfallopfer, mehr schwere Verletzungen. Jeder fünf Verkehrstote in Bayern ist ein Motorradfahrer. Nach der verkehrsruhigen Zeit wird es jetzt umso mehr hörbar, welchen Krach die Maschinen bei Spurts oder Kavalierstarts in der Innenstadt, bei Hochgeschwindigkeitsfahrten im Donautal entwickeln. "Hohe Drehzahlen oder manipulierte Auspuffanlagen erzeugen extreme Larmbelästigungen, die nicht nur störend, sondern auch gesundheitschädlich sind", appelliert heute das Polizeipräsidum in der Oberpfalz an die Vernunft.

Seuchengesetze: 126 Anzeigen seit Mittwoch
gelten keine Ausgangsbeschränkungen mehr, aber weiterhin Kontaktbeschränkungen: die Abstandsregeln gelten auf der Straße wie am Spielplatz. Die Bilanz der niederbayerischen Polizei: 4.600 Kontrollen, 126 Anzeigen wegen Verstöße im öffentlichen Raum. Hier gibt stehen Antworten auf viele Fragen, die Seite des Ministeriums.

Donnerstag, 7. Mai

Nach einem Infektionsstillstand von mehr als einer Woche sind im Stadtgebiet am heutigen Donnerstag zwei neue Infektionen registriert worden. Die Summe liegt damit bei 128; davon werden 26 als Erkrankte geführt. Die Belegung im Klinikum mit Corona-Patienten ist leicht gestiegen auf sieben, davon sind drei in intensivmedizinischer Behandlung, davon zwei an Beatmungsmaschinen. Die neuen Ansteckungen, man muss etwa zwei Wochen zurückrechnen, ereigneten sich in der Woche nach Ostern.

Im Landkreis haben sich die Infektionen um fünf erhöht auf 563; 171 Landkreisbewohner gelten noch als erkrankt. Hier die Zahlen nach Gemeinden aufgeschlüsselt.
Ob es sich bei den Neuinfizierten um Bewohner aus dem "Salzweger Hof" handelt, hier werden 89 Männern, Frauen und Kinder einer Durchseuchung ausgesetzt, ist nicht bekannt. Die Nachfrage der BB-Redaktion, wie die Lage in diesem Asylbewerberheim aktuell ist, wurde bislang nicht beantwortet.
Dieses Magazin hat allerdings angestoßen, dass die Infektionszahlen der einzelnden Gemeinden im Landkreis Passau und im Landkreis Freyung-Grafenau fortan bekannt gegeben werden.  

***

Dienstag, 6. Mai

Ab morgen entfällt die allgemeine Ausgangsbeschränkung, aber die Kontakte sollten auf Hausstand und Besuche im Familienkreis beschränkt bleiben; der Umgang mit Hausstandsfremden reduziert bleiben auf das „absolute Minimum“. Es gelten zudem die Abstandsregeln.

  • Ab morgen werden Spielplätze wieder geöffnet; Abstand einhalten; Bolzplätze bleiben geschlossen.
  • Ab 11. Mai: Sport „mit Abstand“ wie Tennis, Leichtathletik, Gold, Segeln und Reiten, auch in der Halle; Flugsport.
  • Ab 11. Mai: Bibliotheken, Museen, Galerien, Ausstellung – mit der Regel 20 Quadratmeter je Besucher.
  • Ab 11. Mai: Fahrschulen mit Maske im Auto, Abstand im Unterricht; Musikschulen mit Abstand und Einzelunterricht; auch Zuhause.
  • Ab 9. Mai wird das Besuchsverbot in Krankenhäusern und Altenheimen gelockert; registrierte Kontaktpersonen und feste Besuchszeiten; Maske und Abstand.
  • In den Schulen, die ab 11. und 18. Mai schrittweise öffnen, wird der Betrieb durch wöchentlichen Wechsel zwischen Klassenzimmer und Zuhause lernen entzerrt.
  • Die Kinderbetreuung wird ebenso schrittweise hochgefahren; in der Tagespflege maximal fünf Kinder gleichzeitig.


In der Woche vor Pfingsten sieht der Bayernfahrplan neue Lockerungen vor allem in Handel und Gastronomie vor. Maskenpflicht gilt rigoros in geschlossenen Räumen wegen der Ansteckungsgefahr durch schwebende Mikrotröpfchen, die jeder Mensch bereits beim Sprechen ausstößt. Im Freien genügt es grundsätzlich, auf Abstand zu achten.

Einzelhandel

Ab 11. Mai dürfen Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche öffnen. Es gelten Maskenpflicht, Abstand und Hygiene und mindestens 20 Quadratmeter Fläche je Kunde.
In Einkaufszentren nicht nur in den Geschäften, auch in den Gängen.

Gastronomie und Hotels
Lokale, die große Freiflächen haben sind im Vorteil.

Ab 18. Mai Betrieb im Freien möglich. Mit Hygiene- und Abstandsregeln. Biergärten müssen um 20 Uhr schließen.

Am 25. Mai dürfen Speiselokale öffnen. Es gelten die Hygiene- und Abstandsregeln, deshalb darf nur jeder zweite Tisch besetzt werden. Gäste dürfen Maske darf nur am Sitzplatz abnehmen; Maskenpflicht zudem für das Personal in Küche und Service.

Am 30. Mai dürfen Hotels wieder öffnen; allerdings nicht Wellnesseinrichtungen wie Sauna oder Schwimmbad.

Nagel- und Kosmetikstudios dürfen am 11. Mai unter denselben Vorschriften wie  die Friseure öffnen.

„Es wird mit großer Sicherheit zu einer zweiten und eventuell auch dritten Infektionswelle kommen.“ Davon gehen viele Wissenschaftler aus, deshalb brauchen wir neue Werkzeuge wie die Corona-App. Das sagte heute Vormittag Roland Wieler vom Robert-Koch-Institut.

Das Leben mit Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung wird demnach noch lange Zeit zur neuen Normalität des Alltags gehören.

Ministerpräsident Söder hat angekündigt, dass er Gaststätten und Hotels bis Pfingsten schrittweise öffnen will. Zwei Millionen Menschen sind in Bayern in Kurzarbeit, sagt Vizepräsident Aiwanger. Der Patient „Wirtschaft“ müsse bald genesen; vor allem die Autoindustrie. Erst, wenn man wieder Freunde und Oma besuchen kann, denke man daran, ein neues Auto zu kaufen. 

Die Pandemie ist erst gestoppt, wenn mindestens 60 Prozent der Bevölkerung infiziert worden sind oder ein Impfstoff greift. Die Lokalpresse berichtet heute von einer Studie aus Heinsberg, deren Hochrechnung die Schätzung ergeben, dass möglicherweise 1,8 Millionen Deutsche Corona bereits hatten. Das klingt viel, aber ist unbedeutend wenig, nämlich gerade mal 2,2 Prozent der Bevölkerung. Das bestätigt die Annahme der Wissenschaftler, dass wir erst am Anfang stehen.

Passau virusfrei?
In Passau haben sich seit einer Woche keine Neuinfektionen mehr ergeben. Es hat sich offenbar die provinzielle Struktur und die Disziplin der Bevölkerung ausbezahlt. In einer Stadt im Mittelalter könnte man jetzt die Stadttore schließen und zu eine normalen Leben zurückkehren. Aber das ist bloße Theorie. Täglich pendeln Tausende Menschen in die Stadt.

Im Landkreis ist der Ausbruch in einem Salzweger Asylbewerberheim zum Drama geworden. Über 89 Menschen, darunter die Hälfte Kinder, ist eine Ausgangssperre verhängt worden. Wie die Situation in den Massenunterkünften der Migranten sich darstellt, hat uns die Bezirksregierug auf anfrage geschildert. Dazu folgt ein eigener Bericht.

Vergleichen wir die bundesweiten Zahlen mit den lokalen Zahlen:

  • Registrierte Infizierte sind es deutschlandweit 163.900, also 0,2 Prozent; in Passau 126, das sind 0,24 Prozent.
  • Wenn nach der Heinsberg-Studie schätzungsweise 1,8 Millionen Deutsche infiziert sind, wären das umgerechnet auf Passau 1.144 Bewohner. 
  • Demnach liegt die Zahl der tatsächlich Infizierten etwa zehnmal so hoch wie die registrierte
  • Anschaulich umgelegt: In vier Fußballmannschaften befindet sich ein Infizierter.

Wieler gab neue Statisiken bekannt: Jeder 5. Infizierte wird ein Fall für die Klinik. Jeder 24. Infizierte stirbt. Jeder 36. Infizierte entwickelt eine Lungenentzündung. 

Die Kapazität der Tests ist auf 140.000 pro Tag ausgeweitet worden; 133 Labore sind beteiligt. Seit Beginn der Pandemie wurden 2,4 Millionen Menschen getestet; jeder 14. war Virusträger.

Wie gut die Länder das Virus im Griff haben und wie unberechenbar es ist, lässt sich an den Todeszahlen je 100.000 Einwohner vergleichen. Diese Rate liegt 

  • In den USA bei 21 (insgesamt 67.700 Tote)
  • In Schweden bei 27 (2.700 Tote)
  • In Spanien bei 54 (25.300 Tote)
  • In Großbritannien bei 43 (28.400 Tote)
  • In Deutschland bei 8 (6.800 Tote)

Nach diesem Vergleich weiß man, warum Politiker und Mediziner bewundernd nach Deutschland blicken. Wieler betont, es sei vor allem ein Verdienst der deutschen Disziplin.

Während die Infektionsrate in Deutschland gesunken ist, 10 Infizierte stecken nur 7 neue an, bleiben die Todeszahlen hoch. Das liegt daran, dass es viele Ausbrüche in Altenheimen und Krankenhäusern gegeben hat, wo die gesundheitlich schwächsten Mitglieder der Gesellschaft betroffen sind. Die aktuellen Zahen zeigen die Entwicklungwie es vor zwei Wochen war, also der vorletzten Aprilwoche.

Die Tragik zeigt sich bei den Altenheimen in Passau: Von den 31 infizierten Rentnerinnen und Rentnern haben bislang 19 Corona nicht überlebt. Würde die Durchseuchung ungebremst auf die ältere Bevölkerung durchschlagen, würden im Stadtgebiet Passau wahrscheinlich mindestens so viele Beerdigungen auf einen Schlag anfallen wie sonst auf zwei Jahre: 1.200. Todesfälle unter Jüngeren nicht eingerechnet. Über 80 sind 3.500 Stadtbewohner, etwa 800 leben in Altenheimen, alle anderen im eigenen Haushalt oder in Familien (mehr dazu im aktuellen Mai-Heft).

Die Frage ob Kinder mehr oder weniger ansteckend sind, dafür gibt es bislang keine belastbaren Studien. Wieler erklärt allerdings, dass vieles dafür spricht, dass Kinder keine so große Rolle weil Verbreitung der Krankheit spielen wie bei der Grippe. Wann ist du berücksichtigen, dass kleine Kinder du hier Sozialverhalten schwierig den Abstand einhalten können, ältere Kinder verhielten sich diszipliniert.

Die bayerische Sozialministerin Carolina Trautner kündigt an: Es soll künftig erlaubt werden, dass Kinder aus drei verschiedenen Familien sich in privaten, kontrollierbaren Spielgruppen treffen können. Die Vorschulkinder sollen ab 25. Mai zugelassen werden. 

Schulöffnungen:  ab 11. Mai  die vierten Grundschulklassen und die Vorabschlussklassen aller anderen Schularten (30 Prozent aller Schüler); ab 18. Mai weitere Klassen, aber zeitlich abwechselnd, damit der Schulbetrieb entzerrt wird (50 Prozent aller Schüler). Die Masken werden im zunehmenden Betrieb Pflicht werden. Eltern können wegen Angehörigen Zuhause, die zur Risikogruppe, ihre Kinder vom Präsenzunterricht berfreien lassen. Ebenso befreit sind gefährdete Lehrkräfte über 60 vom Präsenzunterricht.

Montag, 4. Mai, 45. Tag und vorletzter Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 66. Tag der bayerischen Infektionskette, 8. Tag der weitergehenden Lockerungen

Ein Stück Normalität kehrt zurück: Ab heute gilt in Passau wieder die Parkgebührenordnung. Neu mit Abstand, Maske und beschränktem Zugang: der Friseurbesuch und Gottesdienste. Viele Friseure haben ausnahmsweise heute montags geöffnet.

Samstag, 2. Mai, 43. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 64. Tag der bayerischen Infektionskette,6. Tag der weitergehenden Lockerungen

Unter den unter Hausarrest gestellten 89 Männern, Frauen und Kinder im "Salzweger Hof" hat sich die Zahl der Infizierten um 10 auf 52 erhöht. Die Behörden haben es unterlassen, die Lage rechtzeitig zu entschärfen. In einem Altenheim wäre bei dieser Seuchenlage nach den Erfahrungen in Passau mit mehr als 30 Toten zu rechnen. Die Menschen der Durchseuchung zu überlassen erscheint fahrlässig. 

Am Dienstag hatte das Landratsamt den 23. Todesfall gemeldet, eine 67-jährige Frau. Ob sie aus dem Asylbewerberheim stammt, ist nicht bekannt.

Zum Vergleich: Im Salzweger Asylbewerberheim sind jetzt mehr als ein Drittel so viele Infizierte wie im gesamten Stadtgebiet Passau seit Ausbruch der Seuche registriert worden sind. 

In der Stadt Passau hat sich die Todesserie unter den Altenheimbewohnern fortgesetzt. Die Frau ist das 19. Todesopfer von insgesamt 31 infizierten Altenheimbewohner; insgesamt sind es damit 20 Corona-Tote im Stadtgebiet. Die Zahl der Infizierten ist nach sieben Tagen erstmals wieder um einen gestiegen. Die Stadt hat angekündigt, die Infiziertenzahlen aufgrund der Stagnation nur mehr einmal wöchentlich bekannt zu geben. 

Mittwoch, 29. April, 40. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 61. Tag der bayerischen Infektionskette, 3. Tag der weitergehenden Lockerungen

Menschen ohne Mimik
Die Leitung des Supermarkts stellt die Musik etwas lauter, wahrscheinlich, um die Stimmung etwas aufzuhellen. Stumme Gestalten schieben ihre Einkaufswagen durch die Gänge. Sie bewegen sich zueinander wie abstoßende Magneten; ausweichend, voneinander entfernend, wenn sie sich zu nahe kommen. Die Kassiererin lächelt nicht. Oder doch? Der schwarze Stoff, verhüllt ihre untere Gesichtshälfte wie der Schleier einer strenggläubigen Muslima. Der Einblick in das Mienenspiel ist verwehrt. Genervt, gelangweilt, gut drauf? Sie erledigt ihre Arbeit wie teilnahmslos. „Komische Welt, in der wir leben!“, sagt der Kunde – und das weiße Vlies verschluckt seine Worte. Keiner reagiert. Einkaufen wird zum Eintritt in ein 3-D-Kino für Endzeitstimmung. Menschen, die ihrer Mimik beraubt sind, haben etwas Roboterhaftes.

Plexiglasschutz ersetzt Maske?
Journalisten sind auch Auskunftsdienste. Anruf eines Tankstellenpächters. „Muss ich eine Maske tragen, wenn ich ohnehin an der Kasse meine Plexiglasschutz aufgebaut habe?“ Das Ding aufzusetzen sei auf Dauer unerträglich. „Ich werde mich er kundigen und rufe zurück“, sagt der Reporter. Er sitzt gerade an einer schriftlichen Anfrage an das Landratsamt. 

Spezielle Anfragen zur Maskenpflicht? Mal im Rathaus nachfragen. Die für Auskünfte befugten Pressesprecherin sind gerade in Besprechungen. Beim Ordnungsamt müssten sie es wissen. Sie verweisen auf die Seite des Ministeriums, da seien alle häufig gestellten Fragen aufgelistet. Ob die Plexiglasscheibe die Maske ersetzt, ergibt Suchanfrage aber nicht. Anfrage beim „Freund und Helfer.“ Die Polizeibeamten arbeiten an der Front, sie kontrollieren die Maskenpflicht, sie müssten es wissen. 

Volltreffer. Die Polizei führe einen internes Nachschlagwerk, in dem Fragen zu Sonderfällen aufgelistet sind, sagt Pressesprecher Markus Fuchs. Er wird fündig. „Verkaufspersonal muss die Mund-Nasen-Bedeckung tragen, unabhängig davon ob es hinter einer Plexiglastrennwand sitzt.“ Man kommt ins Gespräch. Die Polizei gehe bei den Kontrollen mit „Fingerspitzengefühl“ vor. Für die Bürger sind die Masken wohl weniger ein Problem, weil Einkauf oder Busfahrt nach einer halben Stunde vorbei sind. Die meisten halten sich daran. Das Personal, dass Kunden bedient, muss sie stundenlang tragen und sei zu bedauern. „Man kann nur hoffen, dass sie ab und zu Pausen einlegen dürfen.“ 

Rückruf beim Tankstellenpächter. Der hat inzwischen seine eigene Lösung gefunden. „Ich muss die Maske ja nur aufsetzen, wenn Kunden reinkommen“, sagt er. So mache er es.

Zu alt um zu leben?
Irgendein Politiker hat den Spruch abgelassen, man müsste doch das wirtschaftliche Leben nicht für Alte herunterfahren, die sowieso nur mehr ein halbes Jahr lang zu leben haben.

Was wäre wenn, tatsächlich bestimmte Menschenleben plötzlich wieder weniger wert wären als andere? Alte, Behinderte, Kranke, Schwule, Schwarze, Juden. Solche Ansätze gab es schon mal, gibt es in bestimmten Ländern immer noch. Meint der das ernst?

Der Reporter nimmt einen Taschenrechner zur Hand, um sich der Lage zu vergewissern, die eintreten würde, wenn Boris Palmer der Oberbürgermeister von Passau wäre. 3.500 Passauer sind älter als 80. Davon leben 800 derzeit im „Corona-Gefängnis“ Altenheim, der Rest in Familien, mit Partner oder alleinstehend Zuhause. Dann lassen wir Corona mal einschlagen, mal ungeachtet dessen, dass Jüngere ebenso betroffen wären. 

60 Prozent der infizierten Altenheimbewohner sind verstorben
Erste Frage: Wie tödlich ist Corona eigentlich unter den über 80-Jährigen? Die Sterberate in Passau lässt erschaudern. 18 der 31 infizierten Altenheimbewohner sind mittlerweile verstorben. Mehr als jeder zweite – 60 Prozent! 

Angenommen durch Isolation und einen Schutzschirm über die Pflegekräfte würden wenigstens die Bewohner in den Altenheimen geschützt, dann verblieben 2.700 „externe“ Alte. Corona rafft 60 Prozent dahin, macht 1.600 Tote auf einen Schlag. Zum Vergleich: Gut 600 Passauer werden jährlich zu Grabe getragen, davon sind ein Drittel jünger als 80. Es wären also auf einen Schlag so viele Beerdigungen in dieser Altersgruppe wie Passau sonst in vier Jahren hat. 

Um 14.50 hat das Landratsamt Passau mit einer Sondermeldung auf die Anfrage dieses Magazins reagiert. Konkrete Zahlen wurden erstmals genannt. Im "Salzweger Hof" leben nach einem Corona-Fall 89 Menschen (Anm. d. Red.: darunter etwa die Hälfte Kinder) in Isolation. Nachdem bei einem Bewohner der Einrichtung der Corona-Test positiv war, sind dessen Kontaktpersonen vom Gesundheitsamt getestet worden. Hier zeigt sich, dass in diesen Massenunterkünften die von der Regierung vorgegebenen Abstandsregeln nicht eingehalten werden können: 41 Mitbewohner haben sich infiziert! Anstelle die Lage zu entzerren, die Infizierten abzusondern, hat sich die Behörde entschieden, für alle Bewohner die Isolation anzuordnen.

"Das muss für die Leute wie U-Haft sein", sagte heute der Salzweger Bürgermeister Josef Putz entsetzt. In dem Haus leben nach seiner Information viele Migranten, die längst eingegliedert sind und einer Arbeit nachgehen. Der Helferkreis habe sich alle die Jahre vorbildlich gekümmert, staatliche Hilfeleistungen habe man oft angefragt, aber nicht erhalten. Viele Salzweger Bürger, darunter vor allem die Lehrkräfte und Betreuerinnen, welche die Kinder kennen, sind in großer Sorge um deren Wohl.

Heute vormittag: Das Landratsamt hat weitere Auskunft zum Corona-Fall "Salzweger Hof" verweigert. Der Bürgermeister der Gemeinde Salzweg ist selbst erst nach vier Tagen, am um Dienstag 11 Uhr informiert worden. Er hätte sich eine transparentere Vorgehensweise des Landratsamtes gewünscht, wird er später in einem Telefonat beklagen.

Grundsätzliche Frage: Warum haben die Bürgermeister im Landkreis Passau nicht das Recht zu wissen, wie die Infektionslage in ihrer Gemeinde ist? Sie könnten Vorsorge treffen, Maßnahmen ergreifen und die Bevölkerung besser zum Verhalten motivieren oder sensibilisieren.

Der neue gewählte Landrat Raimund Kneidinger, der am 1. Mai sein Amt antritt, ist Bürger der betroffenen Gemeinde Salzweg. Es liegt in seiner Hand die Informationspolitik des Landkreises zu ändern. 

Bürgerblick hat eine schriftliche Anfrage nach dem Bayerischen Pressegesetz Artikel 4, Auskunftspflicht, an den Landrat gerichtet, bestimmte Auskünfte eingefordert. Der Journalist sieht sich als Vertreter des öffentlichen Interesses verpflichtet, diese Auskünfte notfalls einzuklagen. Die Haltung des Autors: Im ausgerufenen Katastrophenfall ist das Informationsrecht der Bevölkerung höher als sonst zu bewerten. Der Landkreis hat Bürgerinnen und Bürger zu unterrichten, wo und wie stark bestimmte Landkreisgemeinden betroffen sind, ob es besondere Infektionslagen in den akut gefährendete Einrichtungen gibt: Altenheime (hohes Todesrisiko) oder Aslybewerberheimen (hohe Ausbreitungsgefahr). 

Dienstag, 28. April, 39. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 60. Tag der bayerischen Infektionskette, 2. Tag der weitergehenden Lockerungen

Die Pressepolitik von Landratsamt und Stadt Passau ist in Corona grundverschieden. Über Infektionen in städtischen Altenheimen wird transparent und detailliert informiert, über Virusausbrüche in Einrichtungen des Landkreises hält das Landratsamt sich bedeckt. Jetzt ist es geschehen und wurde der Presse über die Bevölkerung zugetragen: Es hat ein Asylbewerberheim erwischt.

Letzten Freitag sind die Infektionszahlen im Landkreis sprunghaft gestiegen, um 56 Fälle. Der Pressesprecher erklärte dies damit, dass sich im Vergleich zu den Vortagen die verfügbaren Testkapazitäten deutlich erhöht hätten. 

Es war nur die halbe Wahrheit: Das Virus ist im Asylbewerberheim von Salzweg eingeschleppt worden und hat sich dort ausgebreitet. Wo Menschen auf engem Raum leben (müssen), Abstandsregeln in der Praxis nicht eingehalten werden können, ist die Gefahr akut. 

Altenheime und Asylbewerberheime sind in der Pandemie eine Herausforderung. In den Altenheimen sind strikte Maßnahmen verordnet worden, um die Rentnerinnen und Rentner vor dem tödlichen Virus zu schützen. In einem Asylbewerberheim müssen nach einem Ausbruch Mütter, Kinder, Familien und junge Männer, die auf engstem Raum wohnen, mit nicht minder strengen Regeln angehalten werden, in Quarantäne oder Isolation zu bleiben. Altenheim wie Asylbewerberheim werden, da gibt es nichts zu beschönigen, zum Corona-Gefängnis. Ausgangssperre in ihrer härtesten Form.

Gerüchte über entlaufene Infizierte
Am vergangenen Freitag lagen die ersten Testergebnisse vor, dass Bewohner des „Salzweger Hofes“, der Asylbewerberunterkunft im Ortskern, infiziert sind. Landratsamt und Gesundheitsamt sahen sich offenbar überfordert, die Nachricht zu überbringen und die Maßnahmen einzuleiten. Sie schalteten die Polizei zur Amtshilfe ein. Um 16.30 Uhr trafen mehrere Streifenwagenbesatzungen ein. Das haben viele Salzweger mitbekommen.

„Wir haben niemanden einfangen oder festnehmen müssen“, erklärt ein Polizeisprecher auf Anfrage.

Aber: Es gab über die Hintergründe keine Nachricht in den Medien. Die Pressesperre des Landratsamtes zeigt sich verhängnisvoll. Übers Wochenende gärt die Gerüchteküche. Der Polizeieinsatz wurde im Volksmund damit erklärt, dass Corona-Erkrankte die Isolation nicht befolgen, als akute  Ansteckungsquelle mit Fieber durch den Ort laufen würden.

In dieser Isolation, die mindesten zwei Wochen dauern wird, sich über Monate hinziehen kann, wenn sich weitere anstecken, leben unterschiedlichste Nationen und Religionen zusammen: Familien und junge Männer aus Nigeria, Afghanistan und Syrien, auch Kurden. Jeder wird abhängig davon, welche Nachrichtenlage er von Fernsehen und Netzwerken kennt, das Virus als harmlos oder höchst gefährlich einstufen; nicht anders wie draußen in der deutschen Bevölkerung werden die unterschiedlichsten Meinungen aufeinander treffen.

Der Landrat und sein Krisenstab haben sich zu Beginn der Krise entschieden, dass lokale Brennpunkte der Virusausbreitung der Presse nicht mitgeteilt werden. Der Reporter nennt diese Entscheidung falsch. Denn die Bevölkerung hat ein berechtigtes Interesse zu erfahren, wo und wann sich das Virus besonders ausbreitet. Dass Persönlichkeitsrechte gewahrt werden müssen, ist selbstverständlich.

Verantwortlich für die restriktive Öffentlichkeitsarbeit sind, in den letzten Tagen seines Amtes, Landrat Franz Meyer und die für Asyl, Seuchen und Ordnung zuständige Regierungsdirektorin Verena Schwarz.

Asylheim wird für 80 Menschen zum Gefängnis
Die Situation ist in Salzweg dramatisch: Es wohnen dort etwa 40 Erwachsene, 40 Kinder; viele Familien. Die Behörden haben einen Sicherheitsdienst bestellt, der Tag und Nacht den Eingang bewacht. Die Menschen dürfen das Haus nicht verlassen, müssen versorgt werden; vor allem Kindernahrung und Windeln. Nach Informationen dieses Magazin haben sich bisher rund drei Dutzend Bewohner angesteckt. Es ist zu befürchten, dass sich Corona in der beengten Situation unter allen Bewohnern ausbreitet. Es gibt nur eine Gemeinschaftsküche. Dass das Haus ein ehemaliges Hotel war, ist von Vorteil, denn viele Zimmer haben eigene Duschen und Toiletten. 

Wie viele Asylbewerber konkret betroffen sind, wie die Leute mit dieser für sie schwer erträglichen Isolation umgehen und versorgt werden, darüber will das Landratsamt heute noch Auskunft geben.

Corona-Fahrplan für Bayern

Ministerpräsident Söder hat Lockerungen in Aussicht gestellt, wenn die Infektionszahlen sich weiterhin gut entwickeln und zugleich bestehende Maßnahmen verlängert:

  • Messfeiern und Demonstrationen sind im kleinen Rahmen mit Abstand wieder erlaubt ab 4. Mai. Drinnen 2 Meter Abstand, im Freien 1,50 Meter.
  • Wirte können frühestens ab Ende Mai, um Pfingsten herum darauf hoffen, dass sie unter bestimmten Auflagen ihre Lokale wieder betreiben können
  • Nach einer erfolgreichen Klage dürfen auch große Läden wieder öffnen, wenn sie die Ladenflächen auf maximal 40 Kunden (800 Quadratmeter) beschränken
  • Einkaufszentren bleiben bis auf Läden der Grundversorgung weiterhin geschlossen
  • Bis zum Sommer wird es wohl keine Normalität an den Schulen geben
  • Wenn sich Studien bestätigen, dass die kleinsten Kinder am wenigsten ansteckend sind, könnte hier - umgekehrt zu den Schulen - bei den Kitas mit den jüngsten Gruppen der Betrieb in absehbarer Zeit wieder aufgenommen werden

Montag, 27. April, 38. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 59. Tag der bayerischen Infektionskette, 1. Tag der weitergehenden Lockerungen

Die stillen Ostertage haben in der Seuchenbekämpfung vor allem in Passau Erfolge gebracht: seit vier Tagen keine neue Infektionen mehr!

Die Zahl der Patienten im Klinikum ist auf weniger als die Hälfte des Höchsstandes gesunken: 18. Zwei Corona-Erkrankte werden beatmet.

Im Landkreis Passau hatten wir dagegen eine leicht sprunghafte Erhöhung. Ob diese anhält, wird sich in den nächsten Tagen zeigen. Menschen am Land und in der Stadt verhalten sich oft unterschiedlich.

Zum Verständnis: Die Zahlen, die wir heute sehen, sind ein Abbild der Situation von vor etwa zwei Wochen. Bis zu vierzehn Tage vergehen von der Ansteckung bis zum Ausbruch, erst bei akuten Symptomen kommt der Erkrankte zum Test, das Ergebnis lässt ein, zwei Tage auf sich warten. Dann erst geht der Fall in die Statistik, in die Corona-Kurve ein. 

Coronaparty aufgelöst
Wie die Polizei meldet, ist am Sonntag um 21.20 Uhr am Römerplatz eine "Coronaparty" aufgelöst worden. Acht Leute hatten sich getroffen, um Geburstag zu feiern. Die Anzeigen summieren sich auf 1.000 Euro Ordnungsgeld wegen Verstosses gegen das Seuchengesetz.

Mit Tempo 107 im Stadtverkehr
Sonntägliche Radarkontrolle an der vierspurigen Donaufuferstraße "Am Anger": 50 der 3.168 gemessenen Autofahrer missachten Tempo 50, der schnelleste hat 107 km/h drauf. Die Kontrollen fanden stadteinwärts von 13 bis 19.30 Uhr statt. Dem schnellsten Raser drohen ein Bußgeld von 280 Euro und zwei Monate Fahrverbot. Die Polizeimaßnahme zeigt zudem: 500 Autos pro Stunde sind in der Pandemie am Anger unterwegs. 

Bayern bewegt sich. Schulen für Prüfungsjahrgänge auf. Läden auf. Aber was für eine Zettelwirtschaft! Ladeninhaber sind stundenlang damit beschäftigt gewesen, Plakate und Hinweise auszudrucken und anzubringen. Hinzu kommt die neue Maskenpflicht.

  • Mindestabstand am Eingang
  • Mindestabstand am Kassenband
  • Gebührender Abstand von der Kassiererin
  • Zügig den Einkauf einpacken
  • Erst zum Bezahlen zur Kasse treten
  • Keine Waren in die Hand nehmen, die nicht tatsächlich gekauft werden
  • Mindestabstand von 1,5 Meter in allen Gängen und Fluren
  • Nicht mehr als ein Kunde je 20 Quadratmeter
  • Getrennter Eingang und Ausgang – wo es möglich ist
  • Getrennte Laufbereiche durch Bodenmarkierungen
  • Personal steuert das Aus- und Eintreten, wenn es nur eine Tür gibt
  • Schließen der Eingangstür in kleinen Läden, wenn die maximale Kundenzahl erreicht ist
  • Abgezählte Einkaufswagen, um die Kontrolle zu behalten
  • Lautsprecherdurchsagen, um die Kunden stets aufs Neue zu sensibiliseren
  • Möglichkeiten zur Händedesinfektion
  • Auf Zahlung mit Bargeld verzichten
  • Tastaturen und Bildschirme regelmäßig desinfizieren

Im Textilhandel bedeutet Mindestabstand:

  • Dem Kunden nicht mehr in die Kleidung helfen
  • Beim Abstecken – wenn verfügbar – eine echte Virenschutzmaske tragen.

Dies ist ein Ausschnitt der Liste, der Preis für die Öffnungen. Und wenn es nicht klappt, so warnen Virologen, wir sehen das etwa in zwei Wochen an den Infektionszahlen, muss schlimmstenfalls alles zurückfallen in einen rigorosen Stillstand, der in der Bilanz einen noch größeren Schaden anrichtet. 

Was den Menschen fehlt, ist Geduld. Drei Wochen, das sind in der Zeitrechnung einer Pandemie vielleicht ein Stündchen. Was tatsächlich eintritt, wenn die Menschen sich zwei Wochen lang absolut voneinander fernhalten würden, kein Zutritt von außen in diesen geschützten Raum vorausgesetzt: Das Virus wäre ausgerottet. Auf der Suche nach einem neuen Wirt wäre es - unwissenschaftlich - ausgedrückt verhungert.

Doch diesen absoluten Stillstand gibt und gab es nie und wird es nie geben. Es würde heißen: keine Baustellen, kein Handwerk, keine Müllabfuhr, kein Lebensmitteleinkauf. Die wirksamste Maßnahme ist leider die unmöglichste.

Ministerielle Anweisungen und Umsetzung in die Realität
Die Seuchengesetze sind verbundenen mit einer Flut von Anweisungen der Ministerien. Es ist zweifelhaft, ob die Umsetzung in der Realität immer möglich ist. Es scheitert oft schon an den Kapazitäten: Welches zusätzliche Ladenpersonal soll die Kunden überwachen und wer kontrolliert das Personal? 

Die Maske als Feigenblatt der Vorsicht?
Auch diese Frage: Wird die Volksmaske als Feigenblatt der Wirtschaft für angebliche Vorsicht und Umsicht missbraucht? Denn in Wahrheit mindert sie – bei richtigem Umgang - lediglich, dass in geschlossenen Räumen eventuell weniger Mikrotröpfchen unbekannter Infizierter verteilt werden. Mikrotröpfchen können sich in wenig belüfteten Räumen mehrere Stunden halten. Wird die Maske unsachgemäß benutzt, wird sie selbst zur Virenschleuder. Eine Gefahr, die man nicht spürt, sieht und riecht in den Köpfen der Menschen zu verankern, gelingt leidlich.

800 Schülerinnen und Schüler sind seit heute allein an den städtischen Schulen in Passau wieder auf dem Weg. Im ersten Schritt sind die Prüfungsjahrgänge dran. Abstand und Mund-Nasen-Bedeckung in Einrichtungen, die eigentlich ein Massenbetrieb sind, geht das überhaupt?

Wer sich die Hausmitteilungen der Schulleitungen durchliest, erhält einen Eindruck vom Abenteuer zwischen der geforderten Seucheneindämmung und der Umsetzung im Alltag. So sehen deren Listen aus:

  • Schulbeginn zeitversetzt, um die Schülerströme zu entzerren
  • Es sollen sich keine größeren Schülergruppen bilden
  • Klassenzimmer neu aufteilen und strukturieren
  • Nur Unterricht in prüfungsrelevanten Fächern
  • Unterricht in Kleingruppn von maximal 15 Schülern
  • Vier Quadratmeter Fläche je Schüler – zu jeder Zeit
  • Kein Pausenverkauf, Verpflegung selbst mitbringen
  • Maskenpflicht in Gängen, Treppenhaus und Toiletten
  • Masken mitbringen, sie können nicht gestellt werden
  • Schüler, die Risikogruppen angehören, können sich ärztlich befreien lassen.

Aber: Wie sieht es aus, wenn Zuhause eine Risikoperson lebt? Mikrotröpfchen: Wer kümmert sich darum, dass die Räume gut durchlüftet sind?

„Wir appellieren an die Schüler, sich der Gefährdungslage bewusst zu sein und gemeinsam das Möglichste zu tun, damit keine Infektionen weitergetragen werden“, schreiben die Verantwortlichen eines Lehrerkollegiums.

Samstag, 25. April, 36. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 57. Tag der bayerischen Infektionskette, 1. Tag der weitergehenden Lockerungen

Die Virologen warnen "Moment noch!", die von der Wirtschaft getriebenen Politiker preschen vor, die Lockerungen auszuweiten, die sich für Gesundheit und Menschenleben verantwortliche fühlenden Politiker mahnen zur Geduld. So lässt sich das aktuelle Spannungsfeld beschreiben. Ministerpräsident Söder, der das Bundesland mit den  höchsten Infektionszahlen führt, zählt zu den Letzteren.

Die Infektionszahlen, die wir ab Montag erfahren, lassen uns wissen, wie konsequent die Bevökerung die Kontaktsperren zu Ostern eingehalten haben. Virologen haben heute erste Anzeichen erkannt, dass sie wieder nach oben gehen.

Am Montag erlebt Bayern neue Bewegung. Schulen auf für die Prüfungsjahrgänge; Läden auf unter 800 Quadratmeter. 

Virtueller Sonderparteitag
Die CSU hat angekündigt, am 22. Mai einen Corona-Sonderparteitag  zum ersten Mal komplett virtuell einzurichten. Deligierte wählen sich in die Videokonferenz ein. Digitaler Stargast ist Österreichs Kanzler Sebastian Kurz.

Zu viele Presseanfragen
Das Robert-Koch-Institut erhält an einem ruhigen Tag 120 Presseanfragen per E-Mail, das sei nicht zu bewältigen, heißt es vom vierköpfigen Presseteam. Die Medienanfragen werden künftig nach Reichweite und Relevanz sortiert, damit fallen einige unter den Tisch. Zum Vergleich: Bei Bürgerblick müssten täglich rund 350 Nachrichten gesichtet und sortiert werden. Es isr richtig, dass in den Notbesetzungen der Kontaktsperre der Überblick schnell verloren geht. In dringenden Fällen empfiehlt sich der Griff zum Telefonhörer, in sehr wichtigen Fax oder die gute alte Post.  

Kurzarbeit bei den Großverlagen wie "Passauer Neue Presse" und "Süddeutsche"; geplant jetzt auch beim "Spiegel". In Italien droht Pressevielfalt verloren zu gehen, die Unternehmerfamilie Agnelli (Fiat-Chrysler) kauft ein Viertel aller Print-Medien auf, darunter die großen liberalen Blätter wie "La Stampa" und "La Repubblica." Der kleine "Bürgerblick" plant wieder eine extradicke Lektüre in Corona-Zeiten.

Freitag, 24. April, 35. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 56. Tag der bayerischen Infektionskette

Der Oberbürgermeister sagt die Passauer Herbstdult ab. "Abgesagt" sind damit wohl unwiderruflich alle großen Veranstaltung des Kultursommers. "Oide Dult" und "Eulenspiegelfestival", die großen Konzerte der "Europäischen Wochen", die Burgfestspiele...

Maskenpflicht auf den Wochenmärkten
Die Stadt Passau hat zudem eine Maskenpflicht bei den Einkäufen auf den Wochenmärkten verhängt: Sie gilt ab Dienstag auf dem Kleinen Exerzierplatz ("Klostergarten"); ebenso beim Wochenmarkt am Domplatz. Wer keine Mund-Nasen-Deckung hat: Für einen Verkaufsstand mit Stoffmasken sei auf den Märkten gesorgt, heißt es in der Pressemitteilung

Maskenpflicht ab Montag
Die bayerischen Ministerien erweitern den Corona-Bußgeldkatalog zur Maskenpflicht beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Er gilt ab Montag. Ladenbetreibern, die sich nicht daran halten droht eine Geldbuße von 5.000 Euro. Verstöße der Bürger werden ab 150 Euro geahndet. Landes- und Bundespolizei werden bei den Kontrollen zusammenarbeiten, kündigt Innenminister Herrmann an. Für die Mund-Nasen-Bedeckung genüge auch eine selbstgenähte Maske, ein Tuch oder Schal. In den Läden, die ab Montag öffnen, hat Sicherheitspersonal für Abstand und Maskenpflicht zu sorgen.

Die Maskenpflicht gilt im Freien zudem in Wartehäuschen, Bushaltestellen und auf Bahnsteigen.

Im Klinikum Passau ist die Zahl der Corona-Patienten auf 15 gesunken; davon liegen 6 auf der Intensivstation, 2 an Beatmungsmaschinen.

Der 17. Todesfall unter den insgesamt 125 Infizierten im Stadtgebiet, heute plus 2, ist eine 85-jährige Rentnerin. In den Altenheimen Jesuitenschlössl und St. Nikola gibt es aktuell unter den Bewohner angeblich keine neuen Virusträger mehr. Sie sind verstorben oder genesen.

Die erneute deutliche Zunahme der Neu-Infektionen im Landkreis (plus 56) erklärt der Pressesprecher damit, dass die Testkapazitäten ausgeweitet worden seien.

Geschätzt sind die Hälfte der Infizierten wieder genesen. Eine Garantie, dass diese immun sind oder nicht mehr ansteckend, können Mediziner bislang nicht geben. Es fehlt an belastbaren Studien.

Donnerstag, 23. April, 34. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 55. Tag der bayerischen Infektionskette

In der Corona-Krise greift der Staat weitere Milliarden an.

Eine erfreuliche Nachricht für die schwer angeschlagene Gastronomie verschickt die Präsidentin Angela Inselkammer vom Hotel- und Gaststättenverband um 3.30 Uhr früh:

  • Ab 1. Juli wird die Mehrwertsteuer in der Gastronomie für Speisen für ein Jahr auf 7 Prozent gesenkt. Das entlastet die Betriebe und hilft ihnen schneller wieder auf die Beine.
    Zum Verständnis: An einem Schweinsbraten für 12 Euro kassierte der Staat bisher 2 Euro, künftig 80 Cent. Dem Wirt bleiben als 1,20 Euro, zehn Prozent mehr in der Tasche.
  • Versicherungsleistungen werden nicht angerechnet: Wirte und Hoteliers schließen zur Grundsicherung ihrer Existenz eine Versicherung für Betriebsausfall oder -schließung ab. Diese Entschädigungen sollen später nicht auf Soforthilfe oder Kurzarbeitergeld angerechnet werden.
  • Kurzarbeiterer in der Gastronomie können sich in anderen Berufen zur vollen Höhe ihres früheren Gehalts steuerfrei etwas dazuverdienen.
  • Kurzarbeitergeld für die um mindestens 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit wird im vierten Monat auf 70 (Haushalte mit Kindern 77), ab dem 7. Monat auf 80 (87) Prozent des Nettoentgelts erhöht. Die Regelung gilt bis Ende 2020.

Mittwoch, 22. April, 33. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 54. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Stadt und Landkreis Passau melden sieben neue Infizierte. Im Klinikum Passau werden 15 am Virus Erkrankte behandelt; das sind etwa die Hälfte der Patienten zur bisherigen Spitzenzeit. Sieben liegen auf der Intensivstation, davon drei mit Beatmungsmaschinen.

750 Euro in die Stadtkasse brachte eine in Seuchenzeiten unerlaubte Feier in der Josef-Oswald-Straße in Passau-Neustift. Fünf Menschen hatten sich zum Trinken und Spielen getroffen. Um 17 Uhr war den Nachbarn die Party wohl zu laut geworden. Sie alarmierten die Polizei.

Alkohol und Übermut ließen in der Gleiwitzer Straße einen 22-jährigen Mann aus dem dritten Stock stürzen. Er war vor einem Kumpel, 20, auf dem Balkongeländer herumgeturnt und hatte den Halt verloren. Mit Knochenbrüchen wurde der Verletzte ins Klinikum eingeliefert.

Wie der Friseurbesuch ab dem 4. Mai funktioniert? Der Kunde muss - wie der Friseur - Maske tragen, damit einverstanden sein, dass sein Besuch registriert wird, damit im Notfall eine Infektionskette gebrochen werden kann. Vor dem Haareschneiden ist Haarwäsche Pflicht, damit mögliche Viren abgetötet werden. "Nahbehandlungen" wie Rasur, Bartpflege oder Wimpern färben sind nicht erlaubt.

Dienstag, 21. April, 32. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 54. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Das Oktoberfest ist abgesagt. Zur unbequemen Botschaft, die absehbar war, haben sich Ministerpräsident Söder und der Münchner OB Reiter gemeinsam durchgerungen. Auf zwei Schultern verteilt lässt es sich leichter tragen. 

16. Todesfall
In Passau ist eine weitere Rentnerin, 93 Jahre alt, verstorben, die in einem städtischen Altenheim wohnte, in das das Virus eingeschleppt worden. Sie ist eine von 16 Toten im Stadtgebiet bei mittlerweile 121 Infizierten; ein Fall ist heute hinzugekommen. Die Stadt berichtet von 82 Bürgern, die Corona hinter sich haben. Die Mediziner können bis dato nicht hundertprozentig garantieren, dass diese nicht mehr ansteckend oder immun.

Kindernotbetreuung
Ab nächsten Montag wird die Notbetreuung für Kinder erweitert: Alleinerziehende können auf dieses Angebot zurückgreifen, selbst wenn sie in keinem "systemrelevanten" Beruf tätig sind; zudem berechtigt sind Eltern, wenn wenigstens einer der beiden in einem "systemrelevanten" Beruf arbeitet.

Im Landkreis Passau wachsen die Fallzahlen weiter an: 444, 11 plus. Ein 82-jähriger Corona-Patient ist verstorben. Laut Landratsamt gelten 261 Infizierte als "genesen".

Montag, 20. April, 31. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 53. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die niederbayerische Polizei stellt angesichts des teilweise zunehmenden lebhaften Treibens in einer Pressemitteilung nochmals klar: Die Wohnung darf nur aus "triftigem Grund" verlassen werden; Einkäufe sollen möglichst gebündelt auf eine Person erledigt werden; der Spaziergang mit einer "haushaltsfremden Person" sei für Alleinstehende gedacht und sollte nicht ausgenutzt werden, die bestehenden Kontaktsperren zu umgehen.


Oberbürgermeister Jürgen Dupper betritt am Nachmnittag mit grüner OP-Maske den Großen Rathaussaal. Er streift sie ab, kaum, dass er sich gesetzt hat. Sie hindert eben beim Sprechen. Die Tischmikrofone sind mit Plastikfolie umwickelt. In dieser letzten Stadtratssitzung der alten Amtsperiode verkünden Dupper und seine Referenten, wie das Virus die Stadt schädigt.

Da sind die 15 Todesopfer, darunter 14 Rentnerinnen und Rentner aus den Altenheimen. Da sind schätzungsweise mehr als 10 Millionen Euro, die dem Stadtsäckel verlorengehen. Weniger Steuereinnahmen wegen der gedrosselten Wirtschaft, zusätzliche Ausgaben für Gesundheitsschutz, Sicherheit, und Soziales; fehlende Einnahmen wegen des Stillstands in den städtischen Räumen: kein Opernhaus, keine Maidult, keine Konzerte, die abgesagte Messe.  

Es sei bereits fix, dass die Gewerbesteuer um gut 6 Millionen Euro einbrechen werde. Bei der Finanzkrise 2008 seien es 10 Millionen gewesen, gibt Dupper zur Einschätzung an.

Unterricht via Bildschirm: Gleiche Chancen für alle
Insgesamt 1 Million Euro hat der Oberbürgermeister im Alleingang genehmigt, damit Schutzmasken für Klinikum und Altenheime, für Behörden und Schulen gekauft werden können. 800 Schülerinnen und Schüler zählt die Jahrgangsstufe, die wegen bevorstehender Prüfung ab nächster Woche wieder antreten soll. Abstand, Masken, Hygiene – das wird ein Kraftakt. Zur digitalen Lehre spricht Dupper ein heikles Thema an. Nicht jeder Schüler habe ein geeignetes Endgerät Zuhause, gerade diejenigen, die besondere Zuwendung bräuchten. Er werde nach Sponsoren Ausschau halten, notfalls die Schulleitungen anweisen, beim Verleih von Geräten für den Hausgebrauch großzügig zu sein.

Kinder verbreiten das Virus ebenso wie Erwachsene
Im Radio erzählt Virologe Christian Drosten derweil, dass eine neue Studie aus China wenig Hoffnungsvolles ergeben habe: Die Ansteckungsgefahr gehe von Kindern im selben Maße aus wie von allen anderen Altersstufen der Bevölkerung. Er betont diese Studie als Warnung im Hinblick auf die geplanten Schulöffnungen. Und ergänzt, dass er sich mehrere solche Studien wünschen würde, um mehr Klarheit zu haben.

Zwei Stadträte haben während der Sitzung ihre Masken aufbehalten: Stadtbrandrat Andreas Dittlmann (FDP) und Vizebürgermeister Urban Mangold (ÖDP). In den SPD- und CSU-Reihen husten zwei Mitglieder – ohne Maske. Mit Mund-Nasenbedeckung fotografieren und schreiben die Journalisten.

Entspannung in Passau, Stress in Straubing
In Grafiken an der Leinwand wird veranschaulicht, was in diesem Nachrichtenlauf tagtäglich zu lesen ist: Die Kapazität am Klinikum für Corona-Patienten war bislang weit davon entfernt, erschöpft zu sein; die Infektionsrate liegt im Stadtgebiet unter dem niederbayerischen Durchschnitt. Ein neuer Brennpunkt des Ausbruchs soll mit der dreifachen Rate von Passau die Donaustadt Straubing sein. Die Maskenpflicht ist dort sofort heute eingeführt worden.

Drinnen Schatten, draußen Sonnenschein
Während drinnen im Rathaussaal die dunklen Schatten der Pandemie nachgezeichnet werden, herrscht draußen eitel Sonnenschein. Das Quartett der Bau- und Gartenmärkte hat wieder geöffnet: Dehner, Baywa, Bauhaus und Kasberger; zudem Autohäuser und Buchhändler. Die abgeschwächte Infektionskurve und die verkündete Ansteckungsrate unter 1 hat in vielen Köpfen den Irrglauben ausgelöst: Wir haben es geschafft! Massenweise schiebt sich wieder Verkehr über die Schanzlbrücke, an den Flussufern und auf dem Grün verteilen sich dichter die Menschen, viele Dreiergruppen. Das Stadtleben mutet an, als hätte jemand in einen Ameisenhaufen gestochen. Servus Seuche!

Der Parkplatz eines Baumarkts an der Danziger Straße ist bis zum späten Nachmittag die meiste Zeit bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Betreiber haben am Haupteingang eine Desinfektionsstation einrichten lassen. Ein Mann und eine Frau mit blauen Masken stehen an einem weißen Tisch wie Kosmetikerinnen, die Testprodukte verteilen. Sie versprühen statt Parfum Desinfektionsmittel auf Hände und Einkaufswagengriffe, verteilen statt Probepäckchen bei Bedarf eine OP-Maske. Die Hallen und Freigelände summieren wohl auf 5.000 Quadratmeter, denn ein Schild erklärt, dass maximal 250 Personen Einlass gewährt werden kann. 20 Quadratmeter je Kunde sind die Mindestabstandsregel. Die beiden maskierten Türsteher und ihre Hygieneprozedur sorgen bei manchen Hobbyhandwerkern für eine gewisse Erheiterung.

Kindergärten, Kitas, Künstler
Ministerpräsident Söder hat am Morgen erklärt, dass es weitere Zuwendungen geben werde, um die Corona-Einschnitte erträglicher werden zu lassen. Gebühren für Kindergarten und Kita sollen den Eltern erlassen, Künstlern, durch die Sozialkasse unterstützt werden, eine monatliche Hilfe von 1.000 Euro gewährt werden.        

Konflikt wegen Foto über den Grenzzaun
Journalisten berichten in der Regel mehr über Dinge, die nicht normal sind. Die Meldung „Hund beißt Mann“ ist weniger spannend als die Nachricht „Mann beißt Hund“. Doch die Normalität dieser Tage bestimmt, dass nichts mehr normal ist. Egal, wo der Reporter hinblickt, er wird von ungewöhnlichen Erfahrungen förmlich erschlagen. Nach der Stadtratssitzung hat er einen kleinen, abgeriegelten Grenzübergang besucht, um die Nachricht abzuklären, dass dort angeblich Tag und Nacht im Schichtdienst schwer bewaffnete Soldaten Wache halten. „Sie haben die österreichische Seite fotografiert, das ist nicht erlaubt!“, maßregeln zwei bewaffnete Soldaten des österreichischen Bundesheeres den Reporter am neuen „Eisernen Vorhang“ und stellen den "feindlichen Fotografen" auf bayerischem Territorium. Der Fotobeweis auf Twitter schlägt hohe Wellen; das Verteidigungsministerium in Wien schaltet sich ein. Mehr dazu im nächsten Heft.

Kanzlerin Merkel ist in großer Sorge, dass die Menschen angesicht der Lockerungen in der Geschäftswelt nicht verstanden haben, das konsequente Kontaktsperren nach wie vor gelten müssen. Die Maske darf nicht zum Feigenblatt für die Ungeduldigen werden.

Die "Eröffnungsorgien", der Druck der Wirtschaft, die Neidebatte unter den Branchen und Berufsgruppen, das alles lässt Merkel offenbar befürchten, dass der deutsche Erfolg in der Pandemie einen Rückschlag erleben könnte. "Ich halte mich auch an alle Regeln, die verhängt worden sind", antwortet sie einem Reporter auf Anfrage. 

Der Tag beginnt in Bayern mit einer Entscheidung, die vor Wochen schon heftig diskutiert worden ist: Maskenpflicht! Sie gilt ab nächsten Montag.

Die Stoffbedeckung von Mund und Nase ersetzt weder Abstandhalten noch Handhygiene, aber trägt möglicherweise dazu bei, dass unbekannte Virusträger ihre infektiösen Mikrotröpfchen weniger verbreiten.

Lehre am Bildschirm startet

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An der Universität und der Volkshochschule hat heute die Lehre am Bildschirm begonnen. Drei Stichproben: 

  • Die 19-jährige Lehramtsstudentin erhält einige Präsentationen über eine Whatsapp-Gruppe. Sie soll sich erstmal damit beschäftigen. „Ich bin gespannt auf die erste Live-Vorlesung.“ Wann die ist? „Keine Ahnung“.
  • Jurastudent Kai, 20, sagt: „Bei mir geht es frühestens am Nachmittag los.“ Er verscherbelt derweil gebrauchte Möbel auf Ebay. Um 14 Uhr startet die erste Vorlesung, Strafrecht, gut 300 Teilnehmer. Normalerweise läuft dieser Vorlesung im Audimax. Begeistert klingt er nicht, aber dann hat liegt er entspannt im Bett, den Flachrechner auf dem Schoß, neben sich Kaffeetasse, Stift und Block und das Strafgesetzbuch. Der Dozierende startet um 14.15 Uhr. Er übt mit den Teilnehmern, das digitale „Hand heben“ per Knopfdruck, erklärt, dass die Technik maximal 100 Studierende in den Diskussionsraum heben kann. Im Strafrecht gehöre zum Training die Stimme zu erheben, zu argumentieren. Die digitale Lehre hat so gesehen ihre Grenzen. Er bittet um Verständnis: „Verzeihen Sie uns, falls anfangs etwas holprig läuft.“
  • Die Sprachkursteilnehmerin, 32, sitzt pünktlich um 8 Uhr am Schreibtisch vor dem Handy, den Knopf im Ohr. „Rechner habe ich keinen“, sagt sie. Bei der Volkshochschule klappt es offensichtlich vorbildlich. Das Programm nennt sich „Meet Jitsi“. Es läuft anonym ohne Anmeldung und Kosten. Der Lehrer, um die 60, führt mit seinem Kurs durch den ganzen Vormittag. Nur einmal muss er neu starten, als die Leitung nach 90 Minuten abbricht. Server überlastet? 

Einzelhandel: Masken und Desinfektionsmittel besorgen
Die Passauer Geschäftswelt bereit sich auf die Öffnung der Läden bis 800 Quadratmeter am kommenden Montag vor. Desinfektionsmittel, Abstandsmarkierungen, Maskenpflicht. Die Inhaber sind damit beschäftigt, sich das Material zu besorgen.

Um 16.15 Uhr tagt im Großen Rathaussaal der Stadtrat in Corona-Notbesetzung. Hier geht´s zur Tagesordnung. Der CDU-Fraktionschef, der wegen seiner Corona-Infektion in diesen Ausschuss nicht bestellt worden war, ist nicht vertreten. Die Krankheit hat er seit drei Wochen hinter sich.

Sonntag, 19. April, 30. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 52. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Masken gegen Mikrotröpfchen
In Sachsen wird ab Montag die generelle Maskenpflicht, in Mecklenburg-Vorpommern eine Woche später für Taxis und Busse eingeführt. In Passau sind Maskenträger noch eher die Ausnahme. Busfahrer tragen sie seit Tagen regelmässig.

Was in diesem Nachrichtenlauf oft erwähnt worden ist: Das Virus überträgt sich sehr wahrscheinlich bereits durch "verseuchte Atemluft". Mikrotröpfchen verbreiten sich schwebend nicht nur durch Niesen und Husten, Sprechen genügt. Umso lauter, desto heftiger, zeigen Studien. In geschlossenen Räumen, die nicht gut belüftet sind, können sich die infektiösen Schwebeteilchen mehre Stunden halten.

Aufzüge meiden
Weniger ratsam erscheint es deshalb, bestimmte öffentliche Räume mit schlechter Belüftung zu nutzen; beispielsweise die Aufzugskabinen am Hauptbahnhof, am Poststeg oder in Bürotürmen. Inhaber von Bäckereien und kleinen Ladengeschäften, so hat der Reporter beobachtet, handhaben es instinktiv richtig, indem sie die Ladentüren offen halten. Mit Beginn der warmen Jahresszeit sollten gut belüftete Räume, Fenster und Türen auf, weniger das Problem sein. Der Mindestabstand zu Mitmenschen bleibt die wichtigste Grundvoraussetzung.

Sporttreibende sind Tröpchenschleudern
Weiterer Aspekt: Bei Radfahrern und Joggern werden selbst im Freien Mindestabstände von mehreren Metern zum Vordermann empfohlen. Der Sportreibende, schnell atmend, keuchend, brustend, zieht einen Schleier von Mikrotröpfchen hinter sich her. Die Infizierten umgibt ein "Viruswölkchen". 

TV-Tipp "Die Getriebenen"
Falls Sie es verpasst haben, das ursprünglich fürs Kino geplante und jetzt ins ARD-Programm übernomme Dokudrama über die 63 entscheidenden Tage der Flüchtlingskrise 2015 "Die Getriebenen." Passau wurde damals zum "Lampedus Deutschands." Das Casting für die Besetzung hat gute Arbeit geleistet. Die Politiker, von Kanzlerin Merkel über Ministerpräsident Seehofer bis Kanzler Kurz in Wien, werden von Darstellern gespielt, die teilweise eine frappierende Ähnlichkeit mit den Originalen haben.

Das bayerische Venedig blick ins italienische: Da wie dort ist eine ungewöhnliche Ruhe eingekehrt, berichtet Kollegin Petra Reski.

Samstag, 18. April, 29. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 51. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Das Landratsant meldet neun neue Corona-Fälle: 421 insgesamt. Die Infektionsdichte nähert sich langsam dem Stadtgebiet an.

„Da bin ich gespannt, wie der Ansturm bewältigt wird“, sagt der Gesprächspartner. Wie Abstand und Hygiene eingehalten werden, wenn am Montag in Bayern wieder die Gartencenter und Baumärkte öffnen, mag sich manch einer schwer vorstellen.

Die Regel lautet: maximal ein Kunde je 20 Quadratmeter Verkaufsfläche, Mindestabstand zu jeder Zeit und das Gebot der Staatsregierung, eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Die Warteschlange mit Abstand würde sich wohl Hunderte von Metern hinziehen. Der Zugang wird deshalb zeitweise bereits bei der Einfahrt zum Parkplatz geregelt werden müssen, Autos in der Warteschlange sind ohne Ansteckungsrisiko.

Ein Behördensprecher erklärt: "Ordnungskräfte werden wohl an der Einfahrt dafür sorgen müssen, dass nur so viele Autos auf den Parkplatz einfahren, wie Menschen im Markt erlaubt sind." 

Hornbach: Mundschutz ist eine Bitte
Damit trotz der Lockerungen die Infektionen weiter eingedämmt werden, tragen unsere Mitarbeiter im Markt künftig Mundmasken. Wir bitten auch Sie, sich bei einem Marktbesuch entsprechend zu schützen“, schreiben die Verantwortlichen vom Hornbach in Passau-Stelzlhof. Der Service „Bestellen und liefern lassen“ werde sofort eingestellt. 65 Mitarbeiter sind dort beschäftigt, 10 seit der ersten Stunde. Der Mark feierte im Februar sein 25-jähriges Bestehen.

Baywa: Kostenloser Mundschutzpflicht und "Bitte im Auto auf Einlass warten!"
Die Baywa in Grubweg  durften Handwerker mit Gewerbeschein auch während der Sperre mit Gewerbenachweis betreten. Das sind die Hinweise, welche die Betreiber veröffentlich haben; Mundschutz wird kostenlos gestellt:

  • Einlass: Vermeiden Sie beim Besuch Ihres Marktes Stoßzeiten. Es dürfen nur 2 Personen gemeinsam den Markt betreten. Bitte warten Sie bei Einlassschlangen in Ihrem Auto oder verschieben Sie Ihren Einkauf auf einen späteren Zeitpunkt. Wir behalten uns im Falle eines erhöhten Besucheraufkommens vor, die Besucherströme zu regulieren.
  • Kontakt: Bitte vermeiden Sie Berührungen und reduzieren Sie den Kontakt auf ein absolut nötiges Minimum. Gruppenbildungen sind ausdrücklich zu vermeiden.
  • Mundschutz: Beachten Sie bei unseren Märkten in Bayern die Mundschutzregelung. Unsere Märkte sollten nur mit einem Mundschutz betreten werden. Falls Sie keinen dabei haben, dann stellen wir Ihnen gerne einen Mundschutz zur Verfügung.
  • Abstand: Bitte halten Sie unbedingt mindestens zwei Meter Abstand zu Ihren Mitmenschen, zum Beispiel an der Kasse (beachten Sie bitte auch die Abstandslinien an den Kassen), an der Info oder in Gesprächen mit unseren Mitarbeitern.
  • Kasse: Betreten Sie den Kassenbereich erst nach Aufforderung.
  • Service: Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass es zu längeren Wartezeiten kommen kann und bestimmte Serviceleistungen im Moment, regional unterschiedlich, nicht angeboten werden können.
  • Zahlung: Wenn möglich, dann verzichten Sie bitte auf die Nutzung von Bargeld. Zahlen Sie im Idealfall per Kartenzahlung, Apple Pay oder mit anderen kontaktlosen Zahlungsmitteln.“

Dehner: Einmal-Mundschutz für 1 Euro
Beim Gartenmarkt Dehner in Passau-Neustift wird der Online-Service fortgeführt. Das Betreten ist nur erlaubt mit einem „Mund-Nasen-Schutz“, das dürfen Tücher, Schals oder Schutzmasken sein. „Sollten Sie keinen Mundschutz zur Hand haben, können Sie bei uns einen Einmal-Mundschutz für 1,00 Euro erwerben“, heißt es. Die Mitarbeiter tragen Einweghandschuhe, Abstandsflächen an der Kasse sind markiert, es gelten dieselben Regeln wie bei der bei Baywa.

Bauhaus: kein Mundschutz notwendig, ein halber Meter Abstand weniger
Beim Bauhaus in Haidenhof-Nord wird darauf hingewiesen, dass Abholungen erst sechs Stunden nach der Bestellung möglich sind. Hier wird der Mindestabstand beim Einkauf ab Montag für Kunden nur mit 1,50 Meter vorgeschrieben. „Abstand halten, Einkäufe auf das Notwendige reduzieren und soziale Interaktion begrenzen sind auch hier das Gebot der Stunde. Wir bitten unsere Kunden, weiter solidarisch, geduldig und besonnen zu bleiben“, heißt es. Der Mundschutz wird nicht erwähnt. Nachtrag: In der Praxis wird sich später zeigen, dass am Haupteingang auf Wunsch kostenlos Masken ausgegeben werden.

Freitag, 17. April, 28. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 50. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Wie geht es mit den Gottesdiensten weiter?
Der Passauer Bischof lässt über seine Pressestelle mitteilen, dass eine Entscheidung frühestens am Dienstag fallen werde. Man warte ab, was die Gespräche auf Bundes- und Landesebene ergeben. Messfeiern sollen laut Regierung wieder möglich sein, wenn Abstand und Hygiene in den Kirchen den Seuchenvorschriften entsprechen.

Desinfektionsmittel im Weihwasserkessel?
Was auf die Gläubigen zukäme: Betreten der Kirche, Sitzen in den Bänken - alles mit Abstand. Empfehlenswert wäre im geschlossenen Raum eine Mund-Nasen-Bedeckung. Der Empfang der Heiligen Kommunion würde sich wegen des engen Kontakts zwischen Geistlichen und Gläubigen wohl verbieten, zudem der Mundschutz hinderlich wäre. Die Weihwasserspender würden sich gefüllt mit Desinfektionsmittel am Eingang zur Handhygiene eignen.

Freiluftmesse mit Abstand?
Ein risikoarmes Inszenario wäre bei schönem Wetter ein Freiluftgottesdienst, dem die Gläubigen mit Mindestabstand beiwohnen. Auf dem autofreien Domplatz, 4.500 Quadratmeter, könnten sich theoretisch 280 bis 500 Menschen (zwei oder eineinhalb Meter Abstand) aufstellen.

Das Bistum Passau hat das Verbot einer lebendigen Gemeinschaft mit Angeboten via Bildschirm überbrückt: Online-Seelsorge und Liveübertragungen.

Gute Nachricht am späten Nachmittag: Im Stadtgebiet Passau sind am zweiten Tag in Folge keine neuen Corona-Infizierten zu verzeichnen. Die Zahl der Corona-Patienten im Klinikum hat sich auf 19 verringert; von den 7 auf der Intensivstation werden 3 beatmet.

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Die Lage in den städtischen Altenheimen: In Neustift je zwei Bewohner und Mitarbeiter infiziert; im Jesuitenschlössl ein Bewohner; in Grubweg zwölf Bewohner und sieben Mitarbeiter, in St. Nikola elf Bewohner und zehn Mitarbeiter.

Schlechte Nachrichten aus dem Landkreis: vier neue Todesfälle, darunter ein 63-jähriger Mann. Die Zahl der Infizierten hat sich um 14 auf 412 erhöht.

Soforthilfe 17 Tage nach dem Antrag: Die gute Nachricht kam mitten in der Nacht. Bei den Inhabern vieler Passauer Betriebe blinkte sie gestern nach Mitternacht im E-Mail-Postfach mit dem Betreff auf: „Ihr Antrag auf Soforthilfe Corona“. Die Sachbearbeiter schieben offenbar viele Überstunden.

Die Gärtnerei-Inhaberin, der Kaffeehausbetreiber, der Restaurantpächter, ja auch der Bürgerblick-Herausgeber erhielten diesen Text: „Sehr geehrte Damen und Herren, wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass ihr Antrag auf Soforthilfe bewilligt werden konnte. Den Betrag haben wir bereits auf das von ihnen angegebene Konto überwiesen, sodass ihnen die Finanzierungshilfe in Kürze zur Verfügung steht … Wir wünschen ihnen alles Gute - bleiben sie gesund! Mit freundlichen Grüßen, ihr Corona-Sofort-Hilfe-Team“.

Betriebe über zehn Angestellte werden maximal 15.000 Euro erhalten, maximal 9.000 Euro die kleineren und die Solo-Selbständigen.

So sieht unser Bescheid aus. Bürgerblick hat den Antrag vor 17 Tagen gestellt. Ein Freiberufler, der zu unserem Netzwerk gehört, berichtet, dass er als Solo-Selbstständer eine Soforthilfe von 3.200 Euro innerhalb weniger Tage schon Anfang April verhalten habe. Die ersten 1.000 Anträge gingen schnell, dann summierten sie sich bayernweit auf 400.000, wie gestern Hubert Aiwanger bekannt gab.

Die staatliche Überbrückung soll helfen, dass trotz fehlender Einnahmen die Betriebs- und Produktionskosten für drei Monate gestemmt werden können. Betriebe mit vielen Angestellten senken ihre laufenden Kosten zusätzlich durch Kurzarbeit. Viele haben zudem ihre Mietzahlungen eingestellt.

„Wir haben 14 Angestellte, aber niemanden entlassen. Alle bis auf die Lehrlinge sind auf Kurzarbeit“, erzählt ein Gastronom. Mit dieser kleinen Mannschaft habe er auf Abholservice umgestellt, aber das sei nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“, blickt er auf seine früheren Umsätze. Vom Staat seien jetzt 15.000 Euro geflossen.

Wie kommt Bürgerblick über die Runden? Wie die Mitwirkenden sich einschränken und einbringen, wie die laufenden Kosten sich summieren, was zahlende Leser und Wirtschaftskunden bringen, lesen Sie im nächsten Heft. Die staatliche Hilfe deckt einen Bruchteil der laufenden Betriebs- und Produktionskosten. Im vorigen Heft haben uns unterstützt: treue Wirtschaftskunden mit 1.300 Euro, darunter mit 600 Euro unsere Druckerei "Passavia"; AOK und Sparkasse mit je 1.000 Euro, Vermieter mit Nachlässen von insgesamt 1.200 Euro.

Zudem freut sich das BB-Team über 17 neue Abonnenten, davon drei Viertel mit Premium-Abos über 100 Euro im Jahr; über eine Handvoll Spenden in der Summe von rund 350 Euro.

Die „Vollbremsung“ habe viel gebracht, wie Gesundheitsminister Jens Spahn heute auf der Bundespressekonferenz erklärte. Er erwähnte einen interessanter Nebenaspekt, die Zahl der Herzinfarkt-Patienten ist offenbar gesunken.

Seit 12. April genesen in Deutschland mehr Menschen an Corona als sich neu anstecken. 10.000 Intensivbetten sind noch frei. „Das macht uns demütig, aber nicht übermütig.“

Warum bewältigt Deutschland die Pandemie besser als andere?

Trotz aller Kritik sei das Gesundheitssystem gut ausgestattet, sagt Spahn

  • Die gute Arbeitsaufteilung. Krankenhäuser konzentrieren sich auf die schweren Fälle, das engmaschiges Netz von Hausärzten um die leichten Verläufe; sechs von sieben Covid-19-Patenten werden ambulant begleitet.
  • Die hohe Testkapazität. Bis 1,7 Millionen Corona-Tests bisher. 350.000 je Woche, das doppelte wäre möglich, wenn es bei den Reagenzien keine Engpässe gäbe.

Die Kritik, dass flächendeckende Massentests fehlten, kann Spahn nicht verstehen, denn diese seien nur eine Momentaufnahme, wenig sinnvoll. „Schon eine halbe Stunde nach einem Test kann derjenige wieder infiziert sein.“

Wichtiger hält Spahn, die Tests bei Pflegebedürftigen auszuweiten, die zwischen Altenheimen oder Kliniken verlegt werden müssen, um Sicherheit für die Einrichtungen zu gewinnen.

Weniger Herzinfarkte in Corona-Zeiten?
Interessanter Aspekt: Spahn sagt, dass die Einlieferung an Herzinfarktpatienten gesunken sei. Warum, wisse er nicht.

Liegt es am entschleunigten Leben, am gedrosselten Verkehr in den Städten? 

Der Maskennotstand ist offenbar behoben: Der Bund hat über direkte Kontakte nach Asien, wobei Konzerne mit guten Verbindungen geholfen haben, 80 Millionen Schutzmasken beschafft, darunter 20 Millionen der Virenschutzklasse FFP2. Man sei auf Zwischenhändler "nicht mehr so angewiesen". Zugleich werden mit Förderung des Bundes einheimische Masken produziert in zweistelliger Millionenhöhe produziert. Man wisse nicht, wie die Pandemie sich entwickle. Unabhängigkeit sei wichtig.

Zehn Infizierte stecken nur mehr sieben an
Roland Wieler vom Robert-Koch-Institut erklärt, dass die Ansteckungsrate unter 1 gesunken sei, aktuell auf 0,7. Zehn Infizierte stecken nur mehr sieben an, die Kontaktsperre, der Hausarrest, wirkt. Anfangs hatten 10 Infizierte nehr als 30 weitere angesteckt.

Spahn bedankte sich bei den Bürgern, die persönlichen Verzichte an Ostern bereitwillig hinnahmen, aber auch bei den „Ungeduldigen“. Wenn wir lernten, mit dem Virus zu leben, zu "neuer Normalität" finden, dann hätten wir eine Chance da gut durchzukommen, als Gesellschaft, als Nation.

Ärzte und Pfleger besser schützen
Wieler vermeldete, dass sich immer mehr medizinisches Personal anstecken würde; zuletzt waren es fünf Prozent der Neuinfizierten.

Die aktuelle Corona-Lage
134.000 Virusträger, 81.000 Genesene, 3.000 Neuinfizierte pro Tag; steigende Todeszahlen, mehr als 300 pro Tag. Die Todesrate beträgt – berechnet auf die offiziell bekannten Infizierten – 2,9 Prozent, also knapp 3 Corona-Patienten je 1.000 Infizierter.

Hohe Todesrate in Passau
In Passau, wo viele Altenheime betroffen sind, liegt statistisch die Sterberate sehr hoch: 14 von 120 offiziell bekannten Infizierten, das wären über zehn Prozent.

***
Donnerstag, 16. April, 27. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 49. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Bayern hat seinen Corona-Fahrplan vorgestellt. „Wir haben das Glück, dass wir nicht Zustände erleben wie anderswo“, sagt Ministerprädisent Söder. Der bayerische Corona-Fahrplan folge einer „ehrlichen und durchdachten“ Philosophie. „In der Ruhe liegt die Kraft.“

  • Söder spricht von einem „Maskengebot“ im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen in Läden. Sollte das nicht klappen, kommt die Maskenpflicht. Es genügt eine selbstgemachte Mund-Nasen-Bedeckung, das kann auch ein Schal sein.
  • Die Ausgangsbeschränkungen gelten bis 4. Mai; gelockert ist die Kontaktsperre zwischen fremden Hausständen für Alleinstehende, es darf eine haushaltsfremde Person zu Besuch kommen.
  • Ab 20. April: Baumarkt- und Gartencenter dürfen öffnen. Vom Parkplatz bis zu den Verkaufsräumen, maximal eine Person je 20 Quadratmeter, müssen die Abstandsregeln eingehalten werden; zudem das Maskengebot. 

    Pressemitteilung der Stadt Passau zum Corona-Fahrplan.

Die geöffneten Garten- und Baumärkte sollen wahrscheinlich die Volksseele befrieden, denn für die Beschäftigung in Haus und Garten haben jetzt viele im Stillstand der Pandemie Zeit. Ob sich der "Ansturm" mit Abstand umsetzen lässt oder diese Zentren neue Keimzellen für das Virus werden, wird sich zeigen. 

  • Ab 27. April dürfen Läden bis 800 Quadratmeter öffnen, das sind etwa 80 Prozent der 60.00 Geschäfte. 

"Wir sind nicht über den Berg“, sagt Söder. Aber Bayern habe früher als andere mit den Maßnahmen begonnen. Die Zahl der Toten ist erstmals über 1.000 gestiegen. „Das sind 1.000 zu viel, das tut uns weh und deshalb gibt es keine Entwarnung.“

  • Die Großkaufhäuser und Einkaufszentren werden mindestens zwei bis drei Wochen noch geschlossen bleiben
  • Ab. 4. Mai dürfen Friseursalons und Fußpflege öffnen, aber mit Maskengebot, Abstandsregeln und besonderem Schutzkonzept
  • In Geduld üben müssen sich Wirte und Hotelbetreiber. In Restaurants lässt sich Mundschutz nicht umsetzen, der Tourismus steht still. 

Söder erwähnte dazu die bitteren Erfahrungen, wie Gastronomie zur Virenschleuder wurde: Aprés-Ski in Ischgl, Starkbierfest in Tirschenreuth und Fasching invHeinsberg.

Anmerkung der Redaktion: Viele Wirte haben erfolgreich auf Lieferservice umgestellt, ein gesonderter Beitrag ist dazu geplant.

  • 2020 wird als Jahr ohne Volksfeste in die Geschichte eingehen. Bis 31. August sind keine Großverstaltungen erlaubt. Das Karpfhamer Volksfest und Maidult sind bereits abgesagt. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wiesn stattfindet“, sagt Söder. Die offizielle Entscheidung steht noch aus.

„Wir haben früher begonnen als andere und Bayern gut geschützt“, sagt Söder. Man werde nicht „unkontrolliert, sondern klug“ agieren. Zeitversetzt mit zwei bis drei Wochen ist an den aktuellen Zahlen ersichtlich, was das Verhalten der Bevölkerung in der Vergangenheit gebracht.

  • Gottesdienste mit bestimmten Vorgaben sind ab Mai wieder möglich. Mit „klugen Konzepten“, um den Abstand zu organisieren; eventuelle mehrere Messen zeitversetzt für kleineren Gruppen.
  • Schule und Kindergarten: Distanz und Mundschutz sind für die Kleinen nicht durchsetzbar, deshalb bleiben Grundschule und Kitas geschlossen, für letztere wird die Notfallbetreuung ausgebaut, wenn Eltern oder Allerziehend in systemrelevanten Berufen arbeiten.
  • Ab 27. April Schulbeginn für alle, die in Prüfungsvorbereitungen und vor Abschlüssen stehen; vom Berufsschüler bis zum Abiturienten. Es werde kein „Not-Abi“ geben, sagt Söder. Man wolle den Lehrern Zeit geben, sich vorzubereiten.

Ebenso stehen die Schulen vor den Herausforderungen, Hygiene und Abstand umzusetzen. Mehr Details folgen Ende April.

Die Situation in Krankenhäusern und Altenheim soll insofern verbessert werden, dass das Personal mit Serientests Sicherheit gewinnt. Bayern beklagt viele Tote durch eingeschleppte Viren in Altenheimen.

400.000 Anträge auf Soforthilfe
Vize Hubert Aiwanger beklagt, dass die Wirtschaft in Bayern mit 1 bis 2 Milliarden Euro täglich Schaden erleide. Umgerechnet auf die Bevölkerung wären das 150 Euro je Einwohner und Tag.

400.000 Anträge auf Soforthilfe sind gestellt worden, davon ein Drittel bereits ausbezahlt, sagte Hubert Aiwanger. Die Sachbearbeiter klagten über viele Anträge, die lückenhaft ausgefüllt seien, sie nachtelefonieren müssen.

Söder sagt: „Vor drei Wochen habe ich sehr große Sorgen gehabt und schlecht geschlafen. Jetzt haben wir einen Silberstreifen am Horizont, dass die Maßnahmen wirken.“

Bayern ist laut Söder bei den Corona-Tests vorne dran. 12.000 pro Tag, 25.000 sei das Ziel. „Auf die Einwohnerzahl gesehen testen wir mehr als Südkorea, Österreich, Japan oder viele andere Länder.“ Zur Veranschaulichung: In knapp drei Jahren wäre mit der heutigen Testkapazität die Bevölkerung einmal durchgetestet, bei der doppelten Kapazität in 18 Monaten.

Die Bürger sollten so verantwortungsvoll sein und wenigstens die halbe Stunde beim Einkauf Masken aufsetzen, meinte Aiwanger. Die Haltung sollte nicht sein, die Masken muss mir jetzt der Staat geben; diesen Mundschutz könne sich jeder selber nähen. Mit dieser gegenseitigen Rücksichtnahme sei allen geholfen.

Um 12.25 Uhr hat Ministerpräsident Söder berichtet, wie in Bayern die Maßnahmen der Corona-Lage angepasst werden: Live im Bayerischen Rundfunk.

Freie Fahrt für Raser in Corona-Zeiten?

Die Verkehrspolizei Passau stellte erneut fest, dass die verkehrsarmen Zeiten manche Autofahrer zum Rasen verführen: Bei einer Radarkontrolle auf der Bundesstraße 8 bei Pocking wurden nachts 24 Autofahrer "geblitzt", davon waren 20 so schnell unterwegs, die Spitze lag bei Tempo138, dass ihnen ein Bußgeldverfahren eingeleitet worden ist
 

Innpromenade: Frau gefesselt abgeführt
Darf man in Corona-Zeiten auf einer Parkbank schlafen? Eine Frau dachte sich nichts dabei, wurde von Polizeibeamten geweckt und stellte sich stur, als diese sie nach ihren Personalien fragten. Aufs Polizeiervier, um ihre Identität festzustellen, wollte sie ebenfalls nicht. Der Widerstand endete mit Gewaltanwendung. Sie wurde gefesselt und abgeführt. Nachdem die Formalitäten erledigt waren, durfte sie wieder frei.

Zehn Verstöße gegen Ausgangsbeschränkungen
Ordnungsstrafen von mindestens je 150 Euro kassierten die Mitglieder einer Vierergruppe, die sich am Halser Stausee, und einer Sechsergruppe, die sich am Grubweger Aktiv-Spielplatz getroffen hatten. Der Aufenthalt im Freien, beschränkt auf Personen eines Haushalts, ist nur aus "triftigem Grund" erlaubt. 

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Mittwoch, 15. April, 26. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 48. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Kanzlerin Merkel und Vizekanzler Scholz waren die Moderatoren. Die Länder haben sich in den Corona-Maßnahmen abgestimmt. Merkel sagte, es ist „ein Zwischenerfolg, nicht mehr und nicht weniger“. Er sei „zerbrechlich“.

  • Das Kontaktverbot wird bis 3. Mai verlängert. Keine Familienbesuche, keine Spritztouren, keine Gottesdienste
  • Schutzmasken werden nicht Pflicht, aber dringend empfohlen in geschlossen Räumen: Bus, U-Bahn, Läden, Supermärkte.
  • Geschäfte kleiner als 800 Quadratmeter dürfen ab Montag öffnen.
  • Sofort öffnen dürfen Autohäuser, Fahrradläden und Buchhändler.
  • Für alle gilt: Hygienekonzept vorlegen, Abstandsregeln garantieren. Es darf keine Warteschlangen geben. Menschenansammlungen müssen vermieden werden.
  • Friseure dürfen ab dem 4. Mai unter strengen Auflagen öffnen, nur mit „Schutzausrüstung“ arbeiten
  • Schule: Mit den Abschlussklassen soll ab 4. Mai begonnen werden, oberste Grundschulklassen zuerst.
  • Kindergarten: Sie bleiben weiter geschlossen. Die Notbetreuung wird ausgeweitet.
  • Söder spricht das Problem an: Für kleine Kinder seien Masken und Abstand nicht zumutbar
  • Großveranstaltungen und Fußball sind bis zum Sommer nicht denkbar
  • Tourismus, Reisen und Gastronomie stehen auf der Warteliste

Alle 14 Tage werden die Entscheidungen der Corona-Lage neu angepasst

Am späten Nachmittag nennt das Rathaus die neuen Zahlen: Die Zahl der Toten in Zusammenhang mit der Lungenerkrankung "Covid-19" hat sich um 2 auf 14 erhöht. Ein stadtbekannter Mediziner und eine 92-jährige Rentnerin, eine weitere Bewohnerin aus einem städtischen Altenheim, sind verstorben. Im Klinikum Passau werden zwei Dutzend Patienten stationär behandelt, ein Drittel davon benötigen Intensivmedizin. Die Zahl der Infizierten: 120, plus 4.

Bayernweit ist heute ein Anstieg der Corona-Toten um mehr als 100, ein trauriger Höchsstand, gemeldet worden: 995, plus 104.

%PIC16643%Die Passauer Gesellschaft ist erschüttert. Auf der Corona-Intensivstation des Klinikums Passau ist gestern Abend einer der berühmtesten Mediziner ihrer Stadt verstorben: Professor Dr. Hannes Schedel, Leiter der gleichnamigen Rehaklinik für Krebspatienten in Kellberg.

Er ist aus dem Leben gerissen worden im Alter von 59 Jahren.

Schedel war ein Mediziner, der sein Leben der Hilfe von Krebspatienten verschrieben hat. "Jeder Patient soll die Therapie erhalten, die auf ihn zugeschnitten ist", war sein Reha-Konzept. Für bedürftige Patienten hat er einen eigenen Sonderfonds eingerichtet, damit sie Behandlungen erhalten, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden. 

Anfang letzter Woche war der Mediziner in die Intensivstation eingeliefert worden. Er hatte sich nach einem Skiunfall  in Tirol einer Operation unterziehen müssen, war danach angeblich schwer angeschlagen. Seine Klinik, die 1960 sein Vater gegründet hat, war wegen der Corona-Lage seit 25. März geschlossen. Dort trauern 140 Mitarbeiter um ihren Chef.

Der Klinikleiter ist in der Statistik der 13. Todesfall in Zusammenhang mit Corona im Stadtgebiet. Er hinterlässt eine Frau, zwei Töchter und einen Sohn.

Am 17. Januar hatte der Mediziner seinen letzten öffentlichen Auftritt beim Neujahrsempfang im Rathaus. 

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Dienstag, 14. April, 25. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 47. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Corona-Kurve zeigt die Entwicklung in Bayern und wir dürfen stolz sein: Die Disziplin eines Großteils der Bevölkerung, die konsequente Kontaktsperre, hat die Ausbreitung des Virus gebremst, aber es reicht noch nicht ganz. Mehr dazu weiter unten im Text von der Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts.

Tragische Corona-Situation in den Passauer Altenheimen.
Die eingeschleppten Viren haben zwei weitere Bewohnerinnen, 90 und 94, sterben lassen. Damit erhöht sich die Zahl der Toten in Zusammenhang mit Corona im Stadtgebiet auf zwölf. Die Zahl der Infizierten steigt um 2 auf 116.

Von den 116 positiv Getesteten sind nahezu die Hälfte Altenheimbewohner oder Altenheimmitarbeiter. In vier Passauer Altenheimen haben sich 22 Pflegekräfte und 31 Rentnerinnen und Rentner angesteckt, bei Letzteren kam es zu mehreren Todesfällen.

Passau Stadt und Land: 68 Corona-Patienten in stationärer Behandlung
%PIC16639%Wie derzeit die Corona-Auslastungen in den drei Krankenhäusern Passau, Vilshofen und Rotthalmünster aussieht, zeigen unsere Grafiken. Insgesamt befinden sich 68 Corona-Patienten in stationärer Behandlung, davon 18 auf Intensivstationen, davon wiederum 12 an Beatmungsmaschinen. 7 der Patienten, darunter 1 in Intensivbehandlung, stammen nicht aus Stadt und Landkreis Passau, sondern aus Nachbarlandkreisen; bekanntlich ist Rottal-Inn besonders betroffen.

%RPIC16638%Blick ins Rathaus: Die letzte Stadtratssitzung in alter Besetzung wird am kommenden Montag abgehalten. Zur Tagesordnung.

Der Corona-Krise angepasst wird sich das Gremium in Notbesetzung treffen, der Oberbürgermeister plus 12 statt 44 Stadträte. Je drei CSU und SPD-Vertreter, zwei von der ÖDP, je einer von Grüne, Passauer Liste, Freie Wähler und FDP.

Die erste Sitzung des neugewählten Stadtrates, bei der die Stellvertreter des Oberbürgermeisters gewählt und neue Vertreter vereidigt werden, ist für Montag, 4. Mai geplant.

Die verkehrsarme Zeit wird genutzt, um Straßenarbeiten zu erledigen.

  • Auf den Hauptverkehrsachsen frischen Bauhofmitarbeiter die Markierungen der Fahrradwege auf.
  • In der Lindau wird die Fahrbahn verengt und auf Tempo 30 beschränkt. Die Bauarbeiten für den Hochwasserschutz beginnen.
  • In Haidenhof-Nord wird ein Glasfaserkabel verlegt, bis voraussichtlich 17. April ist die Spitalhofstraße ab der Kreuzung Danziger Straße stadteinwärts gesperrt.

Blick ins Gericht: Wegen der Kontaktsperren und Abstandsregeln finden nur Verhandlungen statt, die unbedingt notwendig sind. Beschuldigte in Strafsachen dürfen beispielsweise nicht länger als sechs Monate in Untersuchungshaft festgehalten werden; bei Führerscheinentzug gilt es Fristen einzuhalten, damit die Betroffenen keine Nachteile haben.

Blick in die Justiz: Am Amtsgericht finden derzeit an manchen Tagen nur eine Handvoll Verhandlungen statt. Wo es geht, werden kleinere Delikte von der Staatsanwaltschaft großzügig abgewickelt, mehr als sonst wird auf dem schriftlichen Wege erledigt, Strafbefehl statt Anklage. Die Anwälte werden oft miteingebunden und zeigen sich kooperativ.

Am Landgericht gibt es diese Woche nur vier Sitzungen, darunter morgen eine Berufungsverhandlung.

Getrennte Arbeitsplätze sichern Notdienst
In fast allen Behörden ist ein Teil der Belegschaft in Heimarbeit geschickt worden oder bummelt Überstunden ab. Durch die räumliche Trennung ist gesichert, dass im Falle einer Infektion die Behörde funktionstüchtig bleibt, einer für den anderen einspringen kann.

Ab kommendem Montag sind die Gerichtstermine wieder normal angesetzt. Ob das so bleibt, wird sich morgen entscheiden, wenn die Bundesregierung bekannt gibt, wie es in der Corona-Krise weitergeht.  

Die Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts von heute Vormittag zusammengefasst:

Zwei Etappenziele sind erreicht:

  • Die Corona-Pandemie ist mit Beginn des Frühjahrs von der Grippewelle entkoppelt.
  • Die Kapazität der Intensivstationen und die erhöhte Zahl der Beatmungsgeräte reichen aus, wenn sich die Lage nicht dramatisch verschlimmert.

Die Infektionszahlen haben sich auf hohem Niveau eingependelt.

„Wir sollten die Maßnahmen und die Disziplin aufrechterhalten, umso schöner wird die Belohnung sein“, versucht RKI-Präsident Roland Wieler die Bevölkerung zu motivieren, nicht nachzulassen.

Deutschland steht - bei aller Tragödie um jeden Corona-Toten - so vorbildlich da, dass sich ausländische Regierungen nach dem Erfolgsrezept erkundigen. Der Bürgermeister von Kiew, Vitali Klitschko, und „Downing Street 10“, der Londoner Regierungssitz, hätten ihn angerufen, nennt Wieler zwei Beispiele.

Aktuelle Lage:

  • Weltweit sind zwei Millionen Menschen infiziert
  • Nordamerika und Europa sind die Brennpunkte
  • Die USA, viermal so bevölkerungsreich wie Deutschland, zählen 558.000 Fälle und 22.100 Tote. Das entspricht 170 Infizierter je 100.000 Einwohner.
  • Bundesweit sind mehr als 125.000 Infizierte registriert
  • Die Todesfälle in Zusammenhang mit Corona summieren sich in Deutschland auf knapp 2.700
  • Bei zwei Prozent der Infizierten in Deutschland entwickelte sich eine Lungenentzündung
  • Jeder sechste Infizierte wird ein Fall fürs Krankenhaus

Was wird das Robert-Koch-Institut morgen der Kanzlerin sagen?

  • Die Disziplin eines Großteils der Bevölkerung, die konsequente Kontaktsperre, hat die Ausbreitung des Virus gebremst, aber es reicht noch nicht.
  • Anfang März hat statistisch gesehen ein Infizierter 3 Mitmenschen angesteckt, jetzt liegt der Wert bei 1,2; es steigt also weiterhin leicht an.
  • Beim Wert 1 oder darunter können die Maßnahmen gelockert werden. Das hat das RKI bereits zu Beginn der Maßnahmen als Empfehlung verkündet.
  • Etwa die Hälfte der Corona-Infizierten ist wieder gesund (eine Schätzung, weil es noch keine Rückmeldepflicht gibt).
  • Es gibt die ersten anerkannten Tests mit denen festgestellt werden kann, wer Antikörper gebildet, Corona bereits hinter sich hat. 
  • Aber: Ob und wie lang man gegen das Virus immun ist, kann keiner sagen. Es fehlt an aussagekräftigen Studien.
  • 300.000 Einwohner haben freiwillig die Corona-App "Datenspende" heruntergeladen. Eine weitere anonyme "Überwachungs-App", die den Benutzer nach zufälligen Kontakten mit Infizierten informieren soll, ist noch im Test.
  • "Volksmasken" vermindern die Verbreitung zusätzlich, aber ersetzen nicht Händehygiene, Abstand, Nies- und Hustenetikette
  • Wer sich angesteckt hat, kann den Erreger bereits verbreiten, obwohl er an sich keinerlei Krankheitsanzeichen bemerkt; die treten frühestens, wenn überhaupt, nach drei Tagen ein. 
  • Den Schulbetrieb wieder aufnehmen? Wenn es soweit sein ist, dann erst mit den Jahrgängen beginnen, die reif genug sind, sich an die Abstandsregeln zu halten.

"Das Robert-Koch-Institut fordert dennoch auf die Obduktion von Corona-Toten zu verzichten", schreibt heute die Tageszeitung "Die Welt". Eine solches Verbot gibt es nicht, sagt Wieler bei der Pressekonferenz. Solche Behauptungen verärgerten ihn. Es ist offenbar ein Passus, der einen besonders vorsichtigen Umgang mit Seuchenopfern vorschreibt, falsch ausgelegt worden.

Nachtrag vom Polizeibericht:

Mit 160 km/h über leere Bundesstraße

Die freien Landstraßen werden von einigen wenigen "sportlichen Autofahrern" als Rennstrecken missbraucht, weil sie keine Kontrollen befürchten. So haben wir das vor einigen Tagen geschrieben. Jetzt stellt sich heraus: Die Polizei führt Radarkontrollen selbst in verkehrsarmen Zeiten durch. Auf der Bundesstraße 85 bei Tiefenbach war am Ostermontagnachmittag ein Autofahrer mit 161 km/h unterwegs. 1 Monat Führerschein weg, 240 Euro an Geldbuße, zwei Punkte. 24 weiteren Autofahrern ist diese Radarkontrolle zum Verhängnis geworden.

Auf den Radwegen dagegen geht es in Corona-Zeiten dagegen belebter und manchmal eng zu. Auf dem Radweg an der Bundesstraße 388, Höhe Passau Grubweg, stieß am selben Tag im Gegenverkehr eine Salzweger Schülerin, 13, mit einem Mann, 54, aus Hauzenberg zusammen. Beide stürzten, der Radler so schwer, dass er ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die Schülerin war wohl aus Unsicherheit zur falschen Seite hin ausgewichen.

Ausgangsbeschränkung
Je 150 Euro Ordnungsstrafe kostet zwei jungen Männern ein Verstoß gegen die Seuchengesetze am Ostersonntag zur Mittagszeit. Sie hatten sich auf einem Supermarktplarkplatz an der Neuburger Straße getroffen, um gemeinsam Alkohol zu kippen. Wer seine Wohnung verlässt, braucht einen "triftigen Grund", zum Beispiel sportliche Betätigung an frischer Luft. Spritztouren oder Treffen zum Zechen sind während der Ausgangsbeschränkungen nicht erlaubt.

***

Ostermontag, 13. April, 24. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 46. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Frankreich hat die Ausgangssperre bis zum 11. Mai verlängert.

Der Passauer Polizeibericht kennt nur vier Meldungen vom Ostersonntag: 

  • 14-jähriger Mountainbiker, ohne Helm, stürzt mittags an der Unterilzmühle. Mit Ellbogen- und Hüftverletzungen kommt er zur Behandlung ins Krankenhaus. Warum dieser Sport in Corona-Zeiten keine gute Idee ist, schreibt das Fachmagazin.
  • Ein 25-jähriger Autofahrer, der mittags im Stadtgebiet unterwegs war, setzte sich offensichtlich bekifft ans Steuer. Verkehrskontrolle, Bluttest, Anzeige. Lektüre dazu.
  • Ähnlich erging es abends um 8.30 Uhr in Salzweg einen 25 Jahre älteren Autofahrer: Er hatte bei der Verkehrskontrolle eine Alkoholfahne. Alkomat, Geldbuße und Fahrverbot. Der Bußgeldkatalog dazu.
  • In Hutthurm war früh um 9 Uhr ein 55-Jähriger verbotswidrig mit einem Roller unterwegs. Die Verkehrskontrolle ergab: Zweirad fährt schneller als 25 km/h und dafür hatte er keinen Führerschein. Mehr dazu.

Telefonat mit einer ehemaligen Mitbewohnerin in Paris. "Ich lebe mit meinem Freund auf 44 Quadratmeter mitten in der Stadt. Wenn wir nach draußen wollen, müssen wir eine Art Selbsterklärung ausfüllen, den Grund benennen und unterschreiben. Anfangs auf Papier, jetzt gibt es das Formular im Internet zum Ausfüllen und man kann es bei der Kontrolle am Handy vorzeigen. Die Begründung kann sein Einkaufen gehen oder ein Spaziergang, aber maximal eine halbe Stunde. Joggen gehen wie in Bayern ist nicht erlaubt."

Telefonat mit einem Freund in Kapstadt. "Die Regeln hier sind viel strenger als bei Euch. Nicht einmal das Gassigehen mit dem Hund ist erlaubt. Zum Glück wohne ich weit außerhalb des Zentrums, fast am Land. Ich sehe die Wanderwege, die in die Berge führen. An solchen Tagen sind da normal Hunderte Spaziergänger unterwegs, jetzt kann ich sie an einer Hand abzählen. Zur Ausgangssperre sind weitere Verbote gekommen: Der Verkauf von Alkohol und Zigaretten ist nicht mehr erlaubt. Warum weiß ich nicht. Das führt jetzt vermehrt zu Einbrüchen, der Schwarzmarkt blüht. Vor wenigen Wochen war ich mit meiner Frau in Indien. Wir haben erfahren, wie die Großstädte von Smog belastet sind. Jetzt erhalte ich Nachrichten wie diese: Sie können das erste Mal in ihrem Leben nachts den Sternenhimmel sehen. "

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Ostersonntag, 12. April, 23. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 45. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Das Pontifikalamt vom Domberg beginnt um 9.30 Uhr.

Tag der Nachrichtenaskese; Natur betrachten; abends Tatort schauen.

Der Reporter, der das klösterliche Leben aus Exerzitien an Kartagen kennt, kocht und bedient seine Hausgemeinschaft in Selbstisolation nach Tagen der Fastenspeise mit einem Ostermenü. Die Lammkeule vom Wochenmarkt über Nacht im 80-Grad-Backofen gegart, Gemüsesuppe aus den Resten vom Vortag, frische Ananas kandiert in Rohrzucker-Kokosfett mit Vanilleeis. 

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Samstag, 11. April, 22. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 44. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Um 22 Uhr hält der Passauer Bischof Oster vor leeren Bankreihen der Andreaskapelle und laufenden Kameras seine Osterpredigt. Er begrüßt diejenigen, die vielleicht „zufällig“ eingeschaltet haben.

Jeder sehe die Welt anders, beginnt er. Es habe mit der Einzigartigkeit zu tun, „denn Gott schafft nur einzigartige Lebewesen“, nicht einmal jeder Grashalm sei dem anderen gleich; aber die verschiedene Sicht auf die Dinge habe auch mit der unterschiedlichen persönlichen Entwicklung und Erziehung zu tun. „Manchen Mist haben wir selbst verursacht, manches ist uns anerzogen worden, Ehrgeiz zum Beispiel, oder dass Jungen nicht weinen und Mädchen nicht vorlaut sein sollen.“

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder Gottes, kommt ihr nicht ins Himmelreich“, zitiert er aus dem Matthäus-Evangelium. Das Kind habe eine ursprüngliche Freude am Leben, denn es erlebe sich beschützt. Im Erwachsenwerden verliere es seine Unschuld, nicht im sexuellen Sinn, sondern im Verlust der Arglosigkeit. Den Zauber zum Neuen im Kleinen zu erkennen, schwinde. „Wir berechnen Kosten und Nutzen.“

Der Bischof spricht vom Zugang zum Glauben. „Manchmal kann es eine Not sein wie die Coronakrise“, sagt er. Gott lasse sie zu, dass wir erkennen, was eigentlich wirklich wesentlich ist im Leben. Selbst ein schlichter Glaube könne sehr tief sein, herrührend vom Vorbild der betenden Großmutter oder wachsen, wenn er gesetzt ist vom Wissen der Geschichte Jesu.

Der Bischof ruft auf, allen zu danken, „die sich um die Gesundheit kümmern oder ihre riskieren im Dienst, damit anderen geholfen wird“, die dafür sorgten das weitergeht, was notwendig ist. „Jesus will uns verwandeln und er will von dieser Verwandlung niemanden ausschließen“, schließt er seine Predigt.

In Corona-Zeiten zählte zu den Fürbitten auch diese: „Für unsere Gemeinden, die nicht miteinander Ostern feiern können.“ Den Friedengruß geben sich der Bischof und seine Zelebranten mit einem lächelnden Kopfnicken weiter.

Der Bundestagspräsident Frank-Walter Steinmeier hat am Karsamstagabend eine Osteransprache zur Corona-Krise gehalten. "Die Welt danach wird eine andere sein", sagt er. Wie sie aussehen wird, das liege jetzt an uns.

Die Pandemie zeige, dass das immer nur Schneller, Höher, Weiter ein Irrtum war, dass wir verwundbar sind.

Steinmeier nannte den "Kraftakt", den dieses Land leiste, beeindruckend. "Jeder hat sein Leben radikal geändert und rettet damit täglich Menschenleben."

Steinmeier appelierte an die Skeptischen und Verdrossenen: "Vertrauen Sie der Politik, denn die Regierenden wissen um ihre Verantwortung."

Wie es weitergeht, darüber würden nicht Politiker und Experten entscheiden, "sondern wir alle". Es hänge ab von "unserer Geduld und Disziplin, wenn es uns am schwersten fällt."

An die Regierungskritiker und Verschwörungstheoretiker: "Diesen Kraftakt leisten wir nicht, weil eine eiserne Hand uns zwingt, sondern weil wir eine lebendige Demokratie mit verantwortungsbewussten Bürgern sind."

Über die Zeit nach Corona: Steinmeier sieht die Menschheit an einer Wegscheide. "Lernen wir aus den Erfahrungen, den guten und schlechten, die wir jeden Tag in der Krise machen!" Die Wegweiser zeigten sich jetzt schon: "Entweder jeder für sich, Ellbogen raus und hamstern und die eigenen Schäfchen ins Trockene bringen. Oder das Engagement für den anderen, die explodierende Kreativität und Hilfsbereitschaft" Er blickt fragend in die Zukunft: Schenken wir den Paketboten und Kassiererinnen weiterhin die Wertschätzung, die sie verdienen? Erinnern wir uns, was Pflege, soziale Berufe, Kinderbetreuung uns wirklich wert sein müssen?

Und die wohl wichtigste Frage: "Helfen diejenigen, die das wirtschaftlich gut schaffen, denen wieder auf die Beine, die besonders hart gefallen sind?"

An Europa und seine Nachbarn gewandt: "Suchen wir auf der Welt gemeinsam nach einem Ausweg - oder fallen wir zurück in Abschottung und Alleingänge?"

Steinmeier sagt: Diese Pandemie sei kein Krieg, sondern eine Prüfung unserer Menschlichkeit. "Sie ruft das Schlechteste und das Beste im Menschen hervor."

Aufgeschnappt am Passauer Wochenmarkt.
„Ich bin jetzt wieder in Vollzeit beschäftigt“, erzählt eine Rentnerin am Wochenmarkt dem Bäckereiverkäufer. "Wie meinen Sie das?" „Naja, der Kindergarten ist zu und ich bin jetzt die Betreuerin.“

„Meine Wohnung war noch nie so sauber, sogar die Bücher habe ich alle schon abgestaubt. So gründlich war mein Frühjahrsputz noch wie“, erzählt eine Hausfrau Mitte 40 ihrer Bekannten. Von Langeweile könne keine Rede sein. „Wir machen regelmäßig einen Spaziergang hinaus in den Wald, der liegt ja gleich vor der Tür.“ „Genau wie bei uns“, sagt das Gegenüber. Man genieße das.

Am Karsamstag steht die Passauer Gesellschaft geduldig in den aufgefächerten Warteschlangen zum Ostereinkauf. Im kühlen Schatten reihen sich die Menschen vor der kleinen Bäckereie in der Löwengrube oder in die warme Sonne blinzelnd in der Bäckereifiliale am Residenzplatz; an letzterem Ort studiert ein stadtbekannter Kabarettist zum Zeitvertreib den Aushang am Schaufenster.

Wie vertreibt man sich die Zeit in der Warteschlange? Ein Student älteren Semesters führt am Domplatz vor, dass es auch ohne Wischen am Handy geht. Er hat eine Zeitung mitgebracht, blättert in der Lektüre bis er an der Reihe ist. „Der Nächste bitte, was darf es sein?“ Heute steckt die Metzgereiverkäuferin jedem Kunden eine Scheibe Leberkäse mit einem gefärbten Osterei in die Tüte.

Am Domplatz beim Einkauf gesichtet: Der berühmteste Kleinkunstveranstalter der Stadt, der bei der Selbstisolation der alten Heimat wohl den Vorzug vor der Landeshauptstadt gegeben hat; der Domprobst, der mit den Fleisch- und Wursthungrigen bei einer Metzgerin ansteht; ein Passauer Original, der Glaskünstler vom Residenzplatz, der sich beim Kräuterpflanzenverkäufer nach dem hübschen Gewächs erkundigt, das mit seinen weißen Blüten ins Auge sticht: Schlehendorn.

Nur eine Handvoll Wochenmarktbesucher tragen eine Mund-Nasen-Bedeckung. In ein paar Wochen sieht das wahrscheinlich anders aus. 

Haben Sie Markus Lanz gesehen? Es gibt mehr neue Fragen als Antworten zu Corona.

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck behauptet bei Lanz, dass wahrscheinlich schon 15 Prozent der Bevölkerung immun seien und die Sterblichkeitsrate von Corona statistisch lediglich bei knapp 4 Todesopfern je 1.000 Infizierter liege.

Sind die Weltgesundheitsorganisation oder das Robert-Koch-Institut, die aus den bekannten Infizierten und den registrierten Corona-Toten einen wesentlich höhere Sterblichkeitsrate errechnen, verantwortungslose Panikmacher?

Zusatzfrage: Gibt es bei den Corona-Toten keine Dunkelziffer? Veranlasst nach jedem Sterbefall am Land der Hausarzt, dass der Verstorbene posthum getestet wird?

Streeck erwähnt es, aber es fällt in der Bewertung weitgehend unter den Tisch. Seine Aussagen stützen sich auf die Ergebnisse von 500 Getesteten im deutschen Corona-Brennpunkt Heinsberg. Dass dort, wo die Pandemie besonders wütet, mehr Menschen das Virus bereits durchgemacht haben, ist plausibel. Aber: Kann man von 0,0006 Prozent der Bevölkerung in Heinsberg auf ganz Deutschland schließen?

„Die Zeit“ berichtet heute zudem, dass die Heinsberg-Studie von einen PR-Unternehmen unterstützt werde, zu dessen Mitbegründer Ex-Bild-Chefredakteur Kai Diekmann zählt. Unterstellte man Propagandaabsicht, Streecks öffentliche Stellungnahmen, die seine Kritiker als zu voreilig sehen, haben Durchschlagkraft: Politik und Medien stützen sich darauf, um nach Lockerungen zu rufen.

Reisefreiheit in weiter Ferne
Tags zuvor bei Lanz: Karl Lauterbach, Seuchenwissenschaftler (Fachbegriff: Epidemiologe) und Bundestagsabgeordneter, stellt klar, dass wir bei diesem Virusausbruch erst am Anfang und nicht am Ende stünden. Die Pandemie werde uns noch Jahre begleiten. Man werde sich auf ein Leben mit Abstand einstellen müssen. Reisefreiheit und Massenbetrieb im Freibad oder am Strand lägen in weiter Ferne.

Corona-Achse: Wien-München-Berlin
70 Prozent unter 2.700 Befragten der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ stimmen zu, dass das konsequente Handeln von Kanzler Kurz in Österreich richtig war. Ministerpräsident Söder scheint das Nachbarland als Modell für seine eigene Strategie zu benutzen. Mit nur wenigen Tagen Verspätung greifen die österreichichen Maßnahmen mehr oder minder ähnlich in Bayern; Bayern wiederum ist weitgehend Vorreiter für die Politik in Berlin und den anderen Bundesländern.

Seuchen-Mathematik und menschlicher Irrtum
Die deutsche Coronakurve, soviel lässt sich feststellen, biegt sich nicht hoch in die Senkrechte. Die Wucht einer unkontrollierten Epidemie, die typische Exponentialfunktion, bliebt uns bislang erspart. Was diese in den Krankenhäusern bewirken würden, zeigen uns die Bilder aus den Seuchenzentren.

Nochmals zur Veranschaulichung der Exponentialfunktion, was ohne Kontaktsperre und Abstand passieren könnte: Wenn ein Infizierter drei Mitmenschen ansteckt, sich dies jeden vierten Tag wiederholt, wie viele Infizierte ergäbe das nach 40 Tagen? Die meisten Menschen schätzen „ein paar Tausend“, die höchsten Schätzungen liegen bei „15.000“. Das Vierfache ist korrekt. Sehen Sie die Zahlenreihe selbst: 3 – 9 - 27 – 81 – 243 – 729 – 2.187 – 6.561 – 19.683 – 59.049.

Passau zählt 3.000 Bewohner "80plus"
Wird dem Virus kein Einhalt geboten, würde also ein Infizierter ausreichen, die Bevölkerung einer Stadt wie Passau in 40 Tagen anzustecken. In Passau werden durchschnittlich 50 Menschen je Monat zu Grabe getragen, 600 übers Jahr. Würde die Seuche auf einen Schlag allein die über 80-Jährigen hinwegraffen, es wären mehr als 3.000 Tote. Selbst wenn es nur ein Bruchteil wäre, die Serie der Särge und Gräber will sich keiner ausmalen.

Der Hamburger Pathologe Professor Klaus Püschel hat bei Lanz im Prinzip gesagt, dass alte Menschen so oder so sterben müssten. Er bezweifelt, dass Corona bei betagten Infizierten stets die ausschlaggebende Todesursache sei; er stellte bei mindestens zwei Leichenöffnungen Hirnschlag oder Herzinfarkt fest. Was der vorzeitige oder rasche Seuchentod unter den Alten in der Summe bedeutet, hat er wohl nicht hinterfragt.  

"Flexibles Semester" für Studierende
Für die Studierenden sieht die Situation überall auf der Welt anders aus. Österreich hat das Semester abgesagt, Bayern will im Hauruckverfahren am 20. April mit Bildschirmlehre beginnen und nennt es „flexibles Semester“; Argentinien sieht die Ferientermine flexibel und zieht die Sommerferien vor.

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Freitag, 10. April, 21. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 43. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Passauer Pandemie-Glocken, die seit 19 Tagen um 15 Uhr zum Gebet gegen die Seuche läuten, werden heute das erste Mal schweigen. Am Karfreitag, der Gedenktag an Jesu Leid und Tod, sind in den Kirchen die Kruzifixe mit violettem Tuch verhangen und alle Klangkörper bleiben stumm.

15 Uhr: Pontifikalamt live im Netz
%PIC16629%Bischof Stefan Oster zelebriert das Pontifikalamt zum Karfreitag live aus der Andreaskapelle, ein Kirchenraum am Domberg, der sich nordöstlich von der Kathedrale befindet. Die gestrige Gründonnerstagsmesse hat gezeigt, wie gut die Qualität des digitalen Erlebnisses für die Gläubigen sein kann. Mehrere Kameras sind im Einsatz, die Regie lässt den Zuschauer mal dem Chor, mal dem Orgelspieler, mal dem Bischof nahe sein; das ist eindrücklicher wie beim analogen Gottesdienst.

Kirchen- und Kameramänner müssen sich an die Anweisungen des Ordnungsamtes halten. "Maximal drei von uns Fernsehleuten dürfen im Kirchenraum sein", erklärt ein Mann von der TV-Technik. Er selbst wechselt im Übertragungswagen sich mit einem Kollegen ab, denn in dem engen Raum sind in der Pandemie selbst zwei zuviel.

Vom Krimi des Lebens
Osters Predigt geht heute so: Stellen Sie sich vor, Sie lesen einen Krimi und je tiefer sie einsteigen, desto mehr steigt die schreckliche Erkenntnis, dass es sich um ihr eigenes Leben handelt, sie der nächste Todeskandidat sein könnten. Dann tritt der Autor, ein Kriminalbeamter, in den Raum und verspricht, dass er auf sie aufpasst. Er kenne den Mörder und kann sie beschützen. Im Gleichnis des Bischofs ist Jesus der Kriminalbeamte.

Frühlingserwachen
%PIC16627%Ringeltauben haben einen zehn Meter hohen, wohl 100 Jahre alten Zwetschgenbaum, in einem Garten am südlichen Innufer als Nistplatz entdeckt. Im Dickicht eines efeuumwucherteren Astes bauen sie das Nest. Das Männchen fliegt aus, um Baumaterial zu holen, das Weibchen richtet das neue Zuhause ein. Markantes Merkmal dieser Taube, die lateinisch "Columba palumbus" heißt, sind die weißen Abzeichen an Flügeln und Hals.

"Was ist das für ein merkwürdiges, hell brummendes Dauergeräusch?". In den Blüten des Wildkirschbaumes hört man die Bienen summen. 

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Donnerstag, 9. April, 20. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 42. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagt bei der Bundespressekonferenz am frühen Nachmittag: „Wir dürfen jetzt nicht nachlässig werden.“ Dieses Osterfest nicht wie gewöhnlich feiern zu dürfen, sei ein tiefer Einschnitt, der allen viel abverlange.

Aber: Jeder Deutsche, der sich konsequent an die Kontaktsperren hält, kann als persönlichen Erfolg verbuchen, dass die Welt mit Anerkennung und Verwunderung auf die deutsche Corona-Kurve blickt. „Die Infektionskurve verläuft linear und nicht exponentiell“, blickt Spahn hoffnungsvoll auf die Entwicklung. Die tägliche Steigerung betrage vier bis fünf Prozent; dazu habe “maßgeblich das umsichtige Verhalten“ der Bevölkerung beigetragen. „Wenn wir wieder persönlichen Kontakt suchen und in Gruppen feiern“, sei der Erfolg dieser Anstrengungen dahin.

Erfolg der Disziplin: Deutschland kann den Nachbarn helfen
Auch hierin ist Deutschland dank der Disziplin des Großteils der Bevölkerung vorbildlich in der Welt: „40 Prozent der Intensivbetten sind aktuell noch frei, deshalb können wir Patienten aus den Nachbarländern aufnehmen und behandeln“, sagt Spahn. Zudem liege Deutschland mit 100.000 Tests täglich an der Spitze.

Bluttest sollen Tödlichkeit der Corona-Seuche entschlüsseln
Das RKI will laut Präsident Lothar Wieler mit Blutproben aus der Bevölkerung Studien betreiben, um mehr über Corona zu erfahren. Wie viele haben ohne Beschwerde die Krankheit hinter sich gebracht? Wie viele sind bereits immun? Wie hoch ist die tatsächliche Sterblichkeitsrate? Bisher kann diese nur aus den registrierten Infizierten und den Verstorbenen berechnet werden, berücksichtigt die Dunkelziffer der Nichtgetesteten, Symptomfreien nicht.

  • Sofortstudie durch Analyse von 5.000 Blutproben
  • Stichprobenhalte Blutuntersuchungen in Krisengebieten: In vier noch auszuwählenden Orten, die von der Seuche besonders betroffen sind, sollen 2.000 Menschen untersucht werden
  • Blutuntersuchungen von 15.000 ausgewählten Menschen in 150 Regionen; diese umfangreichste Studie soll im Mai beginnen.

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Mittwoch, 8. April, 19. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 41. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Am Klinikum Passau herrscht in diesen Tagen angespannte Ruhe. In Abteilungen, die mit der Seuche nicht befasst sind, ist weniger los als sonst. In der Chirurgie werden nur unverschiebbare Operationen erledigt, eine Handvoll an einem Tag.

In der Corona-Abteilung hat das medizinische Personal das erste Mal in seiner Laufbahn erlebt, wie das Virus zu lebensgefährlicher Lungenentzündung führt, wie die Schwererkrankten an Sauerstoffmangel leiden; wie unter anderem eine Rentnerin aufgegeben werden musste. 

Leidiges Thema: Wie sieht es mit den Schutzmasken aus?
Über Baumärkte hat das Klinikum weitere 2.500 Virenschutzmasken der Klasse "FFP2“ erhalten, schreibt Pressesprecherin Elke Zanner auf Anfrage. 1.000 waren mit einer Lieferung des Technischen Hilfsdienstes Ende März eingetroffen.

Dieser Vorrat von 3.500 würde 50 Maskenträgern, die mindestens dreimal am Tag den Mund-Nasen-Schutz wechseln, einen knappen Monat ausreichen.

Das gesamte Personal, das mit Corona-Patienten Kontakt hat, trage seit 10 Tagen diese FFP2-Masken; von der Putzfrau bis zum Chefarzt, schreibt sie. „Wir hoffen auf weitere Lieferungen vom Freistaat“, schreibt Zanner. Zur Erinnerung: Der erste Corona-Erkrankte ist vor 36 Tagen eingeliefert worden. 

Es sieht mit Nachschub gut aus, denn bekanntlich sind Anfang der Woche acht Millionen Masken aus China in Bayern eingetroffen.

Patienten scheuen Wartezimmer und Krankenhäuser
Bundesweit stellen die Mediziner einen Nebeneffekt der Corona-Krise fest: Es ist weniger los in Wartezimmern und Notfallambulanzen. Jeder, der in diesen Tagen Beschwerden hat, der überlegt es sich zweimal, ob er einen Arzt aufsuchen soll. Die einen haben Angst vor Ansteckung, die anderen wollen das Gesundheitssystem nicht zusätzlich belasten, wiederum andere schreckt ab, dass sie keine im Krankenhaus keine Besuche empfangen dürften. So nimmt selbst der hypochondrische Typ Abstand.

Ob dieser Effekt auch im Klinikum Passau zu spüren ist? 
Man kann wohl erst in einigen Wochen rückblickend beurteilen, ob Patienten mit entsprechenden Symptomen aus Angst vor Corona das Krankenhaus im Moment meiden, gibt Dr. Gregor Stolz, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme an die Pressesprecherin weiter. „Wir behandeln weiterhin alle Notfallpatienten und nehmen somit jeden Tag Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten auf“, lässt er sich zitieren.

Werkleiter Stefan Nowack, der Überblick über das gesamte Haus hat, beobachtet jedoch schon, „dass sich viele scheuen, das Krankenhaus aufzusuchen.“ Ob das Spätfolgen habe, lasse sich im Moment schwer beurteilen.

Die Arbeitskollegin, die trotz Zahnschmerzen nicht zum Zahnarzt will, die Rentnerin, die trotz Kreislaufbeschwerden den Besuch beim Hausarzt verschiebt, das alles sind Tatsachen, die wir aus unserer Umgebung kennen.

Wie läuft die durch den ausgerufenen Katastrophenfall angeordnete Zusammenarbeit mit den anderen Krankenhäusern?
„Die Hellge-Klinik ist zurzeit geschlossen. Spezielle Kooperationen durch den Notfallplan gibt es nicht“, heißt es. „Mit den Landkreiskliniken sind wir im täglichen Austausch und halten uns gegenseitig auf dem Laufenden“, schreibt Zanner.

%PIC16625%Lage im Klinikum: Derzeit werden 29 Covid-19-Patienten stationär behandelt; davon liegen acht mit künstliche Beatmung auf der Intensivstation

Lage im Landkreis: Die Zahl der registrierten Coronavirusträger hat sich heute um 19 auf 307 Fälle erhöht.

Lage im Stadtgebiet: 98 Infizierte, plus 4.

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Dienstag, 7. April, 18. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 40. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Lage in der Stadt: In vier städtischen Altenheimen summiert sich die Zahl der Infizierten auf 23 Bewohner und 15 Mitarbeiter. Darunter am schwersten betroffen ist das „Rosenium“ in Grubweg mit 13 Bewohnern und 5 Mitarbeitern. Im Stadtgebiet hat sich die Zahl der Corona – infizierten um 4 auf 94 erhöht. Im Klinikum Passau sind 25 Covid-19-Patienten in stationärer Behandlung; 9 davon werden künstlich beatmet. 

Die Lage im Landkreis: Die Zahl der Corona-Fälle ist um 14 auf 288 gestiegen.

Was ist wichtiger: Kapital oder Menschenleben?
Ein Steuerberater hat mit einem empörten Schreiben sein Bürgerblick-Abo gekündigt und eine teilweise Rückerstattung gefordert. Er ärgert sich darüber, dass der Autor im Editorial des aktuellen Heftes seine 87-jährige Mutter wichtiger nehme als die Wirtschaft; ohne gesunde Wirtschaft gäbe es das Gesundheitssystem nicht, das seine Mutter so alt hat werden lassen, führt er unter anderem an. 

So blicken wir zunächst auf die Wirtschaft, ob jemand durchs Raster fällt:

Corona-Rettungsschirm: 6.000 Euro je Einwohner
Der Staat hat sich dem Grundgesetzes gemäß entschieden, dass in dieser Seuche Menschenleben und Menschenwürde über allem steht, kein Mensch dieser schlimmstenfalls tödlichen Lungenkrankheit  ohne medizinische Hilfe ausgeliefert werden darf. Der Wirtschaft wird mit Geld geholfen. Kreditgarantien und Finanzspritzen summieren sich geschätzt auf eine halbe Billion Euro; das entspricht ungerechnet 6.000 Euro pro Kopf, vom Baby bis zum Greis.

Steuerfreier Bonus für Mitarbeiter
Arbeitgeber können Beschäftigte, die sich in der Krise besonders auszeichnen oder engagieren, mit einem steuer- und sozialabgabefreien Bonus bis zu 1.500 Euro belohnen (gilt bis Ende des Jahres).

Soforthilfe selbst für Vermögende
Der Staat gewährt Unternehmen eine nach Betriebsgröße gestaffelte Soforthilfe, bis zu 9.000 Euro für Solo-Selbstständige, wenn sie in einen „Liquiditätsengpass“ geraten. Die ursprüngliche Textfassung, dass dieser Antrag nicht statthaft ist, wenn noch private oder betriebliche Mittel zur Verfügung stehen, wurde nachgebessert. Die Anträge sind nach Einschätzung der Steuerberater auch möglich, wenn die betrieblichen Einnahmen die betrieblichen Ausgaben in den drei folgenden Monaten voraussichtlich nicht decken.

Unternehmerkredite bis zu drei Monatsumsätzen
Schnellkredite der KfW-Bank bis zu maximal 800.000 Euro sind für Unternehmen  möglich

  • die im Durchschnitt der letzten drei Jahre Gewinne ausgewiesen haben
  • seit mindestens 1. Januar 2019 am Markt aktiv sind
  • In einer Höhe von maximal drei Monatsumsätzen des Jahres 2019
  • mindesten zehn Mitarbeiter beschäftigen

Der Kredit kann bei einem Zinssatz von 3 Prozent eine Laufzeit bis zu zehn Jahre haben. Der Staat haftet bei großen Betrieben bis zu 100, bei kleinen bis zu 90 Prozent der Kreditsumme.

Steuerfreier Zuverdienst für Kurzarbeiter
Wie auf Kurzarbeit gesetzt ist, kann sich steuerfrei in sogenannten systemrelevanten Branchen und Berufen etwas dazuverdienen, finanzielle Einbußen auszugleichen. Zu solchen Branchen gehören Landwirtschaft und Lebensmittelversorger, aber auch die Medien.

Wie sich die Wirte und Hoteliers retten
Im Hotel- und Gaststättengewerbe nutzen laut einer Umfrage des bayerischen Branchenverbandes die Möglichkeit

  • Steuerstundung: 85 Prozent
  • Rückzahlung von Steuervorauszahlungen: 40 Prozent
  • Stundung von Sozialabgaben: 52 Prozent
  • Kurzarbeitergeld: 67 Prozent

Wer fällt durchs Raster? Wir suchen Beispiele und werden die später in diesem Nachrichtenlauf anbringen.

Ausländer sind in Deutschland systemrelevant
Die geschlossenen Grenzen haben gezeigt: Deutschland ist angewiesen auf 80.000 Pflegekräfte aus dem Ausland, vor allem Osteuropa; hinzu kommen geschätzt 300.000 Hilfskräfte, die in keiner Statistik erfasst sind.

80.000 Erntehelfer werden in der Corona-Krise teilweise mit Sondermaschinen eingeflogen. Deutschlands landwirtschaftliche Großbetriebe brauchen sie für Spargel-, Gurken-, Erdbeeren- und Rhabarberernte. Unter der einheimischen Bevölkerung findet sich offenbar niemand, der diese Knochenjobs übernehmen möchte.

Handy mit UV-Licht desinfizieren
Das Fraunhofer-Institut arbeitet an einer Lösung, wie Handys und Flachrechner desinfiziert werden können. Desinfektionslösungen schaden den Bildschirmen. Ultraviolettes Licht töten Bakterien und Viren ab. Deshalb wurden kleine Lichtkammern entwickelt, in denen die Geräte für wenige Sekunden gelegt werden, ähnlich einem Mini-Backofen. Für die kommerzielle Produktion sucht das Institut Partner aus der Wirtschaft.

Acht Million Masken für Bayern
Am Flughafen München landete am Montag eine sowjetische Transportmaschine Iljuschin-76 mit einer Millionen Masken aus China. Weitere kamen heute mit der ;ufthansa; insgesamt angeblich acht Millionen Masken. Damit können 10.000 Ärzte etwa ein Jahr lang arbeiten.

Großbritannien: Johnson auf Intensivstation
Boris Johnson, der an Corona erkrankte britische Premierminister, liegt seit zwei Tagen im Krankenhaus, wurde verlegt auf die Intensivstation. Beatmet werden muss er nicht.

Argentinien: 30.000 Festnahmen zur Ausgangssperre
30.000 Festnahmen hat es seit der Ausgangssperre in Argentinien gegeben. Wir dagegen verstößt, muss 48 Stunden lang ins Gefängnis. Das südamerikanische Land hat es ja frühzeitig drastisch, als die Zahl die infizierten noch Landes weit unter 100 lag. Eingeschleppt hat den Virus, wie die Medien berichten, ein reicher argentinischer Geschäftsmann, der in der ersten Klasse von China zurückgeflogen ist und, wie sich später herausstellte, sieben Mitreisende angesteckt hat.

Wie geht Osterbeichte mit Abstand?
„Dass das wichtigste Fest der Christenheit nicht gefeiert werden kann, fordert uns auch im Bistum Passau heraus“, lässt Bischof Stefan Oster über seine Pressestelle mitteilen. Diese Karte – und Osterzeit sei in ihrer Weise einmalig. Auf seine Seite bietet das Bistum eine umfangreiche Betreuung der Gläubigen an, vom „Zuhause-Gebet“ bis zum „Kinderkanal“. Die Live-Übertragungen der Festgottesdienste beginnen am Gründonnerstag um 9.30 Uhr mit der Chrisam-Messe, der Weihe der heiligen Öle. Die Feiern ohne Messbesucher finden vor den Kameras in der Andreaskapelle statt.

Die Spende des Sakraments der Buße sei per Telefon oder Internet nicht möglich, teilt der der Bischof zur Osterbeichte mit. Im Beichtstuhl kann sie wegen des mangelnden Sicherheitsabstandes nicht stattfinden; wohl aber auf Wunsch mit Abstand in einem größeren Raum wie Sakristei oder Pfarrbüro „unter Beachtung der gebotenen Diskretion.“

1.200 Kontaktpersonen getestet
Wie auf Anfrage mitteilt wird, hat das Gesundheitsamt bis heute in Stadt und Landkreis rund 1.200 Corona-Tests anordnen lassen. Es handelt sich um die Kontaktpersonen von Erkrankten. Wie viele Tests die Seuchenärzte der Kassenärztlichen Vereinigung, Hausärzte oder Krankenhausärzte durchgeführt haben, ist der Behörde nicht bekannt. Hier werden lediglich die positiven Befunde gemeldet, worauf die Mitarbeiter beginnen, die gefährdeten Kontaktpersonen zu ermitteln.

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Montag, 6. April, 17. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 39. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Bayern und der überwiegende Zusammenhalt seiner Bevölkerung setzt in der Corona-Pandemie ein hoffnungsvolles Zeichen: Die Kurve der Infektionszahlen steigt nicht in die Senkrechte, sondern im Gegenteil, die Steigung nimmt etwas ab. Ist das am 17. Tag der Lohn dafür, dass die meisten Menschen die einschneidenden Freiheitsbeschränkungen konsequent und geduldig auf sich nehmen? Mit jedem neuen Tag wissen wir mehr.

In der Grafik verschaffen wir Ihnen einen Überblick, wie die Corona-Stationen im Passauer Land ausgelastet sind.

Die Lage im Stadtgebiet: Eine 86-jährige Patientin ist im Klinikum Passau verstorben. Es ist der vierte Todesfall in der Stadt. Es handelt sich erneut um eine Altenheimbewohnerin. Wie berichtet, ist das Virus in mehreren Passauer Altenheimen eingeschleppt worden.

Die gute Nachricht: Es sind keine neuen Corona-Fälle registriert worden. Stand: 90. Dies lässt hoffen, dass die einschneidenden Maßnahmen in Passau Wirkung zeigen. 

Eine Reihe von Covid-19-Patienten hat das Klinikum wieder verlassen können. 

Fachärzte für Corona-Infizierte
Der Passauer Versorgungsarzt Dr. Achim Spechter hat zusammengestellt, welche Fachärzte im Stadtgebiet für Coronavirus-Infizierte zuständig sind:

  • Allgemeinmedizin: Dr. Alois Stadler, Fieberambulanz im Klinikum Passau
  • Gynäkologie: Dr. Katharina Huber, Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) am Schießstattweg
  • Hals-Nasen-Ohren: Dr. Michael Eckstein, ebenfalls MVZ am Schießstattweg
  • Zahnarzt: MVZ an der Neuburger Straße

Die Lage im Landkreis:
In einem Landkreiskrankenhaus gab es ebenfalls einen neuen Todesfall, ein 79-Jähriger. Die Zahl der Coronafälle erhöht sich um 6 auf 274.

%PIC16620%61 Patienten stationär in Stadt und Land
In den drei Krankenhäusern Passau, Vilshofen und Rottalmünster werden mit heutigem Stand insgesamt 61 Corona-Patienten stationär behandelt, davon 16 mit künstlicher Beatmung. 

Was wir nach der Sendung von Anne Will vom Sonntagabend wissen und mitgenommen haben:

  • 800.000 Bürgerinnen und Bürger leben in Altenheimen
     
  • 37 Millionen Schutzmasken sind in Deutschland angekommen, aber 150 Millionen werden in der nächsten Zeit gebraucht; davon 47 Millionen Virenschutzmasken der Klasse FFP2.
     
  • Wir sollten stets daran denken, dass das Gesundheitssystem auch für alle anderen Patienten noch da sein muss; beispielsweise Schlaganfall- und Herzinfarktpatienten. (Martina Wenker, Bundesärztekammer)
     
  • 2.000 Pflegekräfte haben sich jetzt schon infiziert; besonders leidet das ambulante Pflegepersonal darunter, dass es oft schutzlos von Haus zu Haus unterwegs ist. Anmerkung des Autors: Hinzu kommt die erhöhte Gefahr für die zu Pflegenden. (Christel Bienstein, Pflegewissenschaftlerin)
     
  • Eine Pflegekraft betreut in Deutschland im Schnitt dreizehn Patienten, in Norwegen sind es drei.
     
  • Ministerpräsident Söder zahlt allen Pflegekräften einen Bonus von 500 Euro aus dem Staatshaushalt, freies Essen und Getränke dazu. Aber die Löhne im Gesundheitswesen, ja in allen „systemrelevanten“ Berufen, sollte noch nach Corona grundsätzlich überdacht und angepasst werden.
     
  • Der Virenschutz wird künftig eine größere Rolle in unserer Gesellschaft spielen. Es wird nach drei Monaten nicht vorbei sein, sondern eher nach zwei Jahren (Vizekanzler Olaf Scholz gibt wieder, worauf uns die Wissenschaftler vorbereiten)
     
  • Deutschland hat nunmehr knapp 100.000 registrierte Coronavirusträger – aber die große Welle wird erst erwartet. Aktuell statistisch gesehen: 1 Infizierter je 1.000 Einwohner. Anmerkung des Autors: Das wäre so, als würden im vollen Berliner Olympiastadion drei Schulklassen Infizierter sitzen.

Statistiken hinken der Wirklichkeit 14 Tage hinterher
Die Infektionszahlen der Registrierten, die täglich bekannt gegeben werden, bilden ab, wie die Situation vor etwa zwei Wochen war. Einfach erklärt: Wer sich ansteckt, bei dem bricht die Erkrankung nach frühestens vier und  allerspätestens vierzehn Tagen aus; bis das Testergebnis vorliegt vergehen  weitere vier Tage. So erklärt es Virologe Alexander Kekulé.

Deshalb wird erst in diesen Tagen sichtbar werden, ob die Ausgangsbeschränkung und Kontaktsperren sich auswirken. Falls dies nicht der Fall wäre, was keiner hoffen will, wären noch drastischer Maßnahmen möglich.  Das Leben ruht nicht in allen Bereichen. Auf Baustellen und im Handwerk herrscht Betrieb, dort begegnen sich Menschen noch nicht auf Distanz.

„Wir müssen die Risikogruppen radikal in Sicherheit bringen“, sagt Kekulé. Damit dieser Schutz funktioniere, müssten auch die Familien des Pflegepersonals sicher sein. Für alte Menschen, die alleine wohnen, sei letztendlich eine FFP2- Maske ratsam, damit sie beim Einkauf nicht gefährdet sind. Testen sei immens wichtig. Es gebe dem Krankenhauspersonal Sicherheit; aber auch derjenige, der seine Großmutter besuchen will, muss wissen: „Ich bin nicht infiziert.“

Virologen wünschen sich "Volksmaske"
Wir sollten alle die „Volksmaske“, die gebastelten oder genähte Mund- und Nasenbedeckung anlegen; ein Schal tut es auch. „Den Widerstand von Politik und Robert-Koch-Institut kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Virologe Kekulé. Textiler Schutz zusätzlich zum unabdingbaren Abstand und zur Handhygiene sei besser als nichts.

Warum die Politik zögert? Die Antwort gibt Kekulé selbst: „Es könnte daran liegen, dass dann der Bürger zurecht fragen würde: "Warum kann ich diese Maske nicht in der Apotheke kaufen?“ Dieser Erklärungsnot wolle man vermutlich ausweichen. Die Masken helfen mehr als eine Ortungssoftware, ist sich Kekulé sicher. Er meint die Corona-Alarm-App. Auch die Amerikaner empfehlen jetzt die Maske.

Einreisekontrollen bleiben unabdingbar
Was die geschlossenen Grenzen anbelangt, können wir wohl nicht erwarten, dass die Reisefreiheit bald zurückkehrt. „Darüber können wir erst nachdenken, wenn die Infektionszahlen im Nachbarland auf demselben Niveau sind und sich entspannt haben. "Bis dahin gilt es zu verhindern, dass Neuinfizierte hereinkommen“, sagt Kekulé. Selbstverantwortliches Handeln sei gefragt. „Was kann mein Land für mich tun“, sei jetzt die falsche Frage, richtig die Überlegung: „Was kann ich für mein Land tun?“

Diskussionsteilnehmer Jens Südekum, Volkswirtschaftsprofesssor, meinte man sollte bald wieder die notleidenden Länder wie Italien und Spanien mit Tourismus unterstützen. Auf diesen Vorschlag ist niemand eingegangen, da vor allen Lockerungen das Ziel steht, die Infektionsketten zu brechen.

„Absolute Transparenz und höchste Wahrheit“ - das sei das Prinzip der Bundesregierung in der Krise, sagte Vizekanzler Scholz. Den kleinen und mittleren Betrieben müsse geholfen werden. Zur Wahrheit gehört: "Aber Bürger mit sehr hohen Einkommen zu entlasten, das ist nicht plausibel." Die Last der Krise werden die "Spitzenverdiener 2023 bis 2043" zu schultern haben. Scholz: „Wer 200.000 bis 300.000 Euro im Jahr verdient, für den wird es keine Steuerabsenkung geben.“

Wie lief das Wochenende aus polizeilicher Sicht?
22 Verstöße gegen Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen haben die Passauer Beamten der Landespolizei am Wochenende festgestellt und geahndet. Sie sind unterstützt worden von Kräften der Bereitschaftspolizei. In 20 Fällen ist ein Bußgeld von 150 Euro verhängt worden. „Fast alle Kontrollierten haben sich sofort einsichtig gezeigt“, sagt ein Polizeisprecher.

Was ist erlaubt, was nicht? Die Frage kann sich jeder selbst beantworten. Die oberste Regel heißt „Zuhause bleiben“. Für alles andere braucht es einen triftigen Grund.

Spritztouren sind nicht erlaubt
"Selbstverständlich sollte alles vermieden werden, was zu Unfällen führen und die Kliniken belasten kann“, erklärt ein Beamter außerhalb eines Pressegesprächs. Die Ausfahrt mit dem Motorrad oder das Herumfahren mit dem Auto aus Langeweile sei deshalb ein Verstoß. Die Umsicht gilt auch Zuhause. "Ich würde meinem Kind jetzt nicht erlauben, auf einen Baum zu klettern." 

„Wildwest-Methoden“ auf dem Schutzmaskenmarkt
Ministerpräsident Markus Söder spricht von „Wildwest-Methoden“, wie auf dem Weltmarkt um Schutzmasken gekämpft wird. Es werde eher schlimmer als besser, da große Länder wie USA und Indien jetzt ebenso Bedarf anmelden. Die Rückkehr zu eigenen Produktionsstätten ist bereits angelaufen.

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Sonntag, 5. April, 16. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 38. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Der Reporter hat seit Tagen kein gutes Gefühl, wenn die Zeiger der Uhr sich auf fünf Uhr nachmittags zubewegen. Stets zu diesen Minuten versenden die Pressesprecher von Stadt Passau und Landkreis die neuesten Lageberichte zu Corona.

34 Corona-Patienten stationär im Klinikum
Die eingeschleppten Viren in Passauer Altenheimen haben zwei Bewohnerinnen frühzeitig aus dem Leben gerissen: eine 84-Jährige und eine 90-Jährige. Die Zahl der infizierten Stadtbewohner hat sich um zwölf auf neunzig erhöht. Im Klinikum Passau werden so viele Corona-Patienten wie noch nie behandelt: Sieben künstlich beatmet, einer auf der Intensiv- und sechsundzwanzig auf der Isolierstation.

Drei neue Todesfälle in Stadt und Land
Einen weiteren Todesfall meldet der Landkreis, ein 88-jähriger Corona-Erkrankter. Die aktuellen Fälle: 268, plus 9.

Sonntag mit größtenteils Stille
Dieser Palmsonntag ist der verkehrsruhigste Sonntag seit fast 50 Jahren gewesen. Damals, im Winter 1973, gab es wegen der Ölkrise an vier Sonntagen ein absolutes Fahrverbot. Im Garten lässt sich die eine Hummel brummen hören, die Nektar sammelt vom violett blühenden Lerchensporn. 

Während die Alt-, Inn- und Ilzstädter, die Angerer und viele andere eine fast paradiesische Ruhe genießen, sich Fenster wie sonst selten zur Straße öffnen, ärgern sich die Bewohner im Passauer Westen, die an der Autobahn leben. „Da ist nix mit Ruhe wegen wenig Verkehr“, schreibt ein Schaldinger. Lastwagen und Sattelschlepper donnern über die Autobahnbrücke – für sie ist das Sonntagsfahrverbot aufgehoben worden. Das Europa der geschlossenen Grenzen braucht ein Ventil für die Versorgung. Allerdings: Auf der Schiene wäre durch den verringerten Passagierverkehr mehr Raum für Güter.

Krisenverweigerer und Denunzianten
Die Passauer Polizei berichtet von „zahlreichen Verstößen“ gegen die Ausgangsbeschränkungen, kann sie allerdings heute nicht beziffern, weil einen Großteil der Kontrollen die Bereitschaftspolizei durchgeführt hat. 

Die Polizeibemten haben eine neue Aufgabe: Aus der Bevölkerung gehen immer wieder Hinweise ein über Nachbarn oder Passanten, welche angeblich die Kontaktsperren nicht einhalten. „Es gibt berechtigte Anzeigen, aber auch Denunziantentum“, erzählt ein Beamter. Beispielsweise die Anruferin, die meldet, dass ihre alte Nachbarin von ihrer Tochter besucht werde, die es doch zu schützen gelte. Doch diese hat sich nur, wer sollte es sonst tun, um das Wohl ihrer Mutter gekümmert.

Sieben Tage blauer Himmel?
Der Wetterbericht sagt für die ganze Woche blauen Himmel und frühsommerliche Temperaturen voraus. Keine Kratzer am Himmel. Eines der wenigen Flugzeuge, die dahinziehen, sind Flugzeuge mit Start- oder Zielflughafen London. „Iran Air“ (Ziel Teheran) um 19.15 Uhr, wenige Minuten davor die ungarische Billigfluggesellschaft „Wizz Air“aus Budapest.

Aufnahmestopp in der Kurzzeitpflege
Das bayerische Gesundheitsministerium verteidigt in einer sonntäglichen Pressemitteilung seine Anweisung, für Reha-Einrichtungen einen Aufnahmestopp zu verhängen. Es geht um Kurzzeitpflege, um 2.900 Plätze in 61 Häusern. Ausnahmen gelten, wenn gesichert ist, dass der neue Bewohner 14 Tage in Quarantäne bleibt.

Corona-Semester als virtuelles Studium
Wissenschaftsminister Bernd Sibler lässt diesen Sonntag mitteilen, dass das Sommersemester für die Studenten mit einer virtuellen Notlösung beginnt (siehe Bericht Rubrik „Universität“).

FFP3-Masken von Eterna?
Die Passauer Hemdenfabrik Eterna hat eine textile Mund- und Nasenschutz für 25 Euro wieder aus dem Online-Angebot genommen. Angeblich sind die Masken bereits wieder vergriffen. Merkwürdig daran ist, dass diese Masken als Schutzklasse „FFP3“ angepriesen worden sind. Dies wäre die höchste medizinische Virenschutzklasse.

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Samstag, 4. April, 15. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 37. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Corinavirus greift Gehirn an?
Am Nachmittag teilt Vizechefredakteurin Sabine Rückert von der „Die Zeit“ den Beitrag einer medizinischen Fachzeitschrift: Es gibt Hinweise, dass das Virus nicht nur im schlimmsten Fall zur Lungenentzündung führt, sondern über Nervenzellen ins Gehirn vordringt, Atemstillstand auslösen kann. Dies würde erklären, warum Erkrankte auch über Sinnesstörungen, Geschmacksverlust berichten. 

Wochenmarkt in Seuchenzeiten
Timon braucht Geduld am Wochenmarkt. Die Kunden stehen artig mit großem Abstand in der Schlange vor dem Verkaufswagen einer Rottaler Metzgerin. Zwei Schläge der Domuhr verkünden „halb zehn“. Timon ist in Gedanken, der Mann vor ihm wird nervös, denn er ist zu nahe aufgerückt. „Wie hätten Sie das Geräucherte gern geschnitten?“, fragt die Verkäuferin. Sie packt dem Studenten zum Schluss eine extradicke Scheibe Leberkäse und einen Viertelring Käsewurst als Gratiszugabe in die Tüte. Die Domuhr schlägt wieder zweimal. Eine Stunde hat dieser Einkauf gedauert.

Ein Ehepaar, beide hellgrüne OP-Masken, tritt ins Rechteck der Kiesfläche, das die Verkaufswagen bilden. „Kein Foto bitte!“, deuten sie dem Reporter mit den Händen an. Zwei Frauen, vermummt mit farbenfrohen, selbstgenähten Stoffmasken, warten am Käsestand. Ansonsten ist die Mund-Nasen-Bedeckung unter den Dutzenden Kunden am Wochenmarkt eher selten zu sehen. „Heute halten wir Abstand!“, begrüßt eine Wochenmarktfrau lachend einen Mann, den sie offenbar als Stammkunde kennt. Ein Typ Mitte 40 mit hoher Stirn und brauner Jacke geht mit einem gelben Meterstab durch die Reihen, klappt ihn auf und misst die Entfernungen zu seinen Mitmenschen. Seine Freunde amüsieren sich.

Das Speiseeisangebot, das kaum einer liest
Das Thermometer klettert auf 13 Grad. Das Pflaster der Steiningergasse wäre an solch sonnigen Samstagen normalerweise bedeckt von Menschentrauben. Am Rindermarkt würden Müßiggängerinnen in den Sesseln vor einer Straßenbar Prosecco-Aperol schlürfen, die ersten Touristen mit gezücktem Handy die Gassen erkunden. Nichts von alledem. Als die Sonnenstrahlen den Morgendunst vertrieben haben und die Steine warmküssen, bleiben die beliebten Treffpunkte menschenleer. Ein Konditor hat eine große Tafel vor die Tür gestellt, die den Betrachter auf Frühling einstimmen soll. Mit Kreideschrift zählt er seine Eissorten auf, die er in der Eiskühltheke gleich hinter der offenstehenden Eingangstür feilbietet. Die Eistafel starrt ins Leere.

Hochbetrieb auf Baustellen
Kontaktsperren gelten nicht für das Handwerk. Im Vergleich zur übrigen Wirtschaft herrscht Hochbetrieb. Baumaschinen werkelten am Freitag auf dem Peschlgelände. Im Schatten des Stephansdomes versammeln sich am Samstag ein Dutzend Männer in blaugrauen Latzhosen, Monteure einer Heizungsfirma. 1,5 Millionen Euro investiert das Bistum Passau heuer in die Innensanierung: Elek­tro­in­stal­la­ti­on und Beleuch­tung, Brandschutz nach dem Sacré-Coeur-Drama in Paris. Gottesdienste und Orgelkonzerte nicht zu stören, war eine Herausforderung für die Handwerker. Sie ist durch die Corona-Sperre der Kirchen hinfällig geworden.

Geschlossene Grenzen? Nicht für österreichischer Bauunternehmer. Sie karren auf Tiefladern schweres Gerät nach Passau. Damit Bauanträge durch die Corona-Sitzungspausen nicht liegen bleiben, werden im Notstand Texte neu verfasst, Bauvorhaben von Behörden auf schriftlichem Wege durchgewunken. In allen Behörden? „In Passau werden dringliche Sache im Ferienausschuss behandelt“, sagt Pressesprecherin Karin Schmeller auf Anfrage. "Ferienausschuss" ist die auf die Zahl des Ferienausschusses begrenzte Notstadtratsitzung in der Corona-Krise: zwölf Stadträte und der Oberbürgermeister.

In der Nagelschmiedgasse vertreibt eine Frau um die 70 das Nichtstun mit Sinnvollem, sie befreit mit einem Besen, der an einem zwei Meter langem Verlängerungsstiel steckt, die stockwerkhohen Schaufenster eines Geschäftshauses von Spinnweben. 

Viel Platz für Radler
Die Radfahrer, die über die Marienbrücke radeln, haben freie Fahrt und viel Platz. Die wenigen Autos und Lieferwagen weichen ihnen im weiten Bogen aus, kein Gegenverkehr.

Leere Straßen verführen
Der Fahrer eines schwarzen, laut dröhnenden Pick-up-Monsters und der eines roten, tiefergelegten BMW mit Doppelrohrauspuff, sehen in der Krise andere Vorteile. Die weithin autofreie Regensburger Straße wird ihre private Rennstrecke. Tempo 70? Bei diesem schwachen Verkehrsaufkommen hat die Verkehrspolizei sicher Besseres zu tun, als Radarkontrollen aufzustellen.

Wer schneidet wem die Haare?
In den Wohngemeinschaften und Familien stellen sich neue Herausforderungen: Wer schneidet wem die Haare? Männer greifen mutig zur Maschine. Sechs Millimeter. Pflegeleicht. Alleinstehende Rentnerinnen leiden darunter, dass der Friseurbesuch ausfällt. Den Blick in den Spiegel ertragen sie nicht, empfinden die Situation als würdelos. Tipp: Trockenshampoo. Ein Schweizer Produkt, ein Pulver, das nur natürliche Bestandteile enthält und entfettet, führt die Bewertungslisten an.

Reaktionen auf aktuelle BB-Ausgabe
Auf Twitter schreibt ein BB-Abonnent: „War heute schon im Briefkasten. Meinen Respekt, unter diesen Umständen so ein dickes Magazin zu produzieren.“

Ein Steuerberater schreibt als Reaktion auf die aktuelle BB-Ausgabe per SMS: „Ohne funktionierende Wirtschaft gibt es zumindest mittelfristig kein Gesundheitswesen, das Alte und Kranke versorgt und es den Menschen ermöglicht, 87 Jahre und älter zu werden“ Ein grundsätzliche Verteufelung der Wirtschaft sei zwar in einigen Kreisen gerade sehr angesagt, aber „besonders intelligent ist es nicht.“ Der BB-Herausgeber hat in seinem aktuellen Editorial die Lage seiner angeblich 87-jährigen Mutter geschildert. Reaktion von seiner Mutter bekam dieser inzwischen auch. „Mein lieber Sohn, Du hast mich jünger gemacht. Ich werde dieses Jahr 89.“ 

Großplakate gehen ins Leere
Ein Baustoffhandel kündigt auf Großplakaten die Eröffnung seines neuen Centers an. Die Werbung hat sich wohl nicht stornieren lassen, sie geht ins Leere.

Jubiläumsfeier abgesagt
Rechtzeitig storniert hat ein Buchhändler die Feier zum 200-jährigen Jubiläum seines Betriebs. Ein Ausflugsschiff war für den Festakt gebucht. Als er vorausschauend den Termin stornierte, habe der Reeder verständnislos reagiert, der Kunde sei übervorsichtig. Bald stellte sich heraus, die Jubiläumsfahrt wäre in die Zeit der Kontaktsperre gefallen.

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Freitag, 3. April, 14. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 36. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Zahl der registrierten Corona-Infizierten ist im Stadgebiet sprunghaft angestiegen: plus 23 auf 78. Mit 150 Infizierten je 100.000 Einwohne wurde der bayerische Durchschnitt erreicht. 

Die Corona-Lage im Klinikum:

  • sechs Patienten werden künstlich beamtet
  • zwei Patienten werden behandelt auf der Intensivstation
  • fünfzehn Patienten sind in stationär Behandlung auf der Islorstation

Die Corona-Lage in den Passauer Altenheimen:

  1. "Rosenium" in Grubweg: zehn Bewohner und fünf Mitarbeiter infiziert; ein Todesfall
  2. "Residenz" Neustift: zwei Bewohner und drei Mitarbeiter infiziert
  3. Malteserheim "St. Nikola": ein Bewohner und ein Mitarbeiter infiziert
  4. "Jesuitenschlössl" Innstadt: ein Bewohner infiziert.

Damit stehen 23 der 78 Passauer Corona-Fälle in Verbindung mit Altenheimen.


Lufthansa: Notlandung im Reichstag?
Kehrt die Lufthansa zurück in den Schoß des Staates? Das deutsche Flugunternehmen hat in der Corona-Krise 90 Prozent seiner Flüge eingestellt, schließt eine staatliche Beteiligung nicht mehr aus. Seit 23 Jahren ist die Lufthansa vollständig privatisiert, bis 1963 war sie vollumfänglich in Staatsbesitz.

Wie schaut es aus mit Abstandhalten in den Stadtbussen?
Eine Rathaussprecherin bestätigt, dass der Fahrplan seit Tagen auf Samstagsbetrieb umgestellt worden sei. Man werde den Takt weiter reduzieren, denn die Auslastung sei gering. Zu den Stoßzeiten morgens mittags und abends, wenn etwas mehr los ist, seien Gelenkbusse eingesetzt, genug Platz zum Abstandhalten.

Stichprobe, Blick auf einen Bus, der die Schanzlbrücke mit dem Ziel nördlicher Landkreis quert: fünf Passagiere, ein junger Mann in der letzten Reihe, eine Frau in der ersten und die anderen verteilen sich mit Abstand in der Mitte. Es scheint vorbildlich zu funktionieren. Häufig sind Stadtbusse zu sehen, die überhaupt keine Fahrgäste befördern.

Zusammengepfercht im Minibus
Blick über den Tellerrand: In Kapstadt, der Hauptstadt Südafrikas, scheinen ein halbes Dutzend Familien, welche mit ihren weißen Minibussen das Monopol über den Nahverkehr haben, sehr einflussreich zu sein. Trotz der strengen Ausgangssperren und Versammlungsverbote, obwohl die Fahrgäste hier dicht gedrängt auf Tuchfühlung unterwegs sind, läuft ihr Betrieb offensichtlich mit staatlicher Genehmigung uneingeschränkt weiter. Corona entlarvt, wo der Abstand zwischen Regierung und Wirtschaft nicht passt.

Immer mehr Restaurants versuchen mit Abholservice die Zwangspause zu überbrücken.
Die Innstädter Pizzeria „venti tre“ hat mannshohe Aufsteller an die Straßen gestellt, plakatiert mit Klebeband an Litfaßsäulen. Bei anderen Wirten, zum Beispiel dem Feinschmeckerlokal „Pasta e vino“, muss der Vorübergehende ganz genau auf den Aushang blicken, um vom Abholservice zu fahren. Die Lokale bieten Essen zum Abholen meist zu den üblichen Öffnungszeiten an. Hier wird nachgetragen. Hinweise an: bestelokale@buergerblick.de. Hinzugekommen, das "Duftleben" in der Theresienstraße.

Mit einem zweisprachigen Aushang, englisch und deutsch, erklärt die Stadt, warum der Zutritt zu Spielplatz und Park an der Innpromenade mit rot-weißem Absperrband verboten worden ist.

Mehr häusliche Gewalt?
Das entschleunigte Leben entspannt auch die Lage bei der Polizei. Weniger Einsätze. Aber wie sieht es mit der Zunahme derjenigen Delikte aus, die mit dem ungewohnten engen Zusammenleben tun haben, häusliche Gewalt? Streiten Ehepartnern sich öfter sich bis aufs Blut, handfester Krach zwischen Kindern und Eltern? „Bislang bemerken wir nichts“, sagt ein Polizeipressesprecher.

Dickes Lob an die Post
Die BB-Exemplare, die wir am Donnerstag 16 Uhr an der Zentralpost in der Grünaustraße eingeliefert haben, landeten bereits heute in den Passauer Briefkästen. „Bei uns ist es ebenso ruhiger geworden“, sagt ein Mitarbeiter vom Verteilungszentrum in Straubing. Vermutung des Autors: In der Krise halten sich die Menschen mit Einkäufen im Netz zurück, das Geschäftsleben ruht und mit ihm die Geschäftspost.

Nachdenken in der Corona-Krise: Wäre nicht eine Neustruktuierung der Post- und Paketdienste überfällig? Die freie Markt mit seinen verschiedenen Anbietern hat Preiskampf und unfaire Löhne geschaffen, erzeugt unnötigen Stadtverkehr. Warum wird wenigstens am Ende der Kette nicht ein Zusteller je Stadtteil benannt. Der kennt sein Viertel wie seine Westentasche. Jetzt sind es viele und immer wieder neue Zusteller, Unwissende. UPS, Hermes, Pressepost, Deutscher Paketdienst - wenigstens am Endepunkt könnte alles in eine Hand gegeben werden.      

Die Kooperation zwischen BB und „Bücher Pustet“ klappt hervorragend.
„Wir haben heute schon einen Schwung Bürgerblick zur Post gebracht“, sagt Geschäftsführer Michael Henkel. Wer ein Einzelexemplar der historischen Ausgabe in Krisenzeiten möchte, kann per E-Mail (passau@pustet.de) oder telefonisch bestellen. Zum Kioskpreis ohne Versandkosten. Das aktuelle Heft trägt die Nummer 134. Die Logistik des Buchhändlers ist für unser Magazin eine große Hilfe. Es brauchte erst die Krise, um das zu erkennen. Wer jetzt Bürgerblick abonniert, sichtet die Existenz  eines alternativen Blättchens, das seit 15 Jahren die Medienvielfalt bedient.

 

Corona-Schutz: Mehr Busse und Bahnwaggons, damit die Passagiere Abstand halten können!
Heute morgen die Warnung vom Robert-Koch-Institut: „Es ist sehr wichtig, dass in den öffentlichen Verkehrsmitteln Abstand gehalten werden kann“, sagt Präsident Lothar Wieler. Es sei dafür zu sorgen, dass es dort keine Menschenansammlung gibt. Deshalb empfiehlt er: die Taktung erhöhen, mehr Waggons in den Zügen, damit sich die Passagiere aus dem Weg gehen können.

In Deutschland hat die Zahl der Todesopfer die 1000er-Marke überschritten. Im bundesweiten Durchschnitt sind 96 Infizierte je 100.000 Einwohner registriert, Bayern liegt bei der Durchseuchung (Inzidenz) an der Spitze mit 155; der Jüngste Corona-Tote war 28 Jahre alt; 55 Tote waren jünger als 60; 89 Tote waren zwischen 60 und 69 Jahre alt.

RKI-Präsident: Dunkelziffer bei Corona-Toten
Die Zahl der tatsächlichen Todesfälle werde unterschätzt, sagte Wieler. "Es werden eher mehr an Covid-19 sterben als registriert sind". Man werde bei den Toten (Anm. d. Red.: zum Beispiel bei häuslich Verstorbenen) mit den Tests nicht immer nachkommen, teilweise bei den Obduktionen den Nachweis nicht mehr erbringen können. Wieler geht deshalb davon aus, dass es also mehr Tote gibt als offiziell gemeldet.

Anmerkung: Die Krankheit, die das Virus auslöst wird als "Covid-19" bezeichnet. 

Die Pressestellen der Kommunen betonen oft, dass der Corona-Tote "Vorerkrankungen" hatte, der Tod "im Zusammenhang" mit Corona erfolgt sei. Diese Mitteilungen werden von Krisenkritikern herangezogen, dass Corona in Wahrheit weniger gefährlich sei. Wieler widerspricht heute: Die Sterberate in Deutschland werde weiter steigen. Sie liegt derzeit gemessen an den registrierten Infizierten bei 1,2 Prozent. 

Landestheater verschiebt Wagner-Oper
Das Opernhaus ist seit 11. März geschlossen, seit dem 20. März können Theaterleute und Musiker wegen der Kontaktsperre nicht mehr proben. Deshalb werden Produktionen in das nächste Jahr verschoben:

  • Wagner-Oper „Walküre“
  • Vivaldi-Oper „Herkules am Thermodon“

Die Schauspielstücke „Westend“ und „Ungeduld des Herzens“ ganz ausfallen oder im nächsten Jahr nachgeholt werden, ist noch offen. Bei der Wagner-Reihe “Der Ring des Nibelungen“ verschieben sich entsprechend auch die Folgestücke: „Siegfried“ auf das Jahr 2022 und „Die Götterdämmerung“ auf das Jahr 2023.

Alles andere, wie zum Beispiel die Burgfestspiele, liegt noch in der Schwebe.

Geheimes Corona-Krisentreffen im Rathaus
Wie jetzt bekannt wurde, hat der Ferienausschuss des Passauer Stadtrates am 25. März in einer geheimen Sitzung getagt. um über Corona, die Lage und die Prognosen zu beraten. An dieser Sitzung durften nur die Fraktionsführer teilnehmen. Warum geheim, zumal hier keine Persönlichkeitsrechte oder geschützte Belange besprochen werden? Die Öffentlichkeit soll möglicherweise vor Wahrheiten geschützt werden, die zur Beunruhigung, zur Panik führen könnten? Beispielsweise darüber, wie lange es wirklich dauert, bis diese Seuche überstanden ist. Es wird befürchtet, dass es sich mehrere Monate hinziehen könnte, Optimisten schätzen bis Ende Mai. 

In China begann man nach etwa drei Monaten schrittweise zu einem geregelten Leben zurückzukehren.

Sport: Die Spitzenfußballer bangen um ihre Zukunft. Im Juni laufen viele Verträge aus.

Das Robert-Koch-Institut ist von seiner Haltung abgerückt, dass eine "Voksmaske" überhaupt nichts nütze. 

  • Viele sind infiziert ohne es zu wissen; eine Maske schützt das Gegenüber um umgekehrt, ist also besser als nichts.
  • Wenn im Freien Masken getragen werden, wird die Gefahr für die Menschen permanent sichtbar, dies unterstützt diszipliniertes Verhalten. Umgekehrt sollte man sich deshalb keinesfalls in Sicherheit wiegen.
  • Auch mit Maske gilt: Hygieneregeln und Abstand einhalten.

Die Sorge der Politiker, dass die Bevölkerung dem medizinischen Personal die Masken wegnimmt, ist unberechtigt. Man muss unterscheiden: Dort die lizenzierten Virenfiltermasken für Ärzte und Pfleger, da die oft selbstgenähten oder mittlerweile von vielen Schneidereien angebotenen Baumwolltücher. Dass Ärzte in der Not sich selbst Stoffmasken nähen, gehört allerdings auch zur Wahrheit des Mangels. 

  • Die Stoffmasken sollten gewechselt werden, wenn sie durchfeuchtet sind
  • Vor Wiederverwendung genügt es, sie mit Seife (wie die Hände) gut zu waschen. Viren sind keine Bakterien, deshalb ist auskochen nicht notwendig.

Corona-Schnelltest entwickelt
Den Forschern ist zusammen mit Wissenschaftlern aus Leipzig ein Durchbruch gelungen. Ein Schnelltest, ein Tropfen Blut auf einem Teststreifen lässt erkennen: Habe ich eine Coronavirus-Infektion bereits hinter mir, bin ich immun? Erkrankte, mit und ohne Symptome, bilden im Blut sogenannte Antikörper, die nachweisbar sind. Wenn der Test massentauglich werden sollte, wäre das ein hilfreicher Schritt. Der Selbsttest zeigt, wer Corona überstanden hat und sich in das normale Leben wieder eingliedern kann. Vor allem an der Front des medizinischen Personals wäre dieser Test eine große Hilfe. Vorsicht: Derzeit sollen Geschäftemacher nicht ausgereifte Schnelltests anbieten!

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Donnnerstag, 2. April, 13. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 35. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Lage in Stadt und Land
Die Zahl der Infektionsfälle hat sich in der Stadt um 3 auf 57, im Landkreis um 19 Fälle auf 194. Stadt und Land haben damit eine registrierte Durchseuchung von mindestens 1 Person je 100.000 Einwohner.
Eine 95-jährige Frau wird im Stadtgebiet als das zweite Todesiopfer registriert. 

Klinikum werden 20 Corona-Patienten behandelt, davon werden 5 künstlich beatmet.

Soldaten testen Corona-App
Die Bundeswehr testet die Corona-App, die zum Einsatz kommen soll. Sie zeichnet auf, wer wann wo mit dem Kontakt hatte. Die persönlichen Daten bleiben anonym. Stellt sich heraus, dass man in der Umgebung eines Infizierten war und Ansteckungsgefahr droht, erfolgt eine Warnung per SMS. Die Teilnahme ist freiwillig. Kannst du den Merkel sagt, sie würde diese App auch benutzen. 

Bürgerblick erscheint mit Corona-Chronik
Das Lokalmagazin Bürgerblick ist trotz der Krise - Einbruch der Werbewirtschaft - auf den Markt gekommen. Die "Notausgabe" ist umfangreicher als normal, 74 statt 60 Seiten. Kostenlose Anzeigenblätter wie "Wochenblatt" und "Am Sonntag" sind vorübergehend eingestellt worden, das Gastromagazin "Pasta!" hat auch ausgesetzt.

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Mittwoch, 1. April, 12. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 34. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Laut Bayerischem Gesundheitsministerium liegt die Testkapazität bei 13.000 am Tag. Mehr als 110.000 Testergebnisse liegen mittlerweile vor, davon fielen statistisch gesehen 8,7 Prozent positiv aus.

Der Landkreis Passau meldet um 17 Uhr, dass sich die Todesfälle statistisch heute um zwei weitere auf fünf erhöht haben.
Im Klinikum Passau starb ein 65-jähriger Corona-Patient, der künstlich beamtet worden ist. Ein weiterer Landkreisbürger, 70, positiv auf Corona getestet, erlag in einer "auswärtigen Klinik", wie es heißt, einem Herzinfarkt. Rückfragen sind nicht möglich, da der Pressesprecher die Mitteilung abgesetzt und sich dann verabschiedet hat. Insgesamt sind im Landkreis 32 neue Fälle registriert worden, damit aktuell 175. Somit sind 91 von 100.000 Einwohnern infiziert.

Die Lage in Passau: 55 Corona-Infizierte (plus 3).  Im Klinikum Passau werden 22 Patienten, auch von außerhalb, behandelt; davon fünf künstlich beatmet und einer auf der Intensivstation. Die Situation in den Altenheimen wurde aktualsiert (siehe weiter unten).

Verpflegungszuschuss für Pflegekräfte
Das Virus schenkt ein klein bisschen Lohngerechtigkeit. Wie Gesundheitsministerin Melanie Huml mittags der Presse mitteilt, erhalten ab sofort alle bayerischen Pflegekräfte einen täglichen Zuschuss von 6,50 Euroa für Verpflegung. Das Geld wird dem "Sonderfond Conrona-Pandemie" entnommen. Diese Zuwendung gilt für alle Einrichtungen, vom Altenheim bis zum Klinikum; sie schließt alle Mitwirkenden ein, von der medizinischen Assistentin über den Verwaltungsangestellten bis zur Reinigungsfrau.

Drei Corona-Tote im Landkreis
Das Landratsamt Passau teilt mittags mit, dass im Krankenhaus Vilshofen ein 79-jähriger Corona-Patient verstorben ist; der dritte registrierte Tote im Landkreis in der Corona-Krise. Wie das Gesundheitsamt auf Anfrage mitteilt, werden posthum auf Corona positiv getestete Verstorbene nicht in die Statistik aufgenommen, wenn die Todesursache eindeutig anders gelagert ist; wie etwa Tod durch Unfallverletzungen oder Blinddarmdurchbruch.    

Dienstag, 31. März, 11. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 33. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Zur Ruhe kommen. Nachdenken. Über sich selbst. Näher seiner Familie sein. Das Wesentliche entdecken. Das sind Stimmen, die der Reporter von Menschen aus der Quarantäne wahrnimmt. Manche empfinden es, als wären sie aus ihrem Hamsterrad gestoßen worden. Erst empört darüber, dann die Augen öffnend und sich gewahr werdend, dass es da noch was anderes gibt. Leben. Das alte, rastlose war wie eine Flucht. Ob es anhält? "Wir werden daraus lernen und uns neu ausrichten", sehen viele optimistisch in die Zukunft. Ob es gelingt? 

Auch das wird wahrgenommen: Das erste Mal hören Politiker wachsam auf die Wissenschaft - und sind taub auf dem Ohr der Wirtschaftsflüsterer. Das Virus verwirklicht für einen Moment, was die junge Klimaschutzbewegung sich in ihren kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können: Flugzeuge bleiben am Boden, die Kreuzfahrt liegt still und der SUV bleibt in der Garage.

Dieses Video, aus dem Italienischen übersetzt, mag vielleicht ein bisschen kitschig sein, aber es trifft bei vielen Leuten den Nerv. "Ein Brief von Covid-19", wie es der unbekannte Autor nennt.
Die Nachrichtenlage finden Sie weiter unten.

Bitte nehmen Sie die Quarantäne Zuhause und Abstandhalten im Freien sehr ernst oder sprechen Sie ihre Mitmenschen darauf an, wenn diese glauben, es nicht ernst nehmen zu müssen. Bayern befindet sich erst am Anfang dieses Seuchengeschehens. Jeder einzelne kann seinen Beitrag leisten, wenn er sich und andere schützt. Viele tragen keine Symptome und wissen überhaupt nicht, dass sie ansteckend sind. Man muss von einer hohen Dunkelziffer ausgehen.

%PIC16611%Corona-Infektionen in mittlerweile drei Passauer Altenheimen haben den Oberbürgermeister zu neuen "Allgemeinverfügungen" veranlasst, um diese besonders gefährdeten Stadtbewohner zu schützen.

  • Die Bewohner dürfen das Gelände nur aus "triftigem Grund" zwischen 7 und 9 Uhr und von 13 bis 15 Uhr verlassen.
  • Ausgang und Rückkehr sind von der Heimleitung schriftlich zu dokumentieren
  • Neue Bewohner dürfen nur aufgenommen werden, wenn eine zweiwöchige Quarantäne gewährleistet werden kann
  • Altenheimmitarbeiter sollen die Kontakte zu Kollegen und Bewohnern auf ein Mindestmaß beschränken; falls dies organisatorisch nicht möglich ist, besteht Maskenpflicht
  • Altenheimbetreiber müssen bis spätestens 5. April einen Notfallplan vorlegen, wie sie in einem Coronafall verfahren.
  • Für jedes Altenheim muss ein Seuchenbeauftragter benannt werden

Mit diesen Fällen haben die Mitarbeiter vom Gesundheitsamt und Ärzte in Passau zu kämpfen:

  • 1. Altenheim Rosenium Grubweg1: zehn infizierte Bewohner, davon einer verstorben; ein Mitarbeiter
  • 2. Altenheim Seniorenresidenz Neustift: ein infizierter Mitarbeiter
  • 3. Altenheim St. Nikola: einr infizierte Mitarbeiterin und eine infizierte Bewohnerin (neu)
  • 4. Altenheim Jesuitenschlössl: ein infizierter Bewohner (neu)

Insgesamt haben sich die Coronafälle heute um 7 auf insgesamt 52 Fälle erhöht. Damit liegt die "Durchseuchung" in der Stadt exakt bei einer Person je 1.000 Einwohner.

Die 87-jährige Mutter des Reporters hat angerufen. "Kannst Du mir bitte eine Maske besorgen?" Sie hat die Nachrichten aus Österreich gesehen. Es werde bei uns doch auch bald Pflicht werden und sie möchte auf ihren täglichen kleinen Spaziergang nicht verzichten. Sie wird morgen eine FFP3-Maske mit dem gefüllten Einkaufskorb bekommen. Der Reporter hat in seiner Campingausrüstung welche gefunden, aus der Vogelgrippezeit.

Im Landkreis Passau hat sich heute die Zahl der registrierten Infektion um 23 auf 154 erhöht.


Die Süddeutsche Zeitung meldet, dass Bayern nach der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen die Maskenpflicht einführen will. Eine Notproduktion von 1 Million Masken je Tag soll mit einheimischen Firmen aufgebaut werden. Auch in Bayern hergestellte Beatmungsmaschinen sind in Planung.

Die medizinische Lage in Passau: Im Klinikum Passau werden derzeit sieben Coronavirus-Patienten, der jüngste 50 Jahre alt, künstlich beatmet. Weitere siebzehn Corona-Erkrankte liegen auf der Isolierstation stationär. 

Es handelt sich bei den beatmeten Corona-Patienten an den Beamtungsgeräten nicht, wie man vermuten möchte, um infizierte Bewohner aus einem Altenheim in Grubweg, sondern um andere Patienten ab 50 Jahre; manche kommen auch von außerhalb des Stadtgebiets.

Im Grubweger Altenheim war die Seuche eingeschleppt worden, zehn Rentnerinnen und Rentner haben sich angesteckt, ein Mann starb.

%PIC16610%"Es gibt keine Alternative zur Quarantäne", spricht sich der für die Corona-Seuche bestellte Passauer Versorgungsarzt Armin Spechter für die Ausgangsbeschränkungen aus. Der Blick in die Intensivstation am Klinikum Passau zeige, wie wichtig diese Maßnahme sei.

Wie viele Masken und Schutzbekleidungen hat Spechter in der Gemeinschaftspraxis? Er schätzt 20 Stück. Seine Tochter arbeite im selben Beruf, sei unterwegs, um bei Coronavirus-Verdächtigen Abstriche zu nehmen, erzählt er. In seiner Hausarztpraxis hat er spezielle Sprechstunden für Infektionserkrankugen eingeführt, damit Kontakte mit den anderen Patienten ausgeschlossen sind.

Welche positiven Aussichten gibt es? Vielleicht könnte man im Mai beginnen, eine neue Testreihe einzuführen: Wie weit ist die Durchseuchung vorangeschnitten, welche Bürger haben Immunität entwickelt und können wieder in den normalen Alltag zurückkehren? Diesen Aspekt zu untersuchen, sei vor allem für das ärztliche Personal wichtig. Noch seien die Labore nicht in die Lage, die gebildeten Antikörper nachzuweisen. Zeit und Geduld haben, so lernt der Mensch in Seuchenzeiten, sind neue Werte.

Im Katastrophenfall ist der Versorgungsarzt dafür zuständig, die ambulante Betreung der Stadtbevölkerung zu sichernt:  rund 30 Hausärzte, 20 Fachärzte, 30 Zahnärzte und eine handvoll Psychologen.

Minister Präsident Söder sagt, dass Maskenpflicht in Bayern erst mal kein Thema sein. Wichtiger sei es, das medizinische Personal zu versorgen. 

Was soll man in einem Land auch anderes sagen, wenn Schutzmasken Mangelware sind?

Die Ansteckungswelle in Bayern, so Söder gestern, scheint etwas gebremst zu laufen. Die Zahl der registrierten Infizierten verdoppelte sich zuletzt alle 2,6 Tage, jetzt dauert es 5. Die ersten Auswirkungen der Ausgangsbeschränkungen?

Paketboten mit Masken
11.20 Uhr: An der Haustpür klingelt ein Paketbote, der für den Nachbarn etwas abgeben will: Er hält drei Meter Abstand, trägt OP-Maske; ein osteuropäischer Mann um die 50.

Fußball mit Pappkameraden als Zuschauer
Der Fußball und seine Partner suchen sich in der Corona-Publikumspause neue Geschäftsmodelle: Jeder kann sich als Pappkamerad im Stadion aufstellen lassen. Foto einschicken, kostet 19 Euro. So wird es diskutiert bei „Borussia Mönchengladbach“. Abgeschaut in USA, den Basketballern in Lincoln.

In Rimini hat ein 101-jähriger die Coronaerkrankung überlebt. Das berichtet der Bürgermeister der Presse. Unbeschadet erlebt hat der Glückliche bereits die Spanische Grippe und den Weltkrieg. 

Quarantäne im Feuerwehrhaus
Die Feuerwehrleute in Bergen auf der Insel Rügen habe sich nach einem negativen Coronatest zu einem freiwilligen Schritt entschlossen, um vermeiden, sich anzustecken und jederzeit einsatzbereit zu sein: Sie quartierten sich geschlossen im Gerätehaus ein, zwei Wochen ohne Freunde und Familie. Bekannt wurde dies, weil Quarantäne-Kanzlerin Merkel sich mit einem persönlichen Anruf bei den Feuerwehrleuten ihres Wahlkreises nach dem Befinden erkundigen wollte.

Grünen-Stadtrat als Krisenarzt bestellt
Zum „Versorgungsarzt“ in der Corona-Seuche
hat Oberbürgermeister Jürgen Dupper den für die Grünen in den Passauer Stadtrat gewählten 52-jährigen Arzt Dr. Achim Spechter (7.092 Stimmen) bestellt. Der Internist betreibt seit 14 Jahren eine Hausarztpraxis, ist niedergelassen in der Neuen Mitte.

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Montag, 30. März, 10. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 32. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Österreich ab Mittwoch Maskenpflicht
Kanzler Kurz lässt ab Mittwoch in allen Supermärkten Masken ausgeben. "Ab diesem Zeitpunkt ist es Pflicht, diese beim Einkauf zu tragen", schreibt er. Einfache Masken sind kein Ersatz für Abstandhalten, kein garantierter Virenschutz, aber schützen andere und sich selbst. Es gibt vermutlich viele Virenträger ohne Symptome, die bereits beim Sprechen infektiöse Speichelspritzer verteilen. Wer Maske trägt, kann sich selbst mit verseuchten Händen nicht infizieren, weil er sich nicht an Nase und Mund fassen kann. Zur Maske gehöre sinnvollerweise eine Brille, sagen Ärzte, weil der Erreger vor allem auch durch die Bindehaut übertragen wird.

Selbst die günstigen OP-Masken für wenige Cent sind in Deutschland nicht erhältlich. Viele Näherinnen und Schneider wie in Passauerin Elke Burmeister produzieren jetzt Volksmasken in Eigenregie. "Die Maske könnte ein Modetrend werden, wenn sie hilft, umso besser?", sagt sie. Gut funktionieren Masken aus Baumwollstoff, die mit "selbst gebastelten Filtern vom Stausauger oder von Slipeinlagen" aufgerüstet werden können, wie Burmeister weiß.

Dieser Redaktion liegen abenteuerliche Informationen vor: Eine Privatkinik hatte den Ärzten vor wenigen Tagen noch untersagt, keine Schutzmasken zu tragen. Es würde "die Patienten verschrecken." Mittlerweile nähen sich Ärzte in selbst Baumwollmasken, die wiederverwendbar und auszukochen sind. Es sei bessser als nichts. Der Mangel an Masken und Schutzbekleidung ist die deutsche Krise in der Corona-Krise. Woher nimmt Österreich die Masken als Massenware für die Bevölkerung?

Seuchengesetze für Hausmüll in Kraft
In Haushalten, in denen Coronavirusträger oder Virusverdächtiger wohnen, ist jeglicher Abfall, der normalerweise getrennt wird, in "möglichst reißfesten Abfallsäcken" wie Restmüll zu sammeln: Altpapier, Biomüll, Verpackungen. Die Säcke müssen gut verknoten oder zugebunden über die Restmülltonne entsorgt werden. Jeglicher anderer Recyclingabfall (Glas, Elektro, Batterien) oder Pfandflaschen wird aufbewahrt und dann entsorgt, wenn die Isolation- oder Quarantänezeit der Bewohner zu Ende ist. Für alle anderen Bürger gilt das Gebot der Abfalltrennung. "Alle diese Maßnahmen sind richtig, aber viel zu spät", sagt ein Arzt. Die Maßnahmen gelten nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts.

Um 17.30 Uhr gibt das Landratsamt bekannt, dass die Zahl der Infizierten sich um 3 auf 120 Fälle erhöht hat. Die Infektionsrate liegt bei 63 Einwohner je 100.000 Einwohner- 

In Ungarn hat Präsident Urban die Corona-Krise missbraucht, um mit Notstandsgesetzen die Macht entgültig an sich zu reißen. Er prangert letzten freien Medien an, in der Krise von der Bevölkerung Geld zu schnorren. Journalisten, die "Falschnachrichten" verbreiteten, drohe Gefängnis. Die Schere im Kopf werde wirken, sagt ein Kommentator des Bayerischen Rundfunks.

Versorgungsarzt für Stadtgebiet eingesetzt
Neue Anweisung aus dem Ministerium: Die Kommunen müssen einen "Versorgungsarzt" benennen, der in der Bekämpfung der Seuche dafür sorgt, dass ausreichend Ärzte, Schutzausrüstung und Medikamente vorhanden sind. 

"Ich bin überrascht wie viele Leute auf der Straße unterwegs sind", sagt ein Mediziner. In der Passauer Innenstadt und im Bahnhofsviertel sei kaum etwas von den Ausgangbeschränkungen zu bemerken. Die Supermarktangestellten seien nervös bemüht Abstand zu halten; die Einkaufenden eher unbekümmert. Warum Paare gemeinsam einkaufen gehen, verstehe er nicht. Jugendliche, die zu viert und fünf unterwegs sind, seien keine Seltenheit. An den Kassen sind Bodenmarkierungen angebracht, damit Mindestabstand gehalten wird. "Während die Frauen sich penibel daran halten, oft mehr als zwei Meter, nehmen die Männer es eher lässig."

Ministerpräsident Markus Söder hat die aktuellen Ausgangsbeschränkungen bis 19. April verlängert.

Die Zahl der Corona-Infizierten Bewohner im Altenheim in Passau-Grubweg hat sich um drei auf zehn erhöht. Insgesamt gibt es sechs neue Fälle. Im Klinikum Passau werden jetzt achtzehn Corona-Patienten behandelt, davon fünf an Beatmungsmaschinen und sieben auf der Intensivstation.

Allein die deutschen Arztpraxen benötigten in den kommenden Monaten mehr als 100 Millionen Schutzmasken, meldet die Süddeutsche Zeitung. 

%PIC16500%Heute 18 Uhr: Debatte um Gesetze gegen Hasskriminalität im Internet
Wie groß ist in der Corona-Krise das Interesse an Live-Übertragungen von ehemals öffentlichen Veranstaltungen im Netz? Der Deutsche Journalistenverband und der Deutsche Anwaltverein werden heute eine Podiumsdiskussion mit Justizministerin Lamprecht zum neuen Gesetzpaket „Gegen Hasskriminalität“ übertragen. Das Gesetzpaket ist umstritten, weil es in die Freiheitsrechte im Internet eingreifen könnte. „Richtiger Schritt oder falsche Richtung?“. Lamprecht wird den Gesetzentwurf vorstellen und danach wird sie mit Juristen und Journalisten darüber diskutieren. www-alex-berlin.de/tv/livestream. Heute 18 bis 19.30 Uhr. www.alex-berlin.de/tv/livestream

Altenheime müssen Seuchenbeauftragte benennen
Nachdem sich die Fälle mit infizierten Altenheimbewohner häufen, diese Menschen besonders gefährdet sind an COVID-19 grausam zu sterben, die ersten Todesserien sich in den Statistiken niederschlagen, hat Gesundheitsministerin Melanie Huml neue Anweisungen erlassen. Die Pflegeheime müssen einen Seuchenbeauftragten benennen, der die Ausbreitung protokolliert, dafür sorgt, dass Betroffene sofort isoliert und in Corona-Kliniken verlegt werden. Die Mitarbeiter von Pflegediensten und Angehörige, die Pflege leisten, können sich bei den rund einer zehn bayerischen Fachstellen telefonisch oder per E-Mail beraten lassen. 

Ausgangsbeschränkungen: 16 Anzeigen in Passau
Kein Nachtleben, keine Partys, keine alkoholisierten Gruppen, die sich prügeln könnten. „Es sind ruhige Zeiten für uns“, sagt ein Passauer Polizeibeamter. Umso mehr können sich die Kräfte darauf konzentrieren, die Ausgangsbeschränkungen zu kontrollieren. Die Beamten der Polizeistation Passau werden von Bereitschaftspolizisten unterstützt. Am Wochenende stellten die Beamten 16 Anzeigen aus. Die Verstöße: Menschen sind in kleinen Gruppen unterwegs oder zu zweit mit Mitgliedern aus fremden Haushalten; oder sie halten den Mindestabstand nicht ein. Die Bußgelder beginnen bei 150 Euro.

Bei der Verkehrspolizei wird die Ruhe in den täglichen Presse aus Sendung erkennbar. Immer häufiger heißt es „Fehlanzeige“, keine Vorkommnisse.

Frischluftsuchende im Wald
Der Spaziergang an frischer Luft ist der neue Volkssport geworden. „Auf meinen Strecken im Neuburger Wald, wo ich früher maximal fünf Leute getroffen habe, begegneten mir jetzt fünfzig“, sagt ein 30-jähriger Mountainbiker aus Hacklberg.

Kurzarbeit im Getränkehandel
Beim einem der größten Getränkehändler der Region sind die Umsätze angeblich um 30 Prozent zurückgegangen. Die Kunden der Gastronomie sind weggebrochen. Kurzarbeit. „Wenn das nicht bald aufhört, wird es schlimm“, sagt ein Mitarbeiter.

Gedruckter April-Bürgerblick erscheint
Nach einem Kraftakt aller Mitwirkenden geht das April-Magazin Bürgerblick Passau in Druck. Herausgeber und Grafiker hat sich in Heimarbeit abgewechselt, eine Handvoll Medienstudenten die Redaktion unterstützt. 

Ab dem Tag, an dem erste COVID-19 Patient im Klinikum Passau eingeliefert worden ist, 3. März, hat der Journalist Hubert Jakob Denk von früh bis spät die Ereignisse und Nachrichten vor der Haustür und in der Welt aufgezeichnet. Sie sind auf diesem Nachrichtenlauf zu finden. Es waren nach 21 Tagen 100 DIN-A-Seiten. Mehr zum Magazin in Kürze.

Die Corona-Krise mit all ihren Folgen lehrt uns, wie wichtig unabhängiger, freiheitlicher Journalismus ist. Diese wichtige Säule der Demokratie darf nicht umfallen, wenn die Wirtschaft einbricht. Die Journalisten brauchen zahlende Leser und Unterstützer. Hinter Bürgerblick steht kein Verleger, sondern ein freier Journalist. Verlage haben teilweise auf Kurzarbeit umgestellt; Gratisblätter, die vollumfänglich von der Werbewirtschaft abhängig sind, wurden vorübergehend eingestellt.

Neben zahlenden Abonnenten und Kioskkäufern haben diese Ausgabe unterstützt die Sparkasse Passau und die AOK mit je 1.000 Euro, mit dreistelligen Beträgen die monatlichen Unterstützer Druckerei "Passavia", die Bio-Bäckerei Wagner und Elektriker Michael Kapfer. Die Telepark Passau hat technische Unterstützung geleistet, am Heimarbeitsplatz das Internet innerhalb kurzer Zeit auf die schnellste Leitung geschaltet. Eine Magazinproduktion über 75 Seiten mit den Mitwirkenden ausschließlich über das digitale Netzwerk zu koordinieren und zu erstellen, ist Neuland und bedarf starker Nerven.

Sonntag, 29. März, 9. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 31. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Zahl der Coronavirus-Infizierten hat sich im Altenheim in Grubweg um eine weitere Bewohnerin auf sieben erhöht. Damit sind es in Passau, Stand Sonntagabend, 39 Fälle. Im Klinikum werden vierzehn Patienten behandelt, davon vier auf die Intensivstation und zwei unter künstliche Beatmung.

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Samstag, 28. März, 8. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 30. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die Stadt Passau meldet um 18.10 Uhr den ersten Corona-Todesfall. Ein 87-jähriger Mann, der sich in einem Altenheim in Passau-Grubweg infiziert hatte. Bereits am Donnerstag war im Kreiskrankenhaus Rottalmünster eine 70-jährige Rentnerin verstorben, die an Corona litt.

Die Zahl der Infizierten im Stadtgebiet hat sich heute um 10 auf 37 erhöht. Sechs der Neuinfizierten sind Bewohner des Altenheims "Rosarium" in Passau-Grubweg, darunter der gemeldete Todesfall.

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Freitag, 27. März, 7. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 29. Tag der bayerischen Infektionsserie.

Die letzte Pressemitteilungen vor dem Wochenende waren keine erfreulichen. Das Coronavirus hat in Passau zwei Altenheime erreicht. Zwei der neun Coronapatienten im Klinikum werden künstlich beatmet.

Eine Altenheimbewohner aus Grubweg und ein Altenheimmitarbeiter sind positiv getestet worden. Der 87-jährige Rentner kommt auf die Intensivstation des Klinikums.

Im Kreiskrankenhaus Rottalmünster ist am Donnerstag eine 70-jährige schwerkranke Patientin verstorben. Bei dieser Rentnerin hatte sich erst im Nachhinein beim Test herausgestellt, dass sie vom Coronavirus infiziert war.

Der führende Krisenmanager in Passau ist Oberbürgermeister Jürgen Dupper. Er ist mit seinen Funktionen für das städtische Krankenhauswesen und die Organisation des landkreisübergreifenden Sanitätsdienstes zuständig. Krankenhäuser, Privatkliniken, Rehakliniken, Kinderklinik und Bezirksklinik müssen gemäß einer Allgemeinverfügung der Ministerien vom 24. März jetzt Hand in Hand arbeiten, um die Kapazitäten in der Pandemie zu stärken. Als ärztlicher Koordinator ist für das Stadtgebiet Klinikumsdirektor Dr. Hans Emmert bestellt worden. Das Treffen aller Verantwortlichen fand am gestrigen Freitag statt.

Die Situation am Klinikum:

  • An den 27 vorhandenen Beatmungsmaschinen sind derzeit 2 Corona-Patienten und 8 andere Notfallpatienten angeschlossen; somit sind 17 Beatmungsgeräte auf Reserve.
  • Zu den beiden Corona-Patienten unter künstlicher Beamtung kommen sieben weitere, die stationär behandelt werden.
  • Von den 34 Plätzen der Intensivstation sind 2 von den genannten Corona-Patienten belegt, 11 von anderen Notfallpatienten; somit sind 13 auf Reserve

Kurzfristig, so heißt es in dem veröffentlichten Papier, könnten neun weitere Plätze auf der Intensivstation mit Beatmungsgeräten geschaffen werden – wenn diese geliefert werden.

Eine Meldung am Rande: Die Stadt Passau hat alle Parkgebührenautomaten stillgelegt. Denn viele Automobile sind in der Heimarbeit Stehmobile geworden und brauchen Platz.

Grenztankstelle ist Geistertankstelle
Hinweis an alle Tanktouristen: Die Fahrt nach Achleiten erübrigt sich. Die Grenztankstelle ist zur Geistertankstelle geworden, geschlossen. Gestern sah der Reporter, das immer noch einige wenige Autofahrer sie anfahren, dann umkehren und sich der Einreisekontrolle unterziehen müssen.

Kommunen im Stress der Neuregelungen
Ministerien geben seit dem ausgerufenen Katastrophenfall den Kommunen tagtäglich neue Anweisungen, was neu zu regeln ist. Mehrmals am Tag bis zu 20 Seiten dicke Schriften. Man komme kaum hinterher es zu lesen, sagt ein Beamter. Die Rathäuser arbeiten seit Tagen im Krisenmodus.

27 Infizierte im Stadtgebiet
%PIC16597%Die Zahl der infizierten im Stadtgebiet ist auf 27 gestiegen. Hinzu gekommen sind gestern eine Frau, 42, und zwei Männer, 62 und 50. Tags davor gab es zwei positiv Getestete, eine Frau 55 und ein Mann 59.

Das städtische Ordnungsamt hat für 100 Kontaktpersonen Quarantäne angeordnet.

Ins Bewusstsein sollte sich jeder rücken: Wenn Quarantäne (Virusverdächtige) oder Isolation (Virusträger mit und ohne Symptome) Menschen trifft, die wichtige Strukturen unserer Gesellschaft aufrechterhalten, kann es zu folgenschweren Engpässen kommen. In der Medizin gelten im Notstand besondere Regeln: Wer sich infiziert, arbeitet weiter, wenn er sich in der Lage fühlt.

Neues Wort im "Krieg gegen Corona": Triage
Die Mitwirkenden in den Krankenhäusern sind nicht zu beneiden. Sie müssen mit dem Mangel an Schutzmasken und Schutzkleidung zurechtkommen, im Kopf durchspielen, dass die „Triage“ eintritt. Was dieses Wort bedeutet? Es beschreibt die schrecklichste Lage der Humanmedizin, wenn den zu Rettenden zu wenig Retter oder Rettungsmaterial gegenüberstehen. Die Ärzte müssen entscheiden, welchen Verletzten oder Erkrankte sie bevorzugt an die Reihe nehmen. Patienten nach Ersteinschätzung sortierten. Eine Situation wie auf einem militärischen Schlachfeld. Keiner will das.

Diese Krise wird zur Katastrophe, wenn die Triage eintritt. Es geht nicht um das politische und gesellschaftliche Kräftezerren "Gesundheit oder Wirtschaft", sondern um eine Kernfrage für unsere Zivilisation: Wollen wir die Menschenwürde auf dem Altar des Wohlstands opfern?

Anmerkung des Autors: Wer diese Tragik versteht, wird  jede erdenkliche Vorsichtsmaßnahme zu treffen, damit er nicht selbst zum Verbreiter der Krankheit wird. Aus Eigenverantwortung, vorausblickend, über das Mass jeder gesetzlichen Anordnung hinaus.

Die Zahl der Coronavirusträger hat in Bayern die 10.000er Marke, in Niederbayern fast 1.000er Marke erreicht.
Der Landkreis Rottal-Inn hat mit einer Durchseuchung von 141 Menschen je 100.000 Einwohner einen Spitzenwert; Bayern liegt bei 78, Niederbayern bei 81, Passau Landkreis 38 und Stadt 46.

Deutschland hat auf die Bevölkerung gesehen die höchste Ausstattung an Beatmungsgeräten, der Notstand liegt woanders: zu wenig Schutzbekleidung, zu wenig Atemschutzmasken. 

Die Produzenten sind in Asien und USA. Ohne Schutz sind Ärzte und Pflegepersonal nicht in der Lage die Patienten so zu behandeln, wie es sein sollte. Weltweit hat der Kampf um das Schutzmaterial begonnen.

Im Passauer Klinikum sind 1.000 Masken (FFP2) gestern eingetroffen. Mindestens drei Masken pro Tag brauchen Ärzte im Einsatz.

In den USA werden Sanitätsschiffe des Militärs als Notkrankenhäuser vorbereitet. Das Land, viermal so viele Menschen wie Deutschland, steht am Anfang der Krise.

Ein Papst Franziskus ohne Publikum hat angesicht der weltweiten Seuche den Sondersegen "Urbi et Orbi", der Stadt Rom und dem Erdkreis, erteilt.
Ein historischer Moment, wie so viele in dieser Zeit. Dieser päpstliche Segen wird das erste Mal außerhalb der hohen Kirchenfeste, Ostern und Weihnachten gegeben. Seine Mahnung im Gebet: „Wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört.“

Die konsequenten Kontaktsperren und unser eingeschränktes Leben sind höchst dringlich: In drei Krankenhäusern von Stadt und Land werden derzeit zwei Dutzend Corona-Patienten stationär behandelt; sechs davon liegen auf der Intensivstation.

Gut möglich, dass darunter Fälle aus dem Nachbarlandkreis Rottal-Inn sind, wo Infektionsrate dramatisch ansteigt. Ob das Verhalten der Bevölkerung die Epidemie beschleunigt oder abschwächt, das wird sich nächste Woche zeigen.

Einen sichtbaren Erfolg des angeordneten öffentlichen Stillstands können die Mitarbeiter im Gesundheitsamt in Fürstenzell erkennen: Der Kontaktkreis der Infizierten wird zunehmend kleiner, die Chance, die Ausbreitung unter Kontrolle zu halten, steigt. So wie es die Mediziner vom Robert-Koch-Institut dringend fordern: die Infektionsketten brechen! Das Gesundheitsamt ist mit Mitarbeitern des Landratsamte von einst vier auf zwölf verstärkt worden.

Die Zahl der Todesfälle hat sich in vier Tagen in Bayern verdoppelt auf 52.

Die Lage an den Krankenhäuser im Detail:

  • im Klinikum Passau zehn Patienten, davon zwei auf intensiv;
  • im Krankenhaus Vilshofen zwölf Patienten, davon zwei auf intensiv;
  • im Krankenhaus Rotthalmünster zwei Patienten auf intensiv.
  • im Krankenhaus Wegscheid gibt es keine Intensivbetten. 

Die Kapazität:

  • 85 Isolierbetten in den drei Landkreiskrankenhäusern, davor 39 in Vilshofen.
  • 45 Isolierbetten für Corona-Patienten im Klinikum Passau, davon 34 intensiv; bis zu 27 Patienten können gleichzeitig beatmet werden; 

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Am 23. März hat das Bayerische Gesundsheitsministerim mitgeteilt, dass im Zentrallager des Freistaates 800.000 Schutzmasken eingetroffen seien. Die Seuchenausrüstung werde über die 111 Ortsverbände des Technischen Hilfswerkes an Krankenhäuser und Artpraxen verteilt. Nachtrag: Heute sind 1.000 Masken am Klinikum Passau eingetroffen. Wenn zehn Ärzte sie im Einsatz tragen, mindestens drei pro Tag benötigen, reichen sie für einen Monat.


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26. März, 6. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 28. Tag der Infektionskette.

Corona-Pressekonferenz des Gesundheitsministeriums: Die „Politik ist im Krisenmodus“, die Bevölkerung müsse die „tiefsten Einschnitte in der Geschichte der Bundesrepublik“ ertragen und das Gesundheitssystem bereite sich auf die größte Herausforderung seit 75 Jahren vor.

„Noch ist das die Ruhe vor dem Sturm“, sagt heute Gesundheitsminister Jens Spahn. Die Intensivkapazitäten zu verdoppeln, sei die Anstrengung der Kliniken und Krankenhäusern.

Es seien 300.000 bis 500.000 Test in der letzten Woche durchgeführt worden, „wohl die meisten im Vergleich aller Länder“.

Nach Ostern werde man feststellen: Wo stehen wir mit den Maßnahmen?

Professor Wieler vom Robert-Koch-Institut betont, dass auch Jüngere und Gesunde daran sterben können. Das sehe man in den Nachbarländern. Je mehr erkranken, desto wahrscheinlicher, dass wir solche Fälle erleben.

Die Inzidenz der Seuche ist auf 44 (Infizierte je 100.000 Einwohner) gestiegen deutschlandweit. Vergleich: Hamburg 69, Bayern 61. Wie die Dynamik sich entwickle, könne man nicht abschätzen.

Brisantes Telefonat: Bayerische Händler für Arbeitsschutzbekleidung behaupten, sie könnten Schutzmasken massenhaft aus China einkaufen. Allein die Angst vor Haftung würde sie daran hindern.

"Es gibt keine Lieferprobleme für diese Chinaware", erklärt der Anrufer. Allerdings: Die Händler würden die Finger davon lassen, weil für diese Importe vorgeschriebene Zertifizierungen fehlten; sie sähen sich in der Haftung, wenn solche Masken beispielsweise später im Handwerk benutzt werden und sich als unwirksam zeigen. Die chinesische Norm nennt sich „KN95“, die europäische „FFP1“, FFP2“.

Umgekehrt lässt die Bayerische Staatsregierung bekanntlich bei Textilfabrikanten Stoffmasken (12 Euro das Stück) nähen - Masken ausdrücklich ohne medizinische Zertifizierung. Sie sind frei bestellbar (Lieferzeit nach Ostern).

Anmerkung des Autors: Für die Bevölkerung wäre jedwede Schutzmaske sinnvoll. Sie schützt besser als nichts. Der Virus schlummert bekanntlich in vielen Infizierten ohne Symptome und kann selbst bei feuchter Aussprache übertragen werden. Die "offenen Wunden" des Menschen sind Bindehaut, Schleimhäute in Mund und Nase. 

Frage an die Verantwortlichen: Gelten für den Staat andere Regeln als für die Händler? Warum bestellt die Staatsregierung nicht selbst in China? 

Am 5. Tag der "Ausgangsbeschränkungen" verstärkt sich in der Politik das Kräftezerren: Gesundheit oder Wirtschaft? Humane Medizin oder soziale Härten? 
Ostern müsse Schluss sein, das halte die Wirtschaft sonst nicht mehr durch, sagen die einen; darunter Vizepräsident Hubert Aiwanger. Innenminister Horst Seehofer dagegen plädiert für Disziplin, keinesfalls eine Lockerung der Maßnahmen aus ökonomischen Gründen. Wissenschaftler rufen dazu auf, alles zu tun, die Infektionsketten unter Kontrolle zu halten, zu brechen, die Seuche einzudämmen.

Geschlossene Restaurants und Kantinen: Die Lebensmittellieferanten erleben Rekordumsätze, weil die Menschen öfters Zuhause kochen und essen. Angesichts der Krise werden größere Anschaffungen auf das Notwendige begrenzt, dies führt zu Einbrüchen im Handel, wie man sie noch nie erlebt habe, sagen Marktforscher; auch der Online-Handel läuft gebremst.

Kurzarbeit oder Überstunden abbummeln? „Ich lasse meine Leute Überstunden abbauen, manche gehen in Minusstunden“, sagt ein großer Passauer Autohändler. Kurzarbeit komme für ihn nicht infrage. Er habe die Märzlöhne schon voll überwiesen, die Mitarbeiter brauchten das Geld. "Ich hoffe, dass alle um ns herum nicht krank werden."

Anders die Lage bei dem verschachtelten und weit verzweigten Medienunternehmen „Passsauer Neue Presse“. Hier ist in vielen Gesellschaften und Abteilungen Kurzarbeit eingeführt worden, der Betrieb der beiden Tochtergesellschaften „Am Sonntag“ und „Wochenblatt“ ruht.
 

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25. März, 5. Tag der "Ausgangsbeschränkung", 27. Tag der Infektionskette.

Im Nachbarlandkreis Rottal-Inn entwickelt sich die Ausbreitung deutlich. 119 Corona-Fälle je 100.000 Einwohner. 

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Infektionsrate in Bayern liegt aktuell bei 67, in der Stadt Passau (22 Fälle) bei 42, im Landkreis Passau (54 Fälle) bei 28.

Im Klinikum Passau werden aktuell acht Patienten behandelt. Im Krankenhaus Vilshofen zuletzt sechs, davon zwei auf der Intensivstation.

Der Himmel wird so frei seit vermutlich 70 Jahren nicht mehr. Paris schließt seine Großflughäfen, Russland alle Flüge ins Ausland.

Was in der Welt gerade passiert, fasst die New York Times zusammen

  • Jeder, der New York verlassen hat, soll sich selbst in Quarantäne begeben, fordert Trumps Corona-Koordinator
  • Trump äußert sich empört darüber, das Land schließen zu müssen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen
  • Indiens Premierminister verhängt für 1,3 Milliarden Menschen eine Ausgangssperre
  • In Südkalifornien stirbt ein Minderjähriger an Corona
  • Prominentes Opfer wird der US-Dramatiker Terrence McNally, Jahrgang 1938 ("Opus Christi", "Kuss der Spinnenfrau")

24. März, 4. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 26. Tag der Infektionskette.

Geschlossene Grenzen führen zeitweise zu chaotischen Zuständen in Passau: Heimkehrer gen Osteuropa sitzen fest.

Sanitätsdienste und Feuerwehr sind durch eine neue Fluchtbewegung gefordert. "Es entwickelt sich eine Lage wie 2015, nur in umgekehrter Richtung", berichtet ein Feuerwehrfunktionär. Der Passauer Winterhafen Racklau, im Sommer ein Caravanparkplatz, wird offenbar als provisorischer Übernachtungsplatz eingerichtet. 

Was ist los? Hundert Osteuropäer, darunter Sinti und Roma, offensichtlich auch Erntehelfer, sind wegen der Corona-Krise auf der fluchtartigen Reise in ihre rumänische Heimat. Teilweise in überbesetzten Fahrzeugen, teilweise mit der Bahn. Familien, Kinder, Frauen und Männer. An der bayerische-österreichisch Grenze wird ihnen von den österreichischen Beamten die Einreise verwehrt. Aus verschiedenen Gründen: mangelhafte Papiere, mangelhafte Fahrzeuge, überfüllte Fahrzeuge. 

Die Bundespolizei versucht das Problem in den Griff zu bekommen, hilft angeblich bei der Bürokratie. Die Grenze ist trotzdem zum Nadelöhr geworden, denn Österreich und Ungarn öffnen für diese Rückreisenden einen "Grenzkorridor" nur zu bestimmten Zeiten. "Sie dürfen beispielsweis eum 17 Uhr passieren und müssen sich dann spätestens und 21 Uhr an der österreichischen--ungarischen Grenze melden", erklärt ein Eingebundener.

Da die Menschen notgedrungen in ihren Autos übernachten müssen, die Autobahnparkplätze nicht alle aufnehmen können, wird heute Abend der Hafen Racklau als provisorischer Übernachtungsplatz vorbereitet. "Wir stellen Dixi-Klos auf", sagt ein Helfer.

Ähnlich angespannt war die Lage nach 17 Uhr am Hauptbahnhof durch festsitzende Bahnreisende. Augenschein um 19.30 Uhr: Ein Dutzend Bundespolizisten ist im Einsatz, aber die Ansammlung Wartender ist offenbar aufgelöst. Die Anzeigetafel in der Bahnhofshalle mahnt: "Fahren Sie nur, wenn es unumgänglich ist. Geben Sie Acht auf sich und andere. Fahrplanänderungen: Informieren Sie sich vor Fahrtantritt im Internet."

Der Landkreis Passau erlebt heute mit acht neuen Fällen den "bisher stärksten Anstieg" seit Beginn der Pandemie, schreibt Pressesprecher Christoph Kölbl. Stand nunmehr: 47. Die Infektionsrate liegt mit 24 je 100.000 Einwohner relativ niedrig.

Die Ausbreitung ist regional sehr unterschiedlich. Aus Hessen wissen wir, dass es einzelne Gemeinde heftig treffen kann. Der Passauer Landrat hat verfügt, dass die betroffenen Gemeinde der Öffentlichkeit nicht bekannt gegeben werden. Es handelt sich um fünf verschiedenen Infektionsketten, also Örtlichkeiten, und zehn Einzelfälle. Bisher sei es noch jedes Mal gelungen, alle Kontaktpersonen zu ermitteln und in Quarantäne zu schicken, heißt es. Man habe die Lage also unter Kontrolle.

Ob und wie viele Unterstützer das Gesundheitsamt zur Recherche braucht, werde abgeklärt. Es gibt viele Angebote von Freiwilligen, das Bundesministerium hat eine Ausschreibung veranlasst (zu finden weiter unten).

Im Krankenhaus Vilshofen werden derzeit sechs Corona-Patienten behandelt, davon zwei auf der Intensivstation. Weitere sieben Infizierte sind am Klinikum Passau in Behandlung.

In Passau hat sich die Zahl der registrierten Corona-Virusträger um um drei weitere erhöht: zwei Frauen, 33 und 55 Jahre alt, und ein 31-jähriger Mann. Damit sind es 17 Fälle und die Infektionsrate ist auf 33 je 100.000 Einwohner gestiegen. Deutscher Durchschnitt: 38. Italien: 107.

Der Passauer Bischof lädt die Gläubigen morgen ein, mit ihm den Rosenkranz zu beten, wenn um 15 Uhr die Seuchenglocken läuten.

Die Weltbürger sind durch Grenzen und Reisesperren getrennt wie in ihrer Geschichte - aber im Schicksal wie Brüder vereint. 
"Unser Premierminister hat gerade den nationalen Ausnahmeszustand ausgerufen", schreiben Freunde aus Indien, die vor zwei Jahren beim Auslandsstudium in Passau waren. Das öffentliche Leben ruht dort seit heute Mittag wie in Bayern, mit strenger Ausgangssperre.

Muss eine landesweite Massenbewegung von Studentinnen und Studenten, die in Kürze an ihre Studienorte zurückkehren, unterbunden werden? Viele kehren in Bayern zum 1. April in neue oder alte Unterkünfte zurück, neue Kontaktgruppen bilden sich in Wohngemeinschaften.

Gesundheitsministerin Huml und Bildungsminister Silber stehen vor einer entscheiden Frage, die sie angesichts der Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise baldmöglichst zu klären haben: Ist es realistisch, dass die Universitäten am 19. April wieder öffnen? Wollen wir in den nächsten Tagen eine neue Reisebewegung im Land lostreten? 

Die Zeit drängt. 400.000 Studenten, von denen viele nicht am Heimatort studieren, würden sich nach und innerhalb Bayerns bald in Bewegung setzen, um ihre Studienorte aufzusuchen. Jeder dritte wohnt in einer Wohngemeinschaft, es bilden sich nach der Rückkehr in den Studienorten neue Kontaktgruppen.

Mietbeginn ist meist 1. April
Ihre neue Bleibe oder einen Wechsel in Wohnungen, Studentenwohnheime und Wohngemeinschaften haben die meisten ab 1. April gebucht. Wie viele der zigtausenden Austausch- und Auslandsstudenten werden zusätzlich anreisen?

Umziehen, gemeinsam Möbel schleppen, Wohngemeinschaften oder Hausstand gründen und auflösen. Allein in Passau gibt es 12.000 Eingeschriebene. Im Vorfeld des Semesterbeginns würde wohl in wenigen Tagen dieses rege Treiben einsetzen, falls es nicht schon begonnen hat. Das ist angesichts der Corona-Ausbreitung von Virologen sicher nicht erwünscht.

Residenzpflicht für Frischluftsuchende
Im Gegenteil: Bürgermeister von Touristenorten, die beliebte Ausflugsziele sind, fordern eine "Residenzpflicht", wie wir sie von Asylbewerbern kennen. Sie sehen ein erhöhtes Corona-Risiko durch Frischluftsuchende, die über Landkreisgrenzen hinweg mit dem Auto anfahren. Manche Ausflugsgebiete haben zur Warnung Wanderwege und Parks gesperrt.

Stress für Risikogruppen
Wenn Studenten in Hunderten Häusern ein- und ausziehen, zurückkommen, ist das für die betagteren Bewohner zusätzlicher Stress. „Ich vermeide jede Begegnung mit den jungen Leuten im Hausflur, das wird jetzt schwierig werden“, sagt eine 82-jährige Altstadtbewohnerin. In Ihrem Haus wohnen fast ausschließlich Studenten, erzählt sie.

Die Beobachter vom Robert-Koch-Institut, welche die anonymen Handydaten der Bevölkerung aufzeichnen und auswerten lassen, dürften angesichts der studentischen Reiseaktivitäten, der neuen Massenbewegung im Land in große Sorge geraten. Der Reisende und seine Begegnungen, und nur dieser Umstand, haben bekanntlich das Virus weltweit verbreitet.

Unipräsidenten warten auf Anweisung
In einer Videokonferenz haben sich die Unidirektoren vor Kurzem beraten. Man warte auf Anweisung vom Ministerium, sagt eine Uni-Pressesprecher auf Anfrage.

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23. März, 3. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 25. Tag der neuen Infektionskette.

In Klinikum Passau werden derzeit sieben Corona-Patienten behandelt.
Keiner von ihnen muss künstlich beatmet werden. 26 Beatmungsgeräte stehen bereit. Einer der Ersterkrankten hatte entlassen werden können.

Wie Pressesprecherin Elke Zanner auf Anfrage berichtet, haben Kräfte des Katastrophenschutz mittlerweile ausreichend zusätzliche Schutzanzüge und Desinfektionsmittel geliefert. Dringend Nachschub benötige man bei den Schutzmasken. Weitere Beamtungsgeräte seien angefordert, weil man "mit dem Höhepunkt der Coronawelle erst rechne", lässt Werksleiter Stefan Nowack mitteilen. Im Ernstfall würden Ärzte anderer Abteilungen in die Coronabehandlung eingebunden, Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurückgeholt. Was die Nachfrage anbelangt, ausländische Ärzte zu akquirieren, die Passau an ihrer Zulassung arbeiten, meint Nowack: "Mit diesem Thema haben wir uns noch nicht beschäftigt." Wichtig sei es auf Kräfte zurückzugreifen, die sich in den Abläufen auskennen. Um neue anzulernen fehle die Zeit.

Im Stadtgebiet ist die Zahl der Coronavirus-Infizierten auf 16 geklettert; Altersdurchschnitt 52, zehn Männer, sechs Frauen. Die jüngste Betroffene ist eine 22-jährige Frau, der älteste Patient ist 84. Aus wie vielen verschiedenen Kontaktkreisen die Virusträger stammen, wird nachberichtet. 

Rettungsdienst: Notärzte und Rettungssanitäter sind ab sofort angewiesen, bei allen Einsätzen Schutzkleidung zu tragen.

Stadtverkehr: Autofahrer mit Anwohnerparkausweisen dürfen auf gebührenpflichtigen Parkplätzen kostenlos parken. Da die meisten Fahrzeuge nicht in Betrieb sind, mangelt es an Platz.

Einkaufen: Wer lokalen Handel und Gastronomie unterstützen mag, die Citymarketinggemeinschaft veröffentlicht auf ihrer Seite neue Angebote zu Versand und Lieferung.

Tourismus: In der Corona-Krise ist die Flusskreuzfahrt genau so gestoppt wie die Seekreuzfahrt: Alle Passauer Anlegestellen sind bis auf Weiteres für Kreuzfahrtschiffe gesperrt.

Müllentsorgung: Wer seine Abfälle zum Recyclinghof bringt, muss sich auf eingeschränkte Öffnungszeiten und Wartezeiten einstellen. Die Zufahrt wird wegen der Kontaktsperre reguliert. Hier alle Infos

Ausländische Ärzte, Medizinstudenten, Asylbewerber. Wie können diese Personengruppen in der Corona-Krise hilfreich werden?

Die Bezirksregierung in Oberbayern ist bayernweit dafür zuständig, dass ausländische Ärzte, die auf ihre Zulassung hinarbeiten, im Notfall kurzfristig einspringen können.

Beispiel Passau: Ein 42-jähriger Internist aus Südamerika, an Beatmungsgeräten ausgebildet, sitzt Zuhause, weil seine Volkshochschulkurse ruhen. Seine Unterlagen sind beim Notar, aber der einzige staatliche Dolmetscher will 1700 Euro für die Übersetzung. Der Bezirk Oberbayern hat für solche Ärzte bereits bürokratische Hürden erlassen, damit sie befristet bis Ende des Jahres die Kliniken unterstützen können.

Wie kann man Ärzte wie den genannten Internisten rascher ins System bringen, sie bei finanziellen und bürokratischen Hürden unterstützen?

Das Robert-Koch-Institut ruft Medizinstudenten auf, sich zu bewerben, um mit einem freiwilligen Urlaubssemster - gegen faire Bezahung - die Gesundheitsämter zu unterstützen; sie sollen bei der Recherche der Kontaktpersonen zu Infizierten mithelfen, um die Ausbreitung unter Kontrolle zu halten. Wie kommen konkret die Gesundheitsämter an diese Freiwilligen? Wer koordiniert das? Wo schlagen die Bewerbungen auf? Zuständig ist an erster Stelle das Bayerische Gesundheitsministerium.

In den Unterkünften sitzen Asylbewerber - in der Seuche gefährlich - auf engsten Raum, haben keine Arbeitserlaubnis. Wird darüber nachgedacht, diese als Freiwillige in der Landwirtschaft einzubinden, die jetzt mangels Erntehelfer aus den osteuropäischen Ländern Notstand hat? Zuständig für solche Sonderregelungen wäre wohl in erster Linie das Bayerische Landwirtschaftsministerium. 

Kurzarbeiter dürfen sich in der Landwirtschaft Geld dazu verdienen, ohne Abzüge befürchten zu müssen. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei Kurzarbeit 60 Prozent des Lohns, für Beschäftigte mit Kindern 67 Prozent. Die Sozialabgaben, die auf den ausgefallenen Lohn fällig wären, übernimmt die Arbeitslosenversicherung.

Das Bayerische Gesundsheitsministerim teilt mit, dass im Zentrallager des Freistaates 800.000 Schutzmasken und 235.000 Flschen Handdesinfektionsmittel eingetroffen seien. Die Seuchenausrüstung werde über die 111 Ortsverbände des Technischen Hilfswerkes an Krankenhäuser und Artpraxen verteilt.

700.000 Masken hatte der Freistaat gekauft, 100.000 das stillgelegte BMW-Werk beigesteuert. Bayerische Textilfirmen prodzuzieren neuerdings statt Mode oder Autositzbezüge Schutzmasken.

In Mitterteich stellen die Glaswerke Schott Glasröhrchen her, die weltweit für Spritzen und Ampullen benötigt werden. Die Produktion unter den Auflagen der Kontaktsperre aufrecht zuerhalten, ist ein Herausforderung für jeden Betriebet: Das Schott-Werksgelände sei in 23 verschiedene Zonen aufgeteilt worden, in denen sich eine begrenzte Zahl von Beschäftigten abgetrennt voneinander bewegen können, teilt das Ministerium mit. 

Telefonat mit dem Klinikum Passau: Bei den 14 Beschäftigten, die positiv getestet wegen des eingeschleppten Corona-Virus in Isolation sind, soll es sich nicht ausschließlich um Ärzte handeln. Eine genaue Zahl über betroffene Mediziner und Pflegepersonal wurde nicht genannt.

Bei Quarantäne soll es für Kontaktpersonen, die im Gesundheitswesen arbeiten, Lockerungen geben. Dies hat das RKI heute bekannt gegeben. Wer ohne Symptome ist, dürfte unter entsprechenden Schutzmaßnahmen weiterarbeiten. 

Aus der Morgenkonferenz des Robert-Koch-Instituts zur aktuellen Lage:
Dynamische Entwicklung, Gesundheitsämter mit Medizinstudenten verstärken, alle Anstrengungen unternehmen, die Ausbreitung unter Kontrolle zu behalten.

Wie stark ein Land, eine Region und dessen Gesundheitswesen von der Corona-Pandemie belastet ist, sagt die sogenannte Inzidenz, dieser Wert:
Wie viele Fälle je 100.000 je Einwohner? Denn der Vergleich der absouten Zahlen hat keine Aussagekraft.

Dramatisch ist nach wie vor die Lage in Italien, am Beginn der Epidemie stehen die USA. 

  • 89 Fälle je 100.000 Einwohner in Italien.
    53.587 Fälle, mehr als 4.827 Tote.
  • 27 Fälle je 100.000 Einwohner in Deutschland.
    22.276 Fälle, plus 4.000; 86 Tote und 2.809 Genesene.
     
  • 8 Fälle je 100.000 Einwohner die USA.
    26.000 Fälle, plus 7.000.

Der Autor errechnet: Würde die Lage Italiens in Deutschland eintreten, hätten wir knapp 74.000 Infizierte, davon 20 Prozent Schwererkrankte, die klinischer Behandlung bedürfen, also knapp 15.000 Patienten. Gespiegelt auf die USA: 300.000 Corona-Infizierte, 60.000 Klinikpatienten. 

In Deutschland führt Hamburg mit 55 Fällen je 100.000 Einwohner die Infektionsrate an, Sachsen-Anhalt liegt bei 10 am unteren Ende. (Die Inzidenz unserer Region wird  in Kürze nachgetragen)

„Wir sehen weltweit unterschiedliche Dynamiken, aber Fallzahlen und Verstorben nehmen zu“, sagt RKI-Professor Wieler. Er nennt die deutsche Strategie einen "Dreiklang":

  • Konsequente Eindämmung
  • Schutz der Risikogruppen
  • Ausbau der Kapazität in der ärztlichen Versorgung, vor allem mit Beatmungsgeräten und Intensivbetten

Größte Anstrenung: Kontrolle über Ausbreitung behalten
„Es ist und es bleibt wichtig, Infizierte und Kranke so früh wie möglich erkennen“, sagt Wieler. Virusträger isolieren, Kontakte identifizieren und in Quarantäne schicken. Bei dieser zunehmend schwierigen Aufgabe, Verdoppelung der Fälle derzeit alle drei Tage, sollen Medizinstudenten die Gesundheitsämter unterstützen. Es gelte die „Infektionsketten zu brechen.“

Studenten sollen Gesundheitsämter unterstützen
Medizinstudierende, die ein Urlaubssemester einlegen wollen, können sich für eine sechsmonatigen Corona-Einsatz bewerben, die Gesundheitsämter bei ihrer Arbeit zu unterstützen. Es geht vor allem darum, die Kontrolle über die Ausbreitung zu behalten, Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln, diese anzurufen, die Statistiken weiterzuschreiben. Ausschreibung.

Kluft zwischen "Wissen und Handeln"
In Zusammenarbeit mit der Universität Erfurt werden Befragungen durchgeführt, die belegen: Der Anteil der Bevölkerung, die das Risiko wahrgenommen haben, ist deutlich gestiegen. „Aber zwischen Wissen und Handeln liegt noch immer eine Kluft.“ 

Aus eigener Erfahrung weiß man: Verhalten ändert sich, wenn es zur Gewohnheit wird. Abstand halten, Hände waschen.

Der Autor ergänzt: Die Vorstellung im Kopf behalten, jeder Mitmensch wäre schwer grippekrank. Könnten und würden wir beim Verlassen der Häuser alle Schutzmasken tragen, wie in vielen anderen Ländern, wären jeder Einzelne besser sensibilisiert und alarmiert. Jeder Schutz ist besser als keiner. 

Gute Nachricht: starke Testkapazität
Deutschland mangelt es an Schutzbekleidung, aber liegt bei den Laborkapazitäten für Tests „im Vergleich zu vielen anderen Ländern weit vorne“, sagt Wieler. 

Frühestens ab Mittwoch wird sich zeigen, ob die Maßnahmen greifen, ob sich die Deutschen konsequent und solidarisch verhalten, ob es wirkt.

***

22. März, 2. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 24. Tag der neuen Infektionskette.

Die Nachrichtenlage überschlägt sich: Deutschland wird ab sofort von einer Kanzlerin aus dem "Home Office" regiert. Der ersten Quelle, es war Regierungssprecher Seibert, wollte man kaum glauben: Der Arzt, der Merkel gegen Pneumokokken geimpft hat, ist auf Corona "positiv" getestet worden; die Kanzler muss jetzt - wie alle Kontaktpersonen Infizierter - in 14-tägige häusliche Quarantäne.

***
Kanzlerin Merkel schafft klare Regeln für alle: strenges Kontaktverbot statt strikte Ausgangsperre; gilt für mindestens 14 Tage.

  • Maximal zu zweit nach draußen: Wer allein ist, darf mit einer Person zusammen oder - Ausnahme - mit den Mitgliedern seines Hausstands sich bewegen. 
  • Mindestens 1,50 Meter Abstand: zum Beispiel beim Einkauf, in der Warteschlange, im Bus.
  • Individueller Sport erlaubt; keinem wird verboten, an die "frische Luft" zu gehen.
  • „Gruppen feiernder Menschen sind drinnen und draußen inakzeptabel“
  • In der Gastronomie sind nur Liefer- und Abholdienste erlaubt, für Verzehr Zuhause
  • Sämtliche Dienstleistungen für Körperpflege geschlossen, auch Tattoo-Studios.
  • Alle Betriebe mit Publikumsverkehr müssen Schutzmaßnahmen für Besucher treffen

Merkels Appell: „Bitte ziehen sie alle mit!“ Sie lobte, dass „Abermillionen aus Gemeinsinn und Fürsorge“ sich an die Beschränkungen bereits halten. Das Allerwichtigste sei die „Abstandsregeln“ einzuhalten, wiederholt sie. Das Risiko reduziere sich nahezu auf null ab 1,50 Meter.

23.190 Infizierte und 93 Tote ist aktuell der Corona-Stand in Deutschland.

„Mein Leben besteht im Wesentlichen aus Telefonaten und Videokonferenzen“, sagt Merkel auf die Frage eines Bildreporters zu ihrem persönlichen Verhalten. Sie fahre nirgendwo mehr hin.

„Tun Sie, was richtig ist für unser Land, zeigen Sie Vernunft und Herz“, sagt Merkel. Wir schuldeten den Gesundheitsdiensten dafür zu sorgen, dass sich das Virus nicht zu rasch ausbreite.

Um 22 Uhr befasst sich heute "Anne Will" in ihrer Talkshow mit dem "Ausnahmezustand." Gäste: Ministerpräsident Markus Söder, Virologin Melanie Brinkmann, Bundeskanzleramtschef Helge Braun, Notaufnahme-Chefärztin Bernadett Erdmann, Kripo-Bundesvorsitzender Sebastian Fiedler.

Das Landratsamt Passau meldet um 16 Uhr, dass die Zahl der Infizierten im Landkreis auf 36 gestiegen ist. Die Statistik des Gesundheitsministeriums in München hängt am Wochenende hinterher, nennt den Stand vom Freitag: 25.

Die "Ausgangsbeschränkungen", der Autor nennt sie "bedingte Ausgangsperre", werden wohl in Kürze bundesweit angepasst. Maximal zwei Menschen dürfen sich draußen versammeln; gemeint ist wohl aus demselben Haushalt, da beim Treffen verschiedenen Haushaltsmitglieder die Ansteckungsgefahr wieder gegeben wäre. Die Mediziner gehen davon aus, dass viele Menschen bereits infiziert und ansteckend sind, aber es mangels Symptome nicht wissen.

Großbritannien kratzt Kurve: Corona-Schutz
Brexit-Brite Boris Johnson gehörte wie Trump zu den Corona-Krisenverweigerern. Er wollte das Land der Seuche ausliefern, abwarten, bis die Immunität der Massen eingetreten, die Gefahr vorüber ist. Heute lenkt er um: Pubs, Restaurants sofort schließen! Er hat offenbar eingesehen, dass sein Gesundheitssystem die Krise nicht stemmt. 

Erdbeben in Seuchenzeiten
In Kroatien ist Zagreb von zwei Erdstößen erschüttert worden. 17 Verletzte. Wegen der Coronakrise wird den Helfer "Mindestabstand" empfohlen. Wie soll das gehen?

Viren-"Spritzschutz" für alle Kassiererin
Recherche dieses Journalisten, Gespräch mit Ärzten: Die "Bediensteten an der Front", die abends wieder zuhause bei ihren Liebsten sind, brauchen dringend Schutz: Andere Länder haben längst Masken und Schutzkabinen aus Plastikfolie für Supermarktkassiererinnen. Das Virus wird durch Niesen, Husten und selbst feuchte Aussprache übertragen. Die Bindehaut ist bei Tröpcheninfektionen eine Schwachstelle des Menschen, deshalb ist Augenschutz besonders wichtig. Handschuhe helfen allenfalls, ihren Träger stets daran zu erinnern, dass er sich nicht ins Gesicht, an Mund oder Nase fassen, die Augen reiben soll. Einweghandschuhe nach dem Gebrauch korrekt abstreifen und entsorgen, Stoffhandschuhe desinfizieren und waschen. 

Postler und Kuriere schutzlos
Eine Postbotin erzählt, dass man nur eine "fünfminütige Einweisung" erhalten habe. Es gebe Desinfektionsspray am Arbeitsplatz, aber das dürfe für unterwegs nicht mitgenommen werden, zähle als Diebstahl. Dass der Empfänger nicht mehr jeden Empfang bestätigen muss, Unterschrift leisten, ist bereits angeordnet worden. "Handschuhe müsste ich mir selbst besorgen", sagt sie. 

Deutschland hat keine Schutzmasken für die Bevölkerung. Es ist zur Herausforderung geworden, wenigstens Ärzte und Pflegekräfte "an der Front" zu versorgen. Mitarbeiter häuslicher Pflegedienste, welche die schwächsten Mitglieder in dieser Pandemie betreuen, müssen notgedrungen auf diesen Schutz verzichten; passiv wie aktiv. 

Wie der Journalist es macht
An dieser Stelle möchte ihnen der Journalist kurz erzählen, welche Prozedur zum Eigenschutz in seiner Hausgemeinschaft und im Büro (es wird getrennt benutzt) seit mehreren Tagen eingeführt worden ist: Wer vom Einsatz zurückkommt, legt Handy, Schlüssel, Brieftasche auf einem Tablett ab; dort werden sie desinfiziert. Derweil das Spray einwirkt (30 Sekunden), übt sich der Besitzer in der Handhygiene 2020, danach nimmt er seine Utensilien wieder auf. Mit gewaschenen Händen das ungereinigte Handy wieder anzufassen, das war jedem schnell klar, wäre wirkungslos. Das Ziel ist erreicht, die Prozedur ist selbst im Stress zur Gewohnheit geworden. 

Maske und Brille verringt Infektionsrisiko
In TV-Sendungen wird von Verantwortichen oft betont, dass Schutzmasken über - das medizinische Personal hinaus - nur für Infizierte sinnvoll sei. Frage: Würde das nicht zur Stigmatisierung führen? Maskenträger sind Coronavirusträger? Der Notstand ist beschämend. Es fehlte an der Vorsorge, an Vorräten.

Ein Mediziner, der diesen Autor berät, erklärt: "Selbstverständlich würde eine Schutzmaske jedem nützen: Man kann sich nicht mehr selbst an Nase und Mund fassen, das schützt unterwegs besser als Desinfektionsspray oder Handschuh - verringert die Infektionsgefahr". Er empfiehlt wegen der gefährdeten Bindehaut unbedingt zusätzlich eine Brille.

Maske und Brille schützen selbstverständlich bei der Begegnung in öffentlichen Räumen, wie im Supermarkt. (siehe dazu weiter oben "Viren-"Spritzschutz" für alle Kassierinnen)

Gesundheit, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Bildung und Soziales - alle Lebensbereiche sind berührt; 83 Milllionen Bürger sind betroffen. Die Unbekümmerten und die Besorgten, die Wissenden und die Uninformierten. Für die Medien wird es zur Mammutaufgabe, das einzufangen, Fragen abzutragen, Orientierung zu geben. 

Jörg Schönenborn hat im ARD-Presseclub mit Gästen zu Corona diskutiert. Er muss erfahren, das dieses Thema jeden Rahmen sprengt. Zeitlich und inhaltlich. 

Standpunkte aus der Sendung:

  • Acht Millionen Menschen gehen nicht in die Schule. Wiir brauchen kostenlose neue Software, dass Lehrer ihre Schüler über Bildschirm unterrichten können. 
  • Im Gegensatz zur Spanischen Grippe vor 100 Jahren oder der Pest vor 700 Jahren im Mittelalter kann der Mensch heute auf fortschrittliche Strukturen zählen: Intensivmedizin und digitale Kommunikation.
  • Obdachlose haben ein riesiges Problem; Versorgung, Unterkünfte und Spenden fallen weg. Sie dürfen nicht vergessen werden.
  • Das Fernsehen ist gefordert, denjenigen Menschen Stütze zu sein, die nicht das Glück haben in einem Haus mit Garten zu wohnen, die sich in ihre kleinen Wohnungen zurückziehen müssen.
  • Schutzmasken für alle? In Asien sei die Atemmaske gegen schlechte Luft „kulturell“ bedingt. Für Klinikpersonal und Infizierte sei sie sinnvoll, für die anderen nicht. Handschuhe zu tragen sei nicht verkehrt, es erinnere den Handschuhträger: Fass Dich nicht ins Gesicht!
  • Die Grenzen des globalen Handels lassen sich erkennen, der Mangel fehlender Autonomie: Ein Europa oder Deutschland, dass keine Wirkstoffe herstellen kann, um eigene Medikamente zu produzieren, darf es künftig nicht mehr geben.
  • Es wächst neue Solidarität: China hilft den Italienern. Aber auch umgekehrt: Export von Schutzbekleidung wird verboten.
  • Stadt und Land: In dünn besiedelten Gebieten lässt sich leichter die Kontrolle über das Virus gewinnen; dort sind eventuell Massentests angebracht.

Die Diskutierenden waren: 

  • Cerstin Gammelin, Süddeutsche Zeitung
  • Cornelia Schmergal, Der Spiegel
  • Christiane Woopen, CERES, Uni-Köln / Europ. Ethikrat
  • Ranga Yogeshwar, freier Wissenschaftsjournalist

Vom Autoindustrieland zum Vorreiter autarker Öko-Strukturen?
Nachtrag des Autors zur Sendung: Autarke Versorgung für wichtige Lebensbereiche ist nicht nur in der Krise hilfreich, auch ökonomisch (Arbeitsplätze) und ökologisch (kurze Wege) sinnvoll. These: Corona wird ein tiefgreifendes Umdenken bringen, mit positiven Auswirkungen, die sich heute noch keiner vorstellen kann. Neue Produktionsstätten werden wachsen und neue Arbeitsplätze geschaffen. Deutschland erkennt, dass man vom Auto allein nicht leben kann. 

Am Ende klappt´s nicht, weil ein Stück aus China fehlt
Ein Bayerwald-Unternehmer im produzierenden Gewerbe im Telefonat vorgesterm sinngemäß: Am Ende erkennt man, dass man irgendein Produkt nicht auf den Markt bringen kann, weil der Schraubverschluss aus China fehlt. 

So blau war der Himmel lange nicht mehr
"Schon gemerkt, der Himmel ist blau wie nie. Kein Flugzeug, kein Kondensstreifen." Der Anruf eines BB-Fotografen. Stimmt. Der Luftkorridor über Passau ist an diesem Sonntag fast leer. Am Abend ziehen zwei Urlaubsflieger vorüber, Heimkehrer in ein Deutschland im Ausnahmezustand: aus Thailand mit Ziel Fankfurt, aus Ägypten mit Ziel Düsseldorf.

Argentinien greift rigoros durch
Neue Nachricht aus Südamerika, wo der ehemalige Passauer BR-Korrespondent Ivo Maruczyk sitzt: 3.000 Menschen sind in Argentinien verhaftet worden, weil sie gegen die Ausgangssperre verstoßen haben. Unternehmen, deren Mitarbeiter „an der Front arbeiten“ – Stichwort Supermarktkassiererin – sind verpflichtet, diese mit Schutzbekleidung auszustatten. Es gibt daran offensichtlich keinen Mangel. Fotos zeigen Menschen auf der Straße, die alle die teuren FFP3-Masken tragen; und es gibt solche Lösungen: An den Kassen sitzen Mitarbeiterinnen hinter einer Schutzfolie.

***
21. März, 1. Tag der "Ausgangsbeschränkungen", 23. Tag der neuen Infektionskette.

Es sind stets Reisende, die den Virus einschleppen und verbreiten. In Passau soll es den neuen Corona-Fall eines Krankengymnasten geben, der beim Skiurlaub in Österreich war. Er behandelte danach Patienten, wurde krank und ließ sich testen. Wie viele Kontaktpersonen, darunter vermutlich behandelte Kunden, in Quarantäne müssen, wird der Reporter am Montag vom Gesundheitsamt erfahren.

Corona-Kranker soll hohe Strafe zahlen 
Ein Mann um die 30 aus Argentinien soll umgerechnet 100.000 Euro Strafe zahlen, weil er für die Heimreise von Uruguay als Corona-Kranker an Bord eines Schiffes gegangen war. 400 Passagiere sind seit heute in Quarantäne. Der Fieberkranke war nach Ankunft getestet worden – positiv. Argentinien steht am Anfang dieser Seuchenausbreitung.

"Ich glaube, für jeden vernünftigen Menschen ist klar, dass wir in dieser Situation keine vollen Biergärten oder Wirtsstuben akzeptieren", lässt sich Innenminister Joachim Herrmann am Abend in einer Pressemitteilung zitieren. Seine Polizeikräfte würden das Gastronomie- und Gruppenverbot im Freien "konsequent und mit starken Kräften kontrollieren". Seine Bilanz vom ersten Tag: Die meisten Menschen halten sich daran, die Polizei hatte in ein paar Fällen "kleinere Gruppen" auflösen müssen. Das nasskalte Wetter kam der Anordnung zur "vorläufigen Ausgangsbeschränkung" zugute.

Corona stützt ungeliebte Regimes
In Südamerika bedeutet die Corona-Krise erste Rückschläge für die Demokratie. Bolivien verschiebt die für 3. Mai geplanten Wahlen auf irgendwann. Die umstrittene Übergangsregierung bleibt also wesentlich länger im Amt als gedacht. Chile verschiebt das Referendum über eine neue Verfassung auf Oktober. "Beide Schritte sind verständlich und gerechtfertigt - trotzdem bleibt unterm Strich: Corona ermöglicht in beiden Ländern, dass ein Ancien Régime, dem längst die Tür gewiesen wurde, sich noch eine ganze Zeit an der Macht bleiben kann", schreibt BR-Korrespondent Ivo Maruczyk.

Rathaus im Notbetrieb
In Passau ist der politische Betrieb eingeschränkt worden. Es wird keine Stadtratssitzungen aller 44 Mitglieder geben. Die Stadträte treffen sich wie in Ferienzeiten in Ausschussgröße, 13 Mitglieder. Wenige Tage nach der Kommunalwahl hatte die Nachricht das Rathaus erschreckt, dass sich ein CSU-Mann, dem Chancen als Vizebürgermeister zugeschrieben werden, mit Corona Infiziert hat.

PNP-Verlegerin nimmt Anzeigenblätter vom Markt
Die kostenlosen Wurfblätter stapeln sich vor Haustüren und in Fluren. Damit ist es erstmal vorbei. Die "Am Sonntag" und das "Wochenblatt" werden mindestens sechs Wochen lang nicht erscheinen. Anzeigenblätter finanzieren sich, wie der Name schon sagt, ausschließlich von Anzeigen. Handel und Gewerbe stehen größtenteils still, die Einnahmen sind versiegt. Womit Druck und Vertrieb bezahlen? Dies hat PNP-Verlegerin Tucci Diekmann dazu veranlasst, diese Gratisprodukte zu stoppen. 

Wie geht´s weiter mit Bürgerblick?
Das Lokalmagazin des freien Journalisten Hubert Jakob Denk ist ebenso von der Corona-Krise betroffen. "Als Kaufzeitung kann ich wenigstens auf zahlende Leser und Abonnenten vertrauen, die bei gut verkauften Heften etwa ein Drittel der gesamten Kosten einbringen", sagt der Autor in eigener Sache. Die Ausgaben summieren sich zu einer kleinen fünfstelligen Summe: Druck, Vertrieb, Büromiete und Nebenkosten, freie Autoren und freie Fotografen, Lohn für den einzigen Angestellten und den Herausgeber. 

Die Bürgerblick-Druckerei "Passavia", unser Partner in der Sperrwies, hält den Betrieb aufrecht und hat signalisiert, dass sie den Druck einer Notausgabe unterstützt. Wir arbeiten daran unter erschwerten Bedingungen, denn alle Mitwirkenden sind Zuhause. Der Herausgeber selbst bedient seit Beginn der Infektionskette, seit 2. März, tagtäglich fast nonstop diesen Nachrichtenlauf; mit Zuarbeit unterstützt von Mitgliedern der Lehrredaktion.

"Krisenzeiten sind für Journalisten Schwerstarbeit, denn sie haben als Dienstleister für Gesellschaft und Demokratie die Aufgabe der Informations- und Dokumentationspflicht."

Die Inhalte von Anzeigenblättern, das zeigt die Entscheidung der Verlegerin, scheinen in diesen brisanten Zeiten keine Relevanz zu haben. Genaugenommen handelt es sich um keine Presseprodukte, der Autor hat dies schon oft angeführt, denn sie erfüllen die ethischen Normen nicht. Sie sehen sich dem Presserat nicht verpflichtet, können deshalb bei Fehltritten nicht gerügt werden.

Der Eindruck des Autors: Ehrlicher Journalismus erlebt in der Corona-Krise eine Renaissance. Dies bestätigen aufmunternde Anrufe. Es gibt so viele Dinge, die sich in diesen Zeiten neu ordnen, den Blick in die Zukunft verändern, bisherige Ziele infrage stellen. 

Erster Coronafall in ZF
Die Zahnradfabrik in Passau, 4.000 Mitarbeiter, fährt ihre Produktion bis kommenden Freitag komplett herunter. „Das dauert ein paar Tage, denn Licht ausschalten und Tür zu, so einfach geht das bei uns nicht“, sagt Pressesprecher Gernot Hein. Die Eisenhärterei muss abgekühlt werden. Unabhängig vom angeordneten Produktionsstopp zum Schutz der Mitarbeiter: Der erste ZF-Beschäftigte ist an Corona erkrankt. Er hatte am Montag den Arbeitsplatz verlassen, weil er sich unwohl fühlte. Dann erfuhr er, dass sein Sohn positiv getestet worden ist. Der hat das Virus vom Skiausflug in Ischgl, Tirol, eingeschleppt, den Vater angesteckt. Gestern Abend wurde das Testergebnis bekannt. Der ZF-Mann muss in häusliche Isolation, zehn seiner Arbeitskollegen, die mit ihm Kontakt hatten, in häusliche Quarantäne.

Bayerischer Mundschutz
Die Atemmaske, die Mund- und Nase schützt, ist in Bayern ein heikles Thema. Es gibt für die Allgemeinheit keine zu kaufen, nicht einmal die einfache OP-Maske, ein 10-Cent-Produkt. Söder hat in der Not unter anderem den schwäbischen Modehersteller Trigema für eine bayerische Eigenproduktion gewonnen. Textiler Mundschutz, keine medizinische Zertifizierung, bei 90 Grad waschbar, Stück für 12 Euro. Lieferbar laut Internetseite nicht vor Ostern.

BMW hat nach seiner Werksschließung der Staatsregierung 100.000 Stück Schutzmasken geschenkt. Würde Söder allen 30.000 bayerischen Klinikärzten je drei Stück geben, ihr Mindestbedarf für einen Tag, am Beginn des zweiten Tages wären sie aufgebraucht.

Desinfektionsmittel vom Schnapsbrenner
Ein Schnapsbrenner in Waldkirchen kann sich vor Anfragen aus dem Gesundheitswesen nicht retten: 10.000 Liter Ethanol, die letzte Lieferung, lagern in seinem Tank. Es ist der Grundstoff, aus dem Obstbrände, aber auch und Desinfektionsmittel hergestellt werden können. Bei Ethanol ist es wie bei der Schutzkleidung: vergriffen! Der Schnapsbrenner will dorthin verkaufen, wo es am nötigsten gebraucht wird, ausschließlich an Kliniken. Er wundert sich, dass der jetzt so wichtige Stoff nach wie vor ins Benzin gemischt wird: E10 - zehn Prozent Ethanol.

Geschlossene Grenzen 1: Heimkehrer sitzen fest
Reisen durch ein Europa der geschlossenen Grenzen ist zum Nervenkrieg geworden. Für Lkw-Fahrer, die Waren transportieren und im Stau der Kontrollen stehen, für Privatreisende, die auf der Heimreise mehrere Länder durchfahren müssen. An der Grenze Passau-Achleiten sitzen heute stundenlang mehre Autofahrer fest, darunter eine Familie mit Kindern. Österreich hat bis 18. Juni seine Grenzen für Einreisende offiziell geschlossen und lässt nur Berechtigte durch. Um 16 Uhr durften die Reisenden gen Osten weiterfahren: Österreich hatte nach Absprache mit den deutschen Behörden einen „Grenzkorridor nach Ungarn“ freigegeben.

Geschlossene Grenzen 2: Lieferengpässe für Gemüse aus Italien
Milch und Käse, Kartoffeln und Karotten. Wir produzieren für den Export, also mehr als wir selbst verzehren können. Die Lager und Tanks sind voll. Anders sieht es bei Früchten aus, die bei uns noch keine Saison haben und aus Italien importiert werden: Tomaten, Fenchel, Brokkoli, Zucchini. „Hier könnte es Engpässe geben, denn die Lkw-Fahrer kommen nur langsam voran“, erzählt die Inhaberin eines niederbayerischen Öko-Lieferdienstes. Die Gründe summieren sich: die Situation in Italien, die Grenzkontrollen, neue Vorschriften. Wegen der Ansteckungsgefahr dürfen sich Lkw-Fahrer nicht mehr die Kabine teilen und abwechseln. Sie sind alleine unterwegs und müssen Ruhezeiten einhalten.

Lebensmittel-Lieferdienste am Limit
„Wir hätten 200 neue Kunden aufnehmen können“, sagt die Unternehmerin. Aber sie musste den Aufnahmestopp verhängen, denn die Lagerräume reichten nicht aus. Zudem hätte sie nicht das Personal, neue Routen zu besetzen. Derzeit sind sechs Lieferwagen unterwegs – und ausgelastet. Die Kunden wurden angeschrieben, dass sie keine übermäßigen Vorräte "hamstern" sollen, es sei genug da. Techniker mussten eingreifen, weil der Ansturm im Netz so groß war, dass das Programm für den Beststellservice zusammenbrach. Um die Fahrer in Corona-Zeiten zu schützen, sind neue Vorschriften ausgegeben worden: Die Kunden sollen keinen direkten Kontakt mit den Fahrern aufnehmen, die Körbe bereitstellen und abliefern sollte ohne Begegnung geschehen.

***

20. März

Am Klinikum Passau werden derzeit fünf Corona-Patienten behandelt. Die Zahl der positiv getesten Ärzte hat sich von sieben auf vierzehn erhöht. Sie alle befinden sich mit "keinen bis geringen" Beschwerden in häuslicher Isolation.
Ein Orthopäde hatte - wie berichtet - den Virus im Klinikum eingeschleppt.

Die neu eröffnete Ambulanz für Fieberkranke, Eingang auf der Rückseite der Klinik, werde gut angenommen, heißt es in einer Pressemitteilung am späten Nachmittag. Sie entlastet Hausärzte und ist Anlaufstelle für Erkrankte, die an Grippe, andere Infektionskrankenheiten oder Corona leiden. Geöffnet ist von 9 bis 17 Uhr, auch am Wochenende. Keine Voranmeldung, Versichertenkarte mitnehmen. In dieser AmbulanzH werden auch Abstriche fürs Testlabor genommen. Die Besetzung: zwei Ärzte, zwei Schwestern, drei Fachangestellte. Sie arbeiten den Vorschriften gemäß mit Schutzbekleidung.

Im Moment stehen im Klinikum Passau gut 50 Betten zur Verfügung, auf denen kritische Erkrankte intensivemedizinische behandelt üder überwacht werden können; 26 Beamtungsgeräte stehen bereit. Man bemühe sich gerade beim Gesundheitsministerium um weitere.

Mittags: Söder ruft bedingte Ausgangesperre aus

"Wir müssen die Welle der sprunghaften Infektion brechen. Wir dürfen die Entwicklung nicht verschleppen", sagt Ministerpräsdient Söder heute um 12.30 Uhr. Jeder Tag zähle.

Er verhängt eine bedingte Ausgangssperre, nennt sie "Ausgangsbeschränkungen."

"Das alle fällt nicht leicht, denn wir sind ein freiheitsliebendes Land", sagt er. Er hätte nie gedacht, dass er als Ministerpräsident solche Entscheidungen treffen muss. "Aber ich kann und will mich nicht wegducken."

"Das ist ein Charaktertest für Bayern". Je entschlossener und konsquenter jetzt, umso besser die Chance, Zustände wie in China und Italien zu vermeiden. "Es gibt auch Bayern nach Corona. Gotte schütze unsere Heimat und bleiben Sie gesund!", schließt er seine Rede.

Söder sagt: "Nachbarländer haben gezeigt, wie man umgehen kann." Ein deutscher Sonderweg sei auf Dauer nicht sinnvoll. "Bayern ist Grenzregion, deshalb haben wir besondere Herausforderungen". Man werde sich "1 zu 1 an Österreich anpassen". Er hatte mit Kanzler Kurz telefoniert.

Diese Allgemeinverfügung über Ausgangssperren in der Seuche ist einstimmig angeordnet worden. Sie gilt ab heute Mitternacht auf die Dauer von zwei Wochen.

"Wir sperren Bayern nicht zu oder ein, aber wir fahren das öffentliche Leben nahezu vollständig herunter", sagt Söder. Ab Samstag gilt:

  • Zuhause bleiben!
  • Keine Partys daheim
  • Keine Nachbarskinder einladen
  • Nicht zu "Ferienpartys" laden

zählt Söder Beispiele auf. "Halten Sie Abstand von anderen und begeben Sie sich selbst in Quarantäne, wenn Sie Symptome haben."

Aiwanger über Wirtschaftshilfe
Soforthilfe an betroffenen Unternehmer, die nicht mehr liquide sind - beginnt bei 5.000 Euro für Kleinunternehmer - seien ohne Rückzahlung garantiert, sagt Vizepräsident Hubert Aiwanger. Spätestens am Dienstag werde das Geld auf den Konten landen. Hausbanken geben zudem "faire Kredite", für welche der Staat bürgt.

In Landwirtschaft und Lebensmittelversorgung, wo in der Krise dringend Kräfte gebraucht werden, dürfen Kurzarbeiter eingesetzt werden. "Einkaufen alleine, nicht mit der Familie!", betont Aiwanger.

Bayern produziert selbst Schutzmasken
Viele Lieferketten seien unterbrochen. Es gibt zu wenig Schutzmasken. Statt Autositzbezüge produzieren jetzt manche Betrieb Atemschutzmasken; ebenso Schneidereibetriebe, berichtet Aiwanger; sodaß bereits ab dem Wochenende mehrer zehntausend Masken in Bayern hergestellt werden können. Man denke selbst an die Bettwäsche, die für Ausweichkrankenhäuser, "Not-Hotels", eventuell benötigt wird.

Zur bedingten Ausgangssperre:

  • Jeder soll und kann zur Arbeit gehen, aber: Mindestabstand und wo es geht, Heimarbeit.
  • Arztbesuche erlaubt, aber nur in Notfällen, deshalb schließen Physiotherapeuten, Logopäden, Ergopäden.
  • Keine Betretungsrechte für Altenheime und Kliniken; Ausnahmen: Sterbefall, Eltern Kinder besuchen, frischgebackener Vater zu Mutter und Kind.
  • Lebensmittelversorgung bleibt erhalten, aber "Keine Hamsterkäufe".
  • Keine Bargeldabhebungen notwendig

Man werde unterbinden, dass in der Krise ausländische Unternehmen bayerische Betriebe "aufkaufen", erklären Söder ud Aiwanger. Auf die Eigenversorgung zu schauen, auf Autonomie sei jetzt wichtig.

Geschlossen haben ab morgen über die bisherigen Stillegungen hinaus:

  • Gastronomie
  • Friseure
  • Bau- und Gartenmärkte; letzere seien Orte des "Freizeittreffens" geworden, beklagt Söder.

Antworte zur bedingten Ausgangssperre auf Nachfrage der Journalisten

An die "frische Luft" zu gehen, mit dem Hund Gassi, mit den Kindern hinaus, draußen Sport zu treiben sei erlaubt - aber entweder  alleine oder mit der Familie (die sich eine Wohnung teilt), keinesfalls in Gruppen; keine geselligen Zusammenkünfte; keine Menschenansammlungen.

Auf die Polizei kommt eine große Belastung zu, dies alles zu kontrollieren. Innenminister Joachim Herrmann erklärt auf Anfrage, dass je nach Tatbestand Bußgelder bis zu 25.000 Euro verhängt werden; die Polizeibeamte werden Gruppen kontrollieren. "Gerade an diesem schönen Wochenende sei es notwendig, weitere Infektionen zu minmieren", sagt Söder.

Nochmals auf Nachfrage: "Joggen oder Spaziergänge  im Wald ja, aber es dürfen sich keine Gruppen bilden", sagt Herrmann.

Der Vormittag:
 

Zweieinhalb Stunden zuvor hatte Lother Wieler, der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), über die aktuelle Lage informiert. Er hielt es offenbar für notwendig, der Öffentlichkeit zu erklären, welche Kompetenz hinter seiner Einrichtung steht: ein Team von 100 Wissenschaftlern, ein internationaler Verbund mit anderen Instituten. Der Hinweis geht wohl an Zweifler und falsche Experten, die das Netz verseuchen. Wieler betont die Unabhängigkeit des Instituts, es müsse niemandem dienen, um Geld zu verdienen. Es erfüllt die Kernaufgabe des Landes: Krankheiten verhüten, bekämpfen und überwachen

Er wiederholte es, auch dem Letzten klarzumachen, dass der Grippevergleich nicht zieht.

Es hatte anfangs falsche Signale für die Öffentlichkeit gegeben. Ende Januar zog Gesundheitsminister Jens Spahn bei der TV-Talksshow „Maybret Illner“ den Grippe-Vergleich und verbreitete Zuversicht. An seiner Seite die Virologin Melanie Brinkmann erklärte, dass das Coronavirus "nicht so ansteckend sei wie die Grippe". Später wird sie umlenken, den Kampf gegen Corona verteidigen, es als richtig bezeichnen, dass Fußballspiele ohne Zuschauer stattfinden.

Wieler nennt vier Punkt,um diesen gefährlichen Grippevergleich aus dem Weg zu räumen

1.      Für Grippe gibt es kostenfreien Impfstoff, für Corona nichts.

2.      Für Grippe gibt es Medikamente, die helfen und lindern, für Corona nichts

3.      Bei der Grippe-Übertragung spielen vor allem Kindern eine Rolle, bei Corona alle Altersgruppen

4.      Corona ist deutlich ansteckender, breitet sich schneller aus, verursacht mehr Schwerkranke und Tote. „Es ist eine andere Dimension.“

Selbstverständlich würde sich Wieler wünschen, dass die Menschen sich auch vor Grippe wirklich schützen. Aber impfen lassen würden sich derzeit nur 30 Prozent.

Er schildert die Dramatik:

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06:50
Montag
10. August 2020
 
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