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Printmagazin | Mittwoch, 07. Oktober 20

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Der Berliner Krimi-Regisseur Maurice Hübner (34) im Gespräch mit Hauptdarstellerin Marie Leuenberger (40) am Innkai. (Foto: mediendenk)
ARD-Krimi aus Passau

Regisseur Hübner: Die schmalen Gassen passen gut zur Geschichte

Die Dreiflüssestadt ist neuer Schauplatz für den ARD-Donnerstags-Krimi. Morgen läuft der zweite Teil. Ein Gespräch über die Dreharbeiten mit dem Berliner Regisseur Maurice Hübner.

Was hast Du mitgenommen von den Dreharbeiten bei uns?

Für mich war es das erste Mal in Passau. Ich war vorher noch nie in dieser schönen, kleinen Stadt. Als erstes ist mir die besondere Architektur aufgefallen, die schmalen Gassen. Das war sehr beeindruckend und für unseren Film natürlich sehr besonders, weil es gut in die Geschichte passt: Es geht um ein Zeugenschutzprogramm. Unsere Hauptfigur taucht in Passau unter, muss immer auf der Hut sein, will unerkannt bleiben - und verschwindet sozusagen ein bisschen in diesen engen, verwundenen Gassen der Stadt. Was mir angenehm in Erinnerung geblieben ist: Die Leute waren überall besonders freundlich. Wir wurden sehr warm und herzlich aufgenommen, was man in der Form in Berlin eigentlich überhaupt nicht mehr kennt. Wir hatten viele lokale Komparsen und haben eng mit der Uni zusammengearbeitet.

Der ARD-Donnerstag-Krimi spielte bisher in Metropolen wie Amsterdam, Tel Aviv und Lissabon. Wie kam die niederbayerische Provinzmetropole zum Zug?

Ich habe das Projekt nicht von der Pike auf entwickelt. Das Drehbuch stammt von Michael Vershinin (Anm. d. Red.: Autor für „Tatort“, „SOKO Köln“ und „Großstadtrevier“) und wird produziert von der Münchner Firma „Hager Moss“ (Anm. d. Red.: Mitglied der „Constantin Film“). Ich glaube, die haben einfach das filmische Potenzial in Passau gesehen, weil es visuell so besonders ist und eine interessante Mischung enthält: drei Flüsse, direkt an der Grenze, Studentenstadt, sehr geschichtsträchtig. Die Stadt hat einfach viel zu bieten. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass Passau filmisch noch ungebrauchtist. Der Krimi ist ganz auf Passau fokussiert produziert worden.

Bist Du selbst ein Landei oder ein Großstadtmensch?

Ich bin in Freiburg im Breisgau geboren und da in der Nähe in einem kleinen Dorf aufgewachsen, also insofern eher ein Landei. Studiert habe ich in Ludwigsburg, das ist jetzt auch nicht gerade die größte Metropole. Deswegen ist mir Provinz nicht total fremd; aber ich komme natürlich aus Baden- Württemberg und nicht aus Niederbayern.

Was waren so die spannendsten Drehorte?

Was ich sehr spektakulär fand, war die Veste Oberhaus. Da findet ja eine große Szene am Ende des ersten Teils statt. Das war auf jeden Fall eine tolle Location, da zu drehen mit dem Ausblick auf die Stadt war sehr besonders. Und die Mariahilfstiege war auch sehr spannend, dort spielt eine Szene ganz früh im ersten Teil.

Ihr habt auch im Wald gedreht, war das hier im Neuburger Wald?

Die Waldszenen stammen nicht aus Passau, das war in der Nähe von München. Wir hätten das gerne gemacht, aber das war drehlogistisch anders einfacher.

Wie zeitaufwändig waren die Dreharbeiten in Passau?

Wir waren zwei Mal da, und vorher natürlich etliche Male, um die Drehplätze auszusuchen. Den ersten Teil haben wir im Frühjahr, den zweiten Ende 2019 gedreht. Wir haben tendenziell eher eine winterlich-leichte Stimmung in den Filmen, was aber sehr schön ist. Wir haben zum Beispiel natürlichen Nebel über den Flüssen, im Wald mussten wir die Nebelmaschine anwerfen. Einmal kam echter Schneefall dazwischen, das war nicht einfach, die Stimmung beizubehalten.

Es gibt eine Szene, die spielt auf dem Fünferlsteg, wo viele Radfahrer und Fußgänger unterwegs sind. Wie lange habt ihr sperren müssen?

Eine reizvolle Kulisse. Wir waren wohl einen halben Tag dort beschäftigt, hatten aber eine Intervallsperrung. Komplett sperren konnten wir nicht, weil es eine hoch frequentierte Brücke ist. Wir hatten an den Brückenköpfen Aufpasser positioniert, die während der Dreharbeiten Radfahrer und Passanten aufgehalten haben. In den Proben und Pausen konnten die Leute durchgehen.

Machst Du heute auf der Wallfahrtsstiege drei symbolische Kreuze, dass ihr den Dreh noch vor Corona beendet habt?

Wir haben den Schnitt vom zweiten Teil noch gerade so vor dem Lock-Down beendet und da bin ich ganz froh drum. Wir haben die restliche Nachproduktion mehr oder weniger über die Ferne erledigen müssen, viel Material wurde hin- und hergeschickt. Es ist schon ein anderes Arbeiten, es ist möglich, aber eine sehr große Herausforderung. Heute wird wieder gedreht, es ist aber alles viel komplexer geworden. Es gibt Hygienebeauftragte und viele Auflagen: Die Schauspieler werden getestet; das Team wird in verschiedene Zonen aufgeteilt; Abstände müssen eingehalten werden. Die kommenden Dreharbeiten werden wahrscheinlich sehr kompliziert und viel zeitaufwändiger sein als vorher. Jedes Mal, wenn ein Teil des Teams in irgendeinem Raum war und wieder herauskommt, muss alles desinfiziert und gelüftet werden.

Der Passau-Krimi hat zwei Folgen, glaubst Du es gibt eine Fortsetzung?

Beide Teile stehen für sich, bauen aber ineinander auf. Meine Empfehlung ist auf jeden Fall beide Teile zu gucken, man kann aber auch problemlos in den zweiten Teil einsteigen. Ich kann mir gut vorstellen, dass unsere Krimis aus Passau weitergehen. Grundsätzlich wäre das ein großer Wunsch von uns, weil die Geschichte sehr gut eine ganze Ecke weitergesponnen werden kann. Es ist schon etwas in grober Planung, aber schauen wir mal, wie dieserKrimi ankommt. Es hängt außerdem davon ab, wie sich die Corona-Situation entwickelt. Der Schluss vom zweiten Teil ist so gestaltet, dass man Lust auf neue Filme aus Passau hat.

Hat Passau „Tatort“-Potential?

Ich glaube nicht, dass die Stadt zu klein wäre. Aber warum „Tatort“? Wir sind jetzt an der Reihe. Die Frage stellt sich nicht mehr.

Erschienen im Septemberheft Nr. 138

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